Radfahrer-Unfälle

Ghostbike ist Appell für respektvolles Miteinander im Straßenverkehr

Dortmund - 500 Radfahrer demonstrierten in der Innenstadt für ein respektvolles Miteinander im Straßenverkehr. Dortmund hat nach einem tödlichen Unfall das vierte Ghostbike bekommen.

Für ein respektvolles und aufmerksames Miteinander im Straßenverkehr haben am Freitagabend in der Dortmunder Innenstadt 500 Radfahrer demonstriert. Anlass war der vierte tödliche Radfahrer-Unfall seit Februar 2017. An der Kreuzung Schützenstraße / Mallinckrodtstraße in der Nordstadt stellten Radfahrer deshalb das vierte "Ghostbike" in Dortmund auf.

Das weiß lackierte Geisterfahrrad soll an den nach einem Unfall mit einem Rechtsabbieger-Lkw getöteten 85-jährigen Radfahrer erinnern und vor den Unfallgefahren in der Großstadt warnen. Geisterfahrräder werden längst weltweit aufgestellt, wenn ein Radfahrer nach einem Unfall verstorben ist.

Die 500 Radfahrer fuhren vom Friedensplatz über den Wall vorbei am Dortmunder U bis zur Unfallstelle an der Schützenstraße. Respektvoll hielten sich die vielen wartenden Autofahrer zurück. Vor den mindestens 500 Radfahrern hielt VeloKitchen-Aktivist Axel Ricke einen eindringlichen Appell, der mehrmals von Applaus mit Händen und Klingeln unterbrochen wurde.

Axel Rickes Rede und weitere Bilder von der Radfahrer-Demo in diesem Video:

"Seid sichtbar. Achtet darauf, dass ihr niemanden gefährdet", sagte er, "VeloKitchen, VeloCityRuhr, der Verkehrsclub Deutschland, der ADFC und andere Organisationen fordern die Stadt Dortmund und weitere Kommunen auf: Schafft eine zeitgemäße Fahrrad-Infrastruktur. Wenn wir eine Verkehrswende schaffen wollen, sind wir auf Fahrräder angewiesen. Radfahrer müssen sich sicher fühlen auf unseren Straßen."

Ghostbike ist ein Scheißgefühl

Axel Ricke rief alle Verkehrsteilnehmer zu Rücksicht und Toleranz auf. "Nur so können wir in dieser Stadt den Verkehr ausbauen." Vor einer Schweigeminute sagte er: "Wir wünschen uns, dass wir nie wieder ein Ghostbike aufstellen müssen. Es ist ein Scheißgefühl, dieses Fahrrad aufzustellen."

Die Radfahrer-Demonstration verlief absolut friedlich und sehr eindrucksvoll. Passanten blieben stehen, hielten inne und stellten Fragen. Nach der Schweigeminute endete die Demonstration. Die Radfahrer fuhren geschlossen als "Critical Mass" (kritische Menge) weiter in Richtung Borsigplatz, vorbei auch an der Kreuzung Mallinckrodt-straße / Leopoldstraße, wo im November 2017 ein elfjähriger Junge von einem Lkw überfahren und getötet worden ist.

Staatsanwaltschaft klagt zwei Lkw-Fahrer an

In drei Fällen hatten Lkw beim Rechtsabbiegen die Radfahrer überrollt. Im Februar 2017 war ein Radfahrer in Wambel bei Rotlicht auf eine Kreuzung gefahren und unter einen Lkw geraten. Das Ermittlungsverfahren gegen den Lkw-Fahrer wurde eingestellt. Gegen die Lkw-Fahrer, die auf der Bornstraße einen 63-jährigen Mann und auf der Mallinckrodtstraße einen 11-jährigen Schüler überfahren und getötet haben, hat die Dortmunder Staatsanwaltschaft inzwischen Anklagen erhoben.

Die Gerichtstermine stehen noch nicht fest.

Sachverständige haben Unfälle untersucht

Beide Fahrer sollen nicht mit der gebotenen Aufmerksamkeit abgebogen sein. Unfallsachverständige hatten beide Fälle untersucht und waren zu dem Ergebnis gekommen, dass die Lkw-Fahrer die Radfahrer hätten sehen können, wenn sie den Verkehr genauer beobachtet hätten. Zu dem Unfall vom 6. August 2018 auf der Schützenstraße / Ecke Mallinckrodtstraße sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.

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