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Das Foyer des Museums Ostwall in der vierten Etage: dem Museum fehlen Bilder.

Reaktionen auf Berichterstattung

Verschwundene Kunst: Stadt weist Vorwürfe zurück

DORTMUND - Die Stadt weist bei der Frage nach den über 600 verlorenen Kunstwerken aus städtischem Besitz die Vorwürfe gegen sie zurück. Sie habe das Ausmaß des Werke-Verschwindens nicht verschleiert. In der Politik sieht man indes Klärungsbedarf. Und Kulturdezernent Jörg Stüdemann verspricht, alle Fakten auf den Tisch zu legen.

„Es gibt noch Klärungsbedarf“. Dieser Satz war aus Politik und Verwaltung am Freitag mehrfach zu hören nach unserer Berichterstattung über verloren gegangene Kunstwerke der Stadt und den Umgang der Verwaltung mit unangenehmen Wahrheiten.

Aus internen Vermerken der Verwaltung geht hervor, dass nicht nur aus dem städtischen Kunstarchiv 528 von 4034 Werken verschwunden oder wegen Beschädigungen nicht mehr vorhanden sind, sondern auch im Museum Ostwall 111 Kunstwerke fehlen. Der Leiter der städtischen Kulturbetriebe, Kurt Eichler, hatte Politik und Öffentlichkeit gar nicht oder nur scheibchenweise über das Ausmaß des Kunstschwunds informiert.

"Versäumnisse, die zum Teil Jahrzehnte alt sind"

Sie habe von den 111 vermissten Kunstwerken im Museum Ostwall aus der Zeitung erfahren, erklärte die Vorsitzende des Kulturausschusses, Birgit Jörder (SPD), am Freitag auf Anfrage. Über die Vorgänge bei der von einem Wirtschaftsprüfer geforderten Inventarisierung des Kunstbestandes sei man sehr wohl informiert worden – zuletzt in nichtöffentlicher Sitzung des Kulturausschusses im März. Sie sehe deshalb keinen Anlass zur Skandalisierung, sagte Birgit Jörder, stellte aber gleichwohl fest: „Es gibt offene Fragen und Versäumnisse, die zum Teil Jahrzehnte alt sind.“

Aufklärungsbedarf räumte auf Nachfrage auch Kulturdezernent Jörg Stüdemann ein. Auch er sei nicht in alle Details etwa aus dem E-Mail-Verkehr innerhalb der Kulturbetriebe eingeweiht. In der nächsten Kulturausschuss-Sitzung werde man umfassend in öffentlicher Sitzung berichten und eine ausführliche Stellungnahme abgeben. „Gegen traurige Berichterstattung helfen nur Fakten“, sagte Stüdemann.

Hinweis oder Drohung?

Der Jahresabschluss der Kulturbetriebe steht dann ohnehin auf der Tagesordnung. „Er ist vom zuständigen Wirtschaftsprüfer ohne Einschränkungen testiert“, erklärte die Stadt am Freitag schriftlich. Obwohl die von unserer Redaktion angeforderten Protokolle nur stark geschwärzt vorgelegt wurden, wies die Verwaltung den Vorwurf des Verschleierns zurück. Auch habe es sich bei der Ankündigung des Wirtschaftsprüfers, ohne ausreichende Nachweise des Anlagevermögens keinen Prüfungsnachweis zu erteilen, nicht um eine „Drohung“, sondern nur um einen „Hinweis“ gehandelt.

Die Grünen im Rat meldeten am Freitag ebenfalls Aufklärungsbedarf an. Falls der Ausschuss wissentlich nicht über alle Fehlbestände und Abweichungen zur Eröffnungsbilanz informiert worden sei, müsse der Leiter der städtischen Kulturbetriebe dazu Stellung nehmen, erklärte Fraktionssprecherin Ingrid Reuter. Es sei „sehr bedenklich, dass bei näherer Prüfung immer wieder Bereiche auffallen, in denen mit dem städtischen Eigentum nicht mit der geforderten Sorgfalt umgegangen wird."

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