Reale und künstliche Welt verschmelzen

Das kann der runderneuerte virtuelle Raum der Dasa

Dortmund - Wie wär's mit einem "Spaziergang" im Wald, bei dem man in einem Abwasch Bäume fällen und zerteilen kann? Im neu eröffneten virtuellen Raum der Arbeitswelt-Ausstellung (Dasa) ist das möglich - und noch vieles mehr.

Wie die Axt im Walde - das war gestern. Heute in Zeiten von Orkanen wie Kyrill und Friederike fällt man Bäume mit dem Harvester, einer großen Walderntemaschine, die das Holz in einem Arbeitsgang von den Ästen befreit und in vorgegebene Längen zerteilt. Wer will, kann das im runderneuerten virtuellen Raum der Arbeitswelt-Ausstellung (Dasa) in Dorstfeld ausprobieren. Seit Neuestem auch ohne 3D-Brille.

Damit ist die Simulation großräumig geworden. Auf sechs Bildflächen von brillanter Schärfe und je rund drei Quadratmetern können Dasa-Besucher die Forstwirtschaft von heute und morgen mithilfe eines Gamepads, in diesem Fall eines Xbox-Controllers entdecken.

Die Software kommt vom Dortmunder RIF-Institut für Forschung und Transfer. Der simulierte Wald ist das Abbild von rund 80 Quadratkilometern echter Sauerländer Waldfläche. Geländehöhen, Wegenetze und Einzelbäume wurden aus dem Flugzeug vermessen. Auch Kyrill ist eingepflegt (Friederike kam zu spät); denn die Simulation zeigt unter anderem, wie sich ein Sturm im Wald aufbaut, sich Turbulenzen aus der Windwalze lösen und in Form roter Kugeln die Bäume gefährden.

"Wir können vorausberechnen, wie sich der Sturm im Wald entwickelt, und wie lang die Arbeiter im Wald ungefährdet agieren können", erläutert RIF-Vorstand Prof. Jürgen Roßmann von der RWTH Aachen.

Arbeitssicherheit und Optimierung von Produktion

Ziel der neuen Ausstellungszone ist es, einem breiten Publikum zu vermitteln, wie Arbeiten im virtuellen, also künstlichen Raum für die Zukunft zu nutzen sind, sagt Dasa-Leiter Gregor Isenbort. Es gehe um Arbeitssicherheit und Optimierung von Produktion. "Je mehr Vorwissen ich habe, umso besser kann ich im Ernstfall agieren", ergänzt Prof. Roßmann.

Neben dem "Waldspaziergang" hat die Dasa in ihrem virtuellen Raum zwei weitere Szenarien als Rundum-Panoramen: die Internationale Raumstation ISS und eine Großstadtansicht. In der ISS - zwar weniger eine Kernkompetenz der Dasa, aber auch in der alten Version mit Datenbrille eine der Hauptattraktionen bei den Schülern - lassen sich gefährliche Situationen simulieren wie das Ausweichen vor Weltraum-Müll. Und ohne Datenbrille, mit der es einem schon mal übel werden kann, wird man im Weltraum nicht mehr so schnell "seekrank".

"Digitalisierung ist ein Gewinn"

Mit der simulierten Großstadt lassen sich Planungsfehler im Städtebau vermeiden. Anhand der Windeinströmung kann man zum Beispiel verfolgen, wie sich die Abgase verteilen. Außerdem sieht man, wo Schatten fehlt oder sich die Hitze staut. Die Gefahr von Starkregen und Überschwemmungen lässt sich ebenfalls ablesen.

"Auch zur Simulation gefährlicher Berufe ist Digitalisierung ein Gewinn", sagt Isenbort. So wurde die Profisimulation zum Wald auch an Arnsberger Waldarbeiter-Schulen verkauft. Haben die Anfänger dort früher beim Üben in der realen Welt zuweilen erhebliche Maschinenschäden verursacht, macht es beim Kaltstart im virtuellen Raum nichts, wenn das Sägeaggregat mit Krawumm gegen den Baum knallt oder gleich der ganze Harvester umkippt.

Frauen mit besserer Feinmotorik

Frauen, weiß Prof. Roßmann zu berichten, sind die besseren Harvesterfahrer. Ihre Feinmotorik ist besser, wenn es ums Steuern der Maschinen geht. "Das dreidimensionale Koordinationsvermögen ist im Schnitt bei Frauen besser."

Bennet van den Ham vom St.-Georg-Gymnasium in Bocholt, am Donnerstag mit seiner Klasse zu Besuch in der Dasa, versucht, den Baum mit den Greifarmen des Sägeaggregats zu umarmen und den Stamm mit der Urgewalt von 130 PS zu zersägen, indem er am Xbox-Controller fingert. Kein einfaches Unterfangen. Er findet's trotzdem "gut", ein Klassenkamerad kann das noch steigern: "Geil".

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