Fehlbuchungen im Kreis RE

Chaos bei Impftermin-Vergabe: KVWL nicht zuständig für Berufstätige mit höchster Priorität: Eine Betroffene berichtet

  • Bernd Turowski
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Wieder Chaos nach der Impftermin-Vergabe: Beschäftigte von Pflegediensten müssen das Impfzentrum in Recklinghausen unverrichteter Dinge verlassen, weil sie eine Sache nicht beachtet haben. Der Kreis RE klärt über die Fehlbuchungen auf.

Update, 2.3. 8.00 Uhr: Mit der Dorstenerin Birgit Winkels hat sich inzwischen ene betroffene Pflegedienstmitarbeiterin bei uns gemeldet, die zusammen mit ihrer Arbeitskollegin exakt das vom Kreis beschriebene Szenario erlebt hat. Beide arbeiten für ein Recklinghäuser Personalleasing-Unternehmen, das Pflegekräfte in unterschiedliche Einrichtungen vermittelt - darunter auch Stationen mit Coronapositiven. Über 116117.de hatten sich beide Frauen bereits im Januar zur Impfung angemeldet und eine Impfbestätigung (liegt der Redaktion vor) bekommen. Auf der war allerdings der BioNTech-Impfstoff vermerkt.
„Im Impfzentrum Recklinghausen sagte man meiner Kollegin, das ihr der Impfstoff nicht zustehen würde und sie somit nicht geimpft werde. Um mit Astra-Zeneca geimpft zu werden, müsse sie Online über eine andere Homepage einen neuen Termin buchen“, erzählt Birgit Winkels von den Erlebnissen ihrer Arbeitskollegin. Ihr eigener Termin, der Mitte März - ebenfalls mit dem BioNTech-Impfstoff - sein sollte, ist auch hinfällig, da er ebenfalls über das Portal der Kassenärztlichen Vereinigung gebucht wurde.
„Meine Kollegin hat online nach einer Homepage gesucht aber keine gefunden in der man den Impfstoff auswählen kann.  Jetzt will sie sich nicht mehr impfen lassen“, berichtet die gebürtige Marlerin.
Da der Astra-Zeneca-Impfstoff zum Zeitpunkt der Terminbuchung noch keine Zulassung besaß, fiel den beiden Frauen der Hinweis auf den BioNTech-Impfstoff auch nicht weiter auf. „Im Buchungssystem wurde auch zu keinem Zeitpunkt nach dem Alter gefragt - nur ob man zu der Prioriträt 1 gehört, wie beispielsweise Ü80-Personen oder Pflegekräfte in stationären Einrichtungen“, so Birgit Winkels weiter. Gescheitert waren beide Frauen zuvor beim Versuch telefonisch einen Termin zu bekommen. „Man sagte mir, es wäre egal ob ich zur Priorität 1 gehöre. Es könnten nur Termine für Ü80 gemacht werden“, erinnert sich die erfahrene Pflegekraft. Und weiter: „Da läuft doch was falsch!“

Aufklärung brachte sie Nachfrage beim Kreis Recklinghausen: „Des Rätsels Lösung ist ganz einfach: Die beiden Damen haben sich in einem System angemeldet, in dem sie sich gar nicht hätten anmelden dürfen. Die Terminbestätigung ist von der Kassenärztlichen Vereinigung. Sie ist zuständig für die Termine für die Bevölkerung. Es eine Abfrage geben müssen, ob sie über 80 sind. Bei einem „Nein“ hätte der Hinweis kommen müssen, dass sie nicht berechtigt sind, in diesem System einen Termin zu vereinbaren“, erläutert Pressesprecherin Svenja Küchmeister.

Den beiden Frauen bleibt nun in der Tat nichts anderes übrig als sich noch einmal anzumelden. Da die Impftermine für die Menschen über 80 nach wie vor sehr begehrt sind, sollten alle Betroffenen, die ebenfalls auf dem hier beschiebenen Weg BioNTech-Termine bekommen haben, der KV absagen. Dann werden diese Termine frei für Menschen über 80.

Der März ist da - und nach Auffassung von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann soll nun endlich viel Schwung in den bisher stockenden Impfplan der nordrhein-westfälischen Landesregierung kommen. Wenn, ja wenn, da nicht das Chaos bei der Terminvergabe wäre...

Auch im Impfzentrum des Kreises RE in Recklinghausen kommt es des Öfteren zu Missverständnissen und Problemen mit Menschen, die denken, sie hätten ihren Impftermin korrekt über die Webseite der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) vereinbart. Das ist aber längst nicht in allen Fällen die richtige Vorgehensweise, wie der Kreis erklärt.

Beschäftigte von Pflegediensten im Kreis Recklinghausen müssen neuen Termin vereinbaren

Nach Angaben der Behörde seien in diesen Tagen Beschäftigte von Pflegediensten zum Impfzentrum gekommen, um sich impfen zu lassen – und mussten dann unverrichteter Dinge wieder umkehren und einen neuen Termin vereinbaren.

Denn: Über das KVWL-Portal, auf dem sie sich angemeldet haben, dürften derzeit ausschließlich die Termine für Privatpersonen über 80 Jahren gemacht werden, stellt die Kreisverwaltung in einer Pressemitteilung klar. Diese Personengruppe werde mit dem Impfstoff von BioNtech geimpft. Für Menschen unter 65, also den Großteil der Berufstätigen, sei dagegen aktuell nur der von AstraZeneca vorgesehen.

Landrat Bodo Klimpel: „Das vom Land festgelegte Verfahren beachten“

Wer also einen Termin über die Kassenärztliche Vereinigung bucht, blockiere damit eine Impfdosis und einen Termin, der einer Person über 80 zustünde – ohne am Ende selbst geimpft zu werden, so der Kreis Recklinghausen. "Wir verstehen, dass Impfberechtigte froh sind, wenn sie einen Termin bekommen können. Doch wir bitten, das vom Land festgelegte Vorgehen zu beachten. Nur so ist sichergestellt, dass die bestellten Impfstoffe auch an die Personen verimpft werden können, denen dieser Impfstoff zusteht", sagt Landrat Bodo Klimpel.

Wer zu dem Personenkreis gehört, der aufgrund seiner beruflichen Situation mit höchster Priorität geimpft wird, würde ein gesondertes Impfangebot erhalten. Dies geschehe in der Regel über den Arbeitgeber, zu dem der Kreis RE aktiv Kontakt aufnimmt. Die Termine würden dann über die Kreisverwaltung koordiniert und die entsprechende Impfmenge AstraZeneca angefordert.

Ab 8. März können auch Mitarbeiter:innen in Schulen und Kitas geimpft werden

Das Land hat per Erlass am heutigen 1. März angeordnet, dass ab dem 8. März "auch den in Kindertagespflegestätten, heilpädagogischen Kindertagesstätten, Grundschulen, Förderschulen, der Kindertagespflege und in Einrichtungen der Jugendhilfe tätigen Personen Impfangebote zu unterbreiten" sind. Mit dem Erlass ist dem Kreis RE auch zusätzlicher Impfstoff für die Impfung dieser Personengruppe angekündigt worden.

Die konkrete Vorgehensweise werde derzeit noch abgestimmt, berichtet die Kreisverwaltung. Sobald feststehe, wie diese neu hinzu gekommenen Personengruppen ins laufende Verfahren eingebunden werden, werde es dazu eine gesonderte Information geben. Auch für diese Personen sei es nicht zulässig, Impftermine über das Portal der Kassenärztlichen Vereinigung zu machen.

Kreis Recklinghausen rät: Falsch gebuchten Impftermin stornieren und neu vereinbaren

Wer aufgrund einer beruflichen Impfung versehentlich einen Impftermin über das KV-Portal vereinbart hat, wird gebeten, diesen Termin – wie in der Bestätigungsmail beschrieben – zu stornieren und sich per Mail an prioimpfung@kreis-re.de zu wenden. Auf diesem Weg bestehe die Möglichkeit, einen Ersatztermin zu vereinbaren, so der Kreis RE.

Rubriklistenbild: © Montage: 24VEST

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