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Für die Lücken im Supermarktregal wollen die Angestellten der Lebensmittelbranche nicht verantwortlich sein.

Frust in Zeiten der Corona-Krise

Gewerkschaft warnt: Angestellte der Lebensmittelindustrie im Kreis RE schuften am Limit

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Leistungsdruck und Preisdumping  lasten schwer auf den 3500 Angestellten der Lebensmittelindustrie im Kreis Recklinghausen. Für die Lücken im Regal wollen sie nicht verantwortlich sein.

  • Damit die Regale der Supermärkte gefüllt bleiben, müssen die Angestellten der Lebensmittelhersteller unter Volldampf arbeiten.
  • Die Gewerkschaft NGG pocht darauf, dass auch in Zeiten der Corona-Krise die Grenzen des Arbeitszeitgesetzes nicht gesprengt werden. Es geht um Gesundheit und Sicherheit der Angestellten.
  • Für die Lücken im Regal sind nicht die Hersteller, sondern Hamsterkäufe und Transportprobleme verantwortlich, sagt NGG.

In der Corona-Krise kommt die Lebensmittelindustrie im Kreis Recklinghausen an ihr am Limit, und es geht an die Substanz der Mitarbeiter. Sie sind es schließlich, die immer wieder  für Nachschub in den teils leergefegten Supermarktregalen sorgen: Die rund 3.500 Menschen, die im Kreis Recklinghausen in der Lebensmittelindustrie arbeiten, leisten in der Coronavirus-Pandemie einen entscheidenden Beitrag dafür, dass Essen und Trinken nicht knapp werden. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hingewiesen. 

Coronavirus im Kreis Recklinghausen: Überstunden und Extra-Schichten an der Tagesordnung

 „Überstunden und Extra-Schichten sind in der Lebensmittelindustrie schon seit Wochen an der Tagesordnung. Die Menschen arbeiten am Limit, damit Aldi, Lidl, Rewe, Edeka & Co. die Ware nicht ausgeht“, sagt Adnan Kandemir von der NGG-Region Ruhrgebiet. Die Politik habe dies immerhin erkannt und die Lebensmittelbranche für „systemrelevant“ erklärt. 

Coronavirus im Kreis Recklinghausen: Frust der Verbraucher vor leeren Regalen

Vor allem wollen die hart arbeitenden Fachkräfte nicht schuld sein am Frust der Verbraucher, die vor leeren Tiefkühlregalen stehen. „Klar ist, dass die Versorgung mit Lebensmitteln an der Industrie, aber auch am Bäcker-und Fleischerhandwerk nicht scheitert. Wenn Nudelregale einmal leer oder Tiefkühlpizzen ausverkauft sind, dann liegt das vor allem an übertriebenen Hamsterkäufen und an Problemen in der Logistik“, macht Kandemir deutlich.

Coronavirus im Kreis Recklinghausen: Supermarktketten fordern mehr Ware und drücken die Preise

Die Mitarbeiter wollen mit harter Arbeit ihren Teil zur Lösung der Corona-Krise beitragen, aber sie wollen nicht zum Opfer werden. Scharfe Kritik übt der NGG-Gewerkschaftssekretär deshalb an den Vorgaben von Supermarktketten. Die Konzerne forderten von den Herstellern auf der einen Seite, in der Krise noch schneller und noch mehr zu produzieren. Zugleich wolle man die Preise drücken. „Das geht letztlich auf Kosten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ohnehin unter Volllast arbeiten“, so Kandemir.

Coronavirus im Kreis Recklinghausen: Maximal zehn Stunden am Tag und 60 Stunden in der Woche

Die NGG warnt deshalb vor geplanten einschneidenden Eingriffen in das Arbeitszeitgesetz. „Corona darf nicht dafür herhalten, die Höchstgrenzen bei der Arbeitszeit auszuhebeln. Gesetzliche Standards seien wichtig. Sonst leide am Ende die Gesundheit der Beschäftigten: „Wer eine 12-Stunden-Schicht in der Backwarenindustrie hinter sich hat, bei dem steigt die Unfallgefahr“, sagt Kandemir. Das derzeit gültige Arbeitszeitgesetz setze ein klares Limit: nicht mehr als zehn Stunden am Tag und nicht mehr als 60 Stunden pro Woche.

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