Auch im Kreis Recklinghausen ist das Coronavirus ein Thema. Mareike Graepel aus Haltern berichtet aus dem Alltag mit ihrer Familie. Sachkunde-Unterricht findet beispielsweise im eigenen Garten satt.
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Auch im Kreis Recklinghausen ist das Coronavirus ein Thema. Mareike Graepel aus Haltern berichtet aus dem Alltag mit ihrer Familie. Sachkunde-Unterricht findet beispielsweise im eigenen Garten satt.

Blog von Mareike Graepel

Mitten im Corona-Chaos: Das Tagebuch zum Ausnahme-Zustand - Teil 3

  • Mareike Graepel
    vonMareike Graepel
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Das Coronavirus stellt das Leben auf den Kopf. Unsere Familien-Kolumnistin Mareike Graepel schreibt ab jetzt ein Tagebuch – mit Tipps und Anregungen für Eltern und für Home Office-Neulinge.

  • Das Coronavirus hat auch den Kreis Recklinghausen fest im Griff. 
  • Kitas und Schulen sind geschlossen.
  • Mareike Graepel bloggt aus ihrem daraus resultierenden Familien-Alltag.

Die Frustration kommt im Moment noch in kleinen Wellen, derzeit herrscht bei uns das Gefühl der spannenden Ausnahmesituation vor. Lagerkoller in kleinen Dosen muss aber genau beobachtet und vorsichtig „behandelt“ werden. Sonst wird aus einem kleinen Anfall schnell eine riesiger Familienstreit, der jedes Zuhause (egal, ob Wohnung oder Haus) zum emotionalen Bersten bringen wird. Die Familie, die sich unter besten Umständen nicht gegenseitig auf den Geist geht, muss mir erstmal jemand zeigen – aber (und ich bin eher schnell sehr wütend und sehr aufbrausend, das Alles kostet mich unendlich viel Energie) in der Ruhe liegt die Kraft. Es hilft ja auch nichts, wir können ja weder raus aus unserer Haut noch raus aus unserem Haus.

Coronavirus: Es ist ruhig auf den Straßen im Kreis Recklinghausen  

Heute Morgen fällt mir auf, dass es auf den Straßen so ruhig ist wie an einem frühen Sonntagmorgen, die „Stauschau“ im Radio vermeldet zur Rush-Hour: Nichts, nicht einen Kilometer, nicht einmal zähfließenden Verkehr. Es ist eher der zähfließende Gedankenstrom in meinem Kopf, der mir das Leben schwer macht – und den Kindern auch. Ich freue mich geradezu über die Mails der Lehrer*innen und bin dankbar, dass sie uns so gut mit Materialien versorgen. 

Helfen in Coronavirus-Zeiten im Kreis Recklinghausen: Kreative Hausaufgabenhilfe

Allerdings ist mir auch bewusst, wie viele Eltern jetzt ratlos vor den Heften und Büchern stehen und weder die Hausaufgaben nachgucken noch zusätzliche Materialien zusammenstellen können. Aus sprachlichen Gründen oder weil sie eine andere Schulbildung haben als ihre Kinder. (Soll ich noch mal zugeben, dass mich die Matheaufgaben der sechsten Klasse vor ungeahnte Schwierigkeiten stellen? Aber das Einmaleins mit Orla kann ich üben, ha!) Wie gehen die damit um? Ich werde in den WhatsApp-Eltern-Gruppen der Klassen meiner Töchter vorschlagen, dass sich die Kinder bei uns melden dürfen, wenn sie Fragen haben (vielleicht findet sich ja auch jemand, der mir beim Mathe-Nachgucken hilft…). So kann ein Hilfe-Kreislauf für die Schulsachen entstehen. 

Coronavirus im Kreis Recklinghausen: "Schulische Belange treten in den Hintergrund"

So sind manche Auswüchse der Ausnahme-Situation besonders rührend. Die Lehrerin von Orlas Freundin Sophie hat jedem Kind persönlich ein Päckchen mit Aufgaben geschnürt und vor die Haustür gelegt. Und die Schulleiterinnen der Grundschule Herten-Mitte, Susanne Schäfer und Stephanie Lehmann, haben einen liebevollen Appell ins Netz gestellt. Sie schreiben: „Es gibt Zeiten im Leben, da treten schulische Belange und Richtlinien und Lehrpläne in den Hintergrund. Ihre Kinder können jetzt viel mehr lernen als Grammatik, Mathematik, Englisch und Co. Denn Werte wie Solidarität, Geduld, Rücksichtsnahme, gegenseitige Hilfe, Dankbarkeit, Herzensbildung sind weitaus mehr wert als jede Rechenaufgabe, jede Englischlektion, jedes Arbeitsblatt. Nutzen Sie die Zeit auch, um wertvolle gemeinsame Momente zu schaffen - das kann unser Material nicht. Aber Sie können das! Geben Sie gut auf sich und Ihr Kind acht in dieser bewegten Zeit. (…) Die Bildung des Herzens geht nun vor!“ Ein guter Rat. Wir teilen uns also auf: Morgens wird gelernt und nachmittags gespielt. Oder ein virtueller Ausflug gemacht.

Unsere Tipps für die Zeit zu Hause:

  • Für Reiselustige auf der Couch: Wer wollte schon immer mal nach New York? Paris, Seoul, Los Angeles? Bitte aufzeigen! Das habe ich mir gedacht – erst fehlte das Geld, dann die Zeit und jetzt die Möglichkeit, auch nur die Wohnung zu verlassen. Kein Problem mehr: Google Arts & Culture hat sich mit über 500 Museen und Galerien auf der ganzen Welt zusammengetan, um virtuelle Touren und Online-Ausstellungen von einigen der berühmtesten Museen der Welt anzubieten. Mit dabei sind das Guggenheim Museum (NYC), Musée d’Orsay (Paris), National Museum of Modern and Contemporary Art (Seoul) und das The J. Paul Getty Museum in L.A., aber noch viele anderem, auch in Amsterdam, Florenz, Mexiko und Berlin. Die Auswahl ist riesig! Für mehr Infos bei Google „virtuelle Museumstour“ eingeben und sich die spannendsten Museen aussuchen.
  • Für die Tier-Freunde unter den Kindern: Der WDR hat eine Liste von Zoos zusammengestellt, die über Webcams Einblicke in das Leben ihrer Tiere geben. Vorteil: Man muss nicht diskutieren, ob man nach dem Eis und der Zuckerwatte auch noch einen Burger und Popcorn kaufen muss. Es sei denn, Sie haben sowas im Schrank. Auf Vorrat. Hier geht es zur Liste.
  • Home-Office-Tipp des Tages: Ziehen Sie an, was Sie wollen, das sieht ja – außer bei Video-Schalten – keiner (und sagen Sie es auf keinen Fall in der Tel-Ko, falls Sie dabei in der Badewanne liegen!). Aber bedenken Sie: Wer sich zu festgelegten Zeiten wie sonst auch immer duscht und/oder anzieht (je nach persönlichem Stil ggf. beides), fühlt sich souveräner und ist konzentrierter. 

Die bisherigen Tagebuch-Einträge:

Teil 1

Teil 2

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