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Auch im Kreis Recklinghausen ist das Coronavirus ein Thema. Mareike Graepel aus Haltern berichtet aus dem Alltag mit ihrer Familie.

Blog von Mareike Gräpel

Mitten im Corona-Chaos: Das tägliche Tagebuch zum Ausnahme-Zustand - Teil 4

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Das Coronavirus stellt das Leben auf den Kopf. Unsere Familien-Kolumnistin Mareike Graepel schreibt ab jetzt ein Tagebuch – mit Tipps und Anregungen für Eltern und für Home Office-Neulinge.

  • Das Coronavirus hat auch den Kreis Recklinghausen fest im Griff. 
  • Kitas und Schulen sind geschlossen. 
  • Mareike Graepel bloggt aus ihrem daraus resultierenden Familien-Alltag.

Drei Dinge habe ich auf dem Herzen. Erstens: Dieser Blog ist ein Zeugnis einer sich entwickelnden Situation, manches probieren wir aus, und ändern es wieder, weil es sich nicht bewährt hat. Zweitens: In Krisenzeiten verkauft sich Lippenstift besser – aber selbstbräunende Körpermilch bestimmt auch. Und Drittens: Wie geht es den Menschen, für die Arbeit oder Schule ein Ort der Sicherheit war?

„Ist heute Mittwoch? Oder welcher Wochentag ist gerade?“ Unsere Große ist kurz verwirrt, und ich kann es ihr nicht verdenken – jeder Tag scheint gleich zu sein, und wir sind erst mitten in der ersten Woche. Zwar wechseln die Fächer auf ihrem Homeschooling-Plan, aber ansonsten ist alles gleich. Die gleichen vier Wände, die gleichen Menschen, der gleiche Hund, der gleiche Garten. Ein bisschen wie bei „Und täglich grüßt das Murmeltier“. (Wir wecken die Kinder übrigens nicht immer mit dem gleichen Lied wie in dem Film, in dem „I got you, babe“ immer denselben Tag einläutet, werden den Song aber in die Gute-Laune-Playlist aufnehmen!)

Die Playlist gegen den Coronavirus-Blues

Wie Bill Murray als Phil Connors in „Und täglich grüßt das Murmeltier“ haben aber auch wir jeden Tag die Chance, den Ablauf der Ereignisse neu zu bestimmen. Haben die Chance zu bemerken, dass das Pensum von mehreren 45-Minuten-Selbstlern-Stunden sehr hoch ist. Besonders unser Grundschulkind kriegt zwischendurch andere, kreativere Sachen zu tun, sonst hält sie das nicht länger durch. Und auch der Großen habe ich gesagt, dass wir jeden Tag neu besprechen, was sie machen soll und kann – sonst wirkt der Berg an Aufgaben unüberwindbar. Jede Schule und jede/r Lehrer*in handhabt die Verteilung anders, und das ist auch gut so. Niemand sollte den Ehrgeiz entwickeln, in den nächsten fünf Wochen mit den Kindern so zu pauken, als müssten sie danach mindestens eine Klasse überspringen. Und buchstäblich cool: In den Pausen dürfen die Mädels auch mal ein Eis am Stiel haben – ein Highlight!

Meine eigenen Highlights in diesen Tagen sind scheinbar oberflächlich. Ich trage die guten Ohrringe, die ich sonst nur nehme, wenn ich ins Theater gehe. Ich freue mich über meine Körperlotion mit leichtem Bräunungseffekt, weil ich auf meine Knöchel oder Arme blicken und für einen Moment so tun kann, als wären meine Haut und ich gerade ein paar Tage am Strand gewesen. Sekundenlange Phantasie-Reisen an schöne Orte dieser Welt erhalten mir halbwegs meinen Verstand. Mag albern klingen, aber ich bin nicht allein: Sich schminken und etwas pflegen zu können, ist für Frauen, auch und vor allem in Zeiten größter Gefahr oder Krisenzeiten, von geradezu existenzieller Bedeutung. Es erhält die Würde, die Selbstachtung und bringt Normalität. Die Verkaufszahlen von Lippenstift in Kriegszeiten belegen das seit über 100 Jahren. (Warum hamstern dann gerade so viele Leute Klopapier? Das können doch dann nur Männer gewesen sein…)

Coronavirus im Kreis Recklinghausen: Mit Würde und Sicherheit

Würde – ein hohes Gut. Für alle Menschen. Ich sage das so leicht und lustig, dass ich mir das mit eine Creme erhalte, oder Lippenstift. Aber was ist mit der Würde und der Sicherheit von Frauen und Kindern, die während der Coronavirus-Pandemie von häuslicher Gewalt betroffen sind? Allein 2017 zum Beispiel mussten die Frauenhäuser im Kreis Recklinghausen 17 Aufnahmegesuche pro zur Verfügung stehendem Platz ablehnen. Pro Platz. Das sind mindestens 448 im ganzen Kreis, 248 davon allein in Castrop Rauxel. Und das sind nur die Frauen, die schon so verzweifelt sind, dass sie einen Platz suchen. Die Dunkelziffer der Frauen, die sich nicht melden, ist immens hoch. Und Kinder leiden immer mit. Als Betroffene und als Zeugen.

Coronavirus im Kreis Recklinghausen: Wir müssen aufmerksam sein

Liebe Menschen, wir müssen auch außerhalb der Liste der Corona-Symptome aufmerksam sein – wie geht es den anderen, in der Nachbarschaft, im Umfeld, den Kleinen, den Großen. Niemand sollte zögern, Hilfe anzubieten, ein offenes Ohr zu haben oder wenigstens zu zeigen, dass man ahnt, wenn es jemandem anders schlecht geht.

Weitere Infos:

Sport statt Mathe: Der Basketballverein Alba Berlin bietet digitale Sportstunden an für Kinder – zum Ansehen und Mitmachen zu Hause. Für Kita-Kinder um 9 Uhr, für Grundschulkinder um 10 Uhr und für das Oberschulalter ab 11 Uhr von Montag bis Freitag. Hier geht es zum Digitalen Sportunterricht: youtube.com/albaberlin

Spaziergang statt Glotze: Ja, Film und Fernsehen sind sehr willkommene Ablenkungsmanöver. Das ist auch völlig okay. Der tägliche Spaziergang in einem abgelegenen Waldstück, in dem man nur sehr wenigen bis keinen Leuten begegnet, ist aber eine sehr gute Alternative. Und eine Gelegenheit, den Tag, die Situation, die Laune der Menschen, die man lieb hat, zu besprechen.

Weitere Teile des Blogs:

Teil 1

Teil 2

Teil 3

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