Gedenken an Polizistenmord
+
Nach dem Mord an drei Polizisten wurden Blumen am Tatort niedergelegt.

Neonazi erschoss drei Beamte

Polizistenmord vor 20 Jahren: Kollegen gedenken in Recklinghausen und Dortmund der Opfer

Es geschah am 14. Juni 2000: Der Neonazi Michael Berger schießt in Dortmund-Brackel auf zwei Polizisten. Der eine stirbt, die Kollegin wird schwer verletzt. Bei seiner Flucht tötet der rechtsradikale Täter anschließend zwei weitere Polizisten. 

  • Weil er nicht angeschnallt war, wurde der 31-jährige Michael Berger am 14. Juni von den beiden Dortmunder Polizeibeamten Thomas Goretzky und Nicole Hartmann aus dem Streifenwagen heraus angesprochen.
  • Der Täter, der aus Selm stammte, war fest in der Dortmunder Neonazi-Szene integriert.
  • Der Landtag Nordrhein-Westfalen beschloss 2014, die Morde in die Arbeit des NSU-Untersuchungsausschusses einzubeziehen. Bewiesen wurde ein Zusammenhang nicht.

Der Ablauf des 14. Juni 2000 konnte später recht genau rekonstruiert werden. So ist der aus Selm stammende Michael Berger unangeschnallt in Dortmund unterwegs, als er von den beiden Polizisten Thomas Goretzky und Nicole Hartmann aus dem Streifenwagen heraus angesprochen wird. Zu diesem Zeitpunkt verfügt Berger über keine gültige Fahrerlaubnis. Berger versucht, zu fliehen, kann aber in Brackel gestellt werden. Er eröffnet das Feuer auf die Beamten. Goretzky stirbt, Hartmann wird schwer verletzt, kann aber noch Verstärkung anfordern. 

Eine Großfahndung wird ausgelöst. Berger hält schließlich in Waltrop neben einem Streifenwagen und gibt drei Schüsse auf die beiden Polizeibeamten Ivonne Hachtkemper und Matthias Larisch von Woitowitz ab, die beide am Tatort sterben. Später wird der Wagen des Täters bei Olfen gefunden - mit dem toten Berger darin. Er hatte sich selbst erschossen. 

Dortmund: Täter war gut vernetzt in der Neonazi-Szene

Bei der Durchsuchung von Bergers Wohnung wurden eine Splitterhandgranate, Jagdgewehre, Revolver und eine ungarische Pistole gefunden. In seinem Elternhaus wurde ein verstecktes AK-47-Sturmgewehr entdeckt. In Bergers Brieftasche wurden unter anderem ein Bild Adolf Hitlers, ein Mitgliedsausweis der NPD, eine Visitenkarte des später verbotenen Nationalen Widerstands Dortmund (NWDO) gefunden. In seiner Wohnung fanden sich zudem Mitgliedsausweise der DVU und Republikaner.

https://www.facebook.com/Polizei.NRW.DO/photos/a.469048826449066/3282334378453816/?type=3

Bei der zentralen Trauerfeier für die Opfer am 19. Juli 2000 zogen über 8.000 Polizisten aus dem gesamten Bundesgebiet in einem Schweigemarsch durch die Dortmunder Innenstadt. Ministerpräsident Wolfgang Clement äußerte „tief empfundene Hilflosigkeit angesichts der schrecklichen Tatsache des Todes dreier junger Polizeibeamter“.

Recklinghausen: Polizeipräsidentin gedenkt der Opfer

Die Polizei Recklinghausen und die Polizei Dortmund haben am Sonntag (14.6.) der Kollegen gedacht, die am 14. Juni 2000 von dem Dortmunder Neonazi ermordet worden waren. "Dieses Verbrechen hat die Polizei vor 20 Jahren zutiefst erschüttert. Die ermordeten Kollegen sind in unserer Behörde unvergessen", sagte Recklinghausens Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen und betont: "Diese Tat eines Rechtsextremisten und Angriffe und Anschläge der jüngeren Vergangenheit müssen uns mahnen, entschieden gegen jegliche Formen von Extremismus einzustehen und uns diesen entgegenzustellen. Bei ihrem Einsatz für unsere freiheitlich demokratische Grundordnung sind Polizistinnen und Polizisten trotz aller Vorsicht tagtäglich Gefahren ausgesetzt. Dies hat uns erst vor wenigen Wochen der tragische Tod eines jungen Polizisten, der unserer Behörde nahestand, bei einem Einsatz in Gelsenkirchen schmerzhaft vor Augen geführt." Seit dem Tag im Juni 2000 kommen Weggefährten der ermordeten Polizisten alljährlich am 14. Juni in Datteln zusammen, um der Kollegen zu gedenken. 

Dortmund: Blumenschmuck vor dem Polizeipräsidium

Auch vor dem Dortmunder Polizeipräsidium gab es eine Gedenkstunde. Mit der Niederlegung eines Blumenschmucks, einer Schweigeminute und der Enthüllung einer Gedenktafel wurde vor dem Polizeipräsidium Dortmund an die Opfer erinnert. 

Mit der Enthüllung einer Gedenktafel wurde vor dem Polizeipräsidium Dortmund an die Opfer des Polizistenmörders Michael Berger gedacht.

"Der 14. Juni 2000 ist ein Datum, das untrennbar mit dem PP Dortmund verbunden ist. Diese schreckliche Tat erschüttert uns auch 20 Jahre nach dem Geschehen und macht tief betroffen. Sie vergegenwärtigt uns aber auch die Gefahren im täglichen Polizeidienst - damals wie heute. Die Verbrechen dieses Rechtsextremisten erscheinen wie ein Symbol für Hass und Gewalt. Sie mahnen zur Wachsamkeit und bekräftigen uns darin, auch weiterhin unentwegt den Kampf gegen Extremismus jeder Art fortzuführen", so Polizeipräsident Gregor Lange im Rahmen der Gedenkfeier. 

Auch heute noch ist die rechte Szene in Dortmund und NRW unter ständiger Beobachtung. Laut dem NRW-Innenminister gibt es aber Erfolge.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Weltrekordler wählt falsche Taktik - nur bis Kilometer 25 "war alles easy"
Weltrekordler wählt falsche Taktik - nur bis Kilometer 25 "war alles easy"
Hauptsache, die Pässe sind korrekt...
Hauptsache, die Pässe sind korrekt...
FC Marl und BW Wulfen bündeln die Kräfte
FC Marl und BW Wulfen bündeln die Kräfte
Ausflugsziel für die Sommerferien: Die Bauspielfarm ist um eine Attraktion reicher
Ausflugsziel für die Sommerferien: Die Bauspielfarm ist um eine Attraktion reicher
Coronavirus in NRW: Land will Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützen
Coronavirus in NRW: Land will Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützen

Kommentare