Sieger von "Promi Big Brother": Der ehemalige Sportmoderator Werner Hansch. Foto: Henning Kaiser/dpa
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Sieger von «Promi Big Brother»: Der ehemalige Sportmoderator Werner Hansch. Foto: Henning Kaiser/dpa

Nach Sieg bei „Promi Big Brother“

Anklage wegen Betrugs - Vergangenheit holt Recklinghäuser Werner Hansch ein

  • Randolf Leyk
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Als Sportreporter hat der Recklinghäuser Werner Hansch unzählige Meisterschaften kommentiert. Nach seinem Sieg bei „Promi Big Brother“ droht nun aber eine Anklage wegen Betrugs.

  • Werner Hansch hat „Promi Big Brother“ gewonnen.
  • 100.000 Euro gab es als Preisgeld.
  • Nun holt den Recklinghäuser dessen Vergangenheit ein.

Update, 31. August, 21.00 Uhr: Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den 82-Jährigen erhoben, weil er sich in sechs Fällen Darlehen von Bekannten erschlichen haben soll, wie Henner Kruse, Sprecher der Staatsanwaltschaft Dortmund am Montag sagte. Dabei soll er vorgetäuscht haben, das Geld zurückzahlen zu wollen – in dem Wissen, es gar nicht zu können. Unter anderem habe er sich von dem CDU-Politiker Wolfgang Bosbach 5000 Euro geliehen.

Druck aus der Öffentlichkeit und durch Ermittlungsverfahren nahm zu

Unter dem Druck des Ermittlungsverfahrens und der Berichterstattung in den Medien hat der gebürtige Recklinghäuser Hansch laut Anklage bereits Teile des geliehenen Geldes zurückgezahlt, so Kruse. Zum Zeitpunkt der Anklageerhebung Anfang August sei der 82-Jährige seinen Gläubigern noch insgesamt 34.500 Euro schuldig gewesen. Bosbach habe er da bereits die Hälfte der bei ihm offenen Summe erstattet.

Zeitraum der Ermittlungen gegen Hansch zwischen August 2017 und April 2019

In den Ermittlungen gehe es um einen Zeitraum zwischen August 2017 und April 2019. Von einem Bekannten soll er demnach schon vor drei Jahren 30.000 Euro erschlichen haben, in weiteren Fällen waren es Summen zwischen wenigen Hundert Euro und den 5000 Euro, die ihm Bosbach geliehen haben soll. Hanschs Anwalt Alfons Becker sagte am Montag, die Taten seien in einem hohen Maße auf die „Krankheit Spielsucht“ zurückzuführen. „Wir wollen eine Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen erreichen“, sagte Becker. Dazu zähle etwa eine Therapie und die Rückzahlung des Geldes. Im Dezember 2019 hatte der CDU-Mann Bosbach öffentlich gemacht, den Fall zur Anzeige gebracht zu haben.

Die Staatsanwaltschaft Dortmund wirft nach Informationen der Bild (Artikel hinter Paywall) Hansch vor, ein Darlehen in Höhe von 30.000 Euro und etliche weitere kleinere Darlehen in Höhe von mehreren Hundert Euro geliehen zu haben. Gegenüber Bild sagte Hansch: „Die Anzeige von Wolfgang Bosbach datiert ja schon vom 10. Dezember 2019. Seitdem bin ich über das Verfahren informiert und auch anwaltlich beraten. Ich wusste, wozu das führen kann. Wolfgang Bosbach hatte guten Grund zu dieser Anzeige. Er gehört zu denen, die mir vertraut und mir Geld gegeben haben.“  Die Betrugsgeschichte ist jedoch deutlich komplizierter. Denn laut Anklage soll sich Hansch Geld geliehen haben, obwohl er wusste, dass er es gar nicht zurückzaheln könne Im Interview in Sat1 sagte der 82-Jährige zudem, dass der gesamte Gewinn in die Tilgung seiner Schulden gehe. Das sei aber auch von Beginn an Ziel gewesen. Denn, so Hansch, er brauche eine gerade Straße ohe Hindernisse. Und dazu zähle auch, für seine Schulden geradezustehen..

Werner Hansch lässt sich immer mal wieder in Recklinghausen sehen

1978 hatte Kurt Brumme den damaligen Schalker Stadionsprecher und Bahnkommentator diverser Trabrennbahnen zum WDR geholt. Von da an ging es für den gebürtigen Recklinghäuser steil bergauf. Seine Verbundenheit zu seiner Heimat hat Hansch, der übrigens einen Universitätsabschluss als Dipl.-Sozialwissenschaftler besitzt, nie aufgegeben. Oftmals sah man ihn in den vergangenen Jahren im Kreis Recklinghausen.

Als klar wird, dass Werner Hansch „Promi Big Brother“ gewonnen hat, brüllt ihn sein letzter verbliebener Kontrahent, der durchtätowierte Muskelberg Mischa Mayer (28), an: „Du hast es geschafft, Werner! Du hast es geschafft!“ Aber Werner weiß erstmal nichts zu sagen, er ringt um Fassung. Die Kameras zeigen ein sehr untypisches Bild: Einem Fußball-Kommentator fehlen die Worte.

Werner Hansch hat mit 82 Jahren das Finale der Show „Promi Big Brother“ gewonnen, in der mehr oder minder Prominente in ein Haus in Köln-Ossendorf einziehen und es irgendwie miteinander aushalten müssen. Am Freitagabend bekommt er die meisten Stimmen der Zuschauer - und ist damit nach Angaben von Moderator Jochen Schropp (41) nun der „älteste Gewinner einer Reality-Show weltweit“.

Vor allem ist Hansch aber auch Gewinner von 100 000 Euro Siegprämie, was in der ganzen Geschichte kein unwichtiger Faktor ist.
Jubeln könne Hansch erst einmal nicht: „Das wäre absolut die falsche Reaktion im Verhältnis zu meiner letzten Lebensphase und der furchtbaren Folgen, die ich in ihr hinterlassen habe durch diese furchtbare Krankheit, die mich ergriffen hat.“ Er danke allen Zuschauern, die ihn zum Sieg getragen hätten. „Ihr seid die Paten für den Start in eine neue, befreitere Lebensphase.“ Ganz besonders dankt er dann unter anderem seinen Anwälten und seinem Steuerberater.

500.000 Euro beim Wetten und Spielen verzockt

Hansch, einst Starreporter bei der Sat.1-Fußballshow „ran“ und wegen seines Ruhrgebiet-Singsangs „Stimme des Reviers“ genannt, hatte schon vor Beginn von „Promi Big Brother“ erklärt, dass er unter anderem mitmache, weil er Geld brauche. Nachdem er dann vor drei Wochen in das Haus gezogen war, offenbarte er, dass er unter Spielsucht gelitten habe. „Ich habe weit über eine halbe Million verzockt“, erklärte er.

Konkurrenz wünschte Werner Hansch den Sieg

Vor diesem Hintergrund hatten sich sogar Konkurrenten dafür ausgesprochen, dass Hansch die Show gewinnen müsse - etwa der letztlich Zweitplatzierte Reality-Kandidat Mischa Mayer (28, „Love Island“). Als er im Finale an einem Redner-Pult die Chance hat, für sich selbst zu werben, sagt er: „Ruft für Werner an! Er hat es mehr verdient als ich.“ Seinen Mitbewohnern berichtet er danach, er habe sich bei diesem Akt „wie der Präsident von England“ gefühlt.

Thema waren „Märchen“ bei „Promi Big Brother“

Auf dem dritten Platz landet Musikerin Kathy Kelly (57) von der Kelly Family, auf Platz vier geht in der rund vierstündigen Final-Show Partyschlager-Sänger Ikke Hüftgold (43) über die Ziellinie. Auch er weint, als der Sieg von Hansch feststeht - der Sportreporter, der mit Sätzen wie „Nein, liebe Zuschauer, das ist keine Zeitlupe, der läuft wirklich so langsam“ Kultstatus erlangt hat, und der Sänger von Liedern wie „Dicke Titten, Kartoffelsalat“ hatten sich in der Show angefreundet. Oberthema der Staffel waren Märchen gewesen. Die prominenten Kandidaten lebten entweder in einem kargen „Märchenwald“ mit Bretterverschlag oder in einem luxuriösen Schloss. Für Spiele schlüpften sie in bisweilen äußerst alberne König- oder Zwergen-Kostüme. Am Ende trägt Werner Hansch eine Krone auf dem Haupt, in der Hand hat er einen großen Geldkoffer. Um in der Märchensprache zu bleiben: Hansch im Glück. (mit dpa)

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