Regenwaldhaus im Dortmunder Zoo mit affenstarken "Bäumen"

Orang-Utans klettern auf neuem Spielplatz

Dortmund - Als die Orang-Utans im Dortmunder Zoo das erste Mal auf ihre sanierte Anlage durften, war Walter, der Chef der Sippe, ganz aus dem Häuschen. Aber anders als man im Zoo erwartet hatte.

Orang-Utan Walter ließ die vielen neuen Seile, Kletter- und Spielmöglichkeiten links liegen. Als er Ende März erstmals auf die neugestaltete Freifläche durfte, rannte er schnurstracks auf sein geliebtes Baumhaus zu - kletterte hinauf und sofort wieder hinunter. Er wollte zurück ins Regenwaldhaus. Das da draußen war nicht mehr seine alte Baumhütte. Sie war viel schöner, aber ungewohnt.

Inzwischen hat sich Walter in der neuen Baumhütte gut eingelebt. Wenn er im Regenwaldhaus bleiben muss, liegen Toba und ihr Ziehkind, der einarmige Yenko, in dem luftigen Haus und schauen auf die interessierten Zoobesucher herab. Wie am Freitag, als das sanierte Regenwaldhaus Rumah hutan und die Anlage drum herum offiziell ihrer Bestimmung übergeben wurden.

Firma baut sonst Kinderspielplätze

In siebenmonatiger Arbeit hat eine Firma, die sonst Kinderspielplätze baut, die Anlage erneuert. Zoodirektor Dr. Frank Brandstätter war zunächst skeptisch, freut sich aber jetzt über "die sehr kluge Idee" eines seiner Mitarbeiter.

Stabile, optisch ansprechende und abwechslungsreiche Holzstrukturen bieten den Menschenaffen neue Klettermöglichkeiten, Ruheplätze und Liegeflächen. Verschiedene Plattformen in Augenhöhe der Besucher lassen diese teilhaben an der gegenseitigen Körperpflege der Orang-Utans, der Futteraufnahme und der Eltern-Kind-Beziehungen.

Walter und Yenko allerdings dürfen nicht gleichzeitig auf die Spielwiese, da Walter seinem Stiefsohn aus Eifersucht bekanntlich einen Arm abgebissen hat. Im Regenwaldhaus hat Walter aber eine zweite Baumhütte, die er sich als Lieblingsplatz auserkoren hat und wo er den Besuchern hinter der Glasscheibe ganz tief in die Augen schauen kann - wenn er sich nicht gerade unter einem geliebten Jutesack verkriecht. Der mächtige Affe klettert nicht gern. "Der ist sich selbst zu schwer", sagt Brandstätter.

Nach 14 Jahren für 215.000 Euro erneuert

Die Kletterstrukturen und die Inneneinrichtung in und an dem 2004 eröffneten Regenwaldhaus waren in die Jahre gekommen. "Die Tiere arbeiten an der Anlage, versuchen daran zu reißen, sorgen für Schwing- und Zugbelastungen", erläutert der Zoodirektor.

Aufgrund der starken Abnutzung durch die agilen Bewohner mussten das Innen- und Außengehege nach 14 Jahren erneuert werden. Kostenpunkt: 215.000 Euro. "Gut angelegtes Geld", stellt die für den Zoo zuständige Dezernentin für Sport und Freizeit, Birgit Zoerner, zufrieden fest, als sie die ausgelassenen Turnübungen von Toba und Yenko beobachtet.

Wie schon in der alten leben auch in der neuen Anlage die fünf Orang-Utans in einer einzigartigen Wohngemeinschaft mit den Schabracken-Tapiren zusammen. Nachdem vor etwa einem halben Jahr das Tapirweibchen gestorben war, bekommt der fast zahme Jinak - er ist eine Handaufzucht - in zwei, drei Wochen eine neue Frau zur Seite gestellt, berichtet die stellvertretende Zoochefin Ilona Schappert. Derweil nutzt er die neuen Stämme als Scheuerbäume und genießt die Neugestaltung seines Wohnzimmers.

Weitere Gehege werden saniert

Birgit Zoerner nennt die Sanierung des Regenwaldhauses, "artgerecht für die Tiere und attraktiv für die Besucher". Weitere Anlagen werden im Zuge des Zoo-Zukunftskonzeptes 2023 runderneuert. Nach der Sanierung des Raubtierhauses und der Außenanlagen soll vermutlich im Sommer 2019 ein neues Löwenrudel hier einziehen.

Noch in diesem Sommer soll die von den Zoofreunden gesponserte Ibisvoliere eröffnet werden, und noch im Juni werden die Japanischen Larvenroller aus Tokio, die einzigen in Europa, von ihrer unscheinbaren kleinen Anlage im Eingangsbereich des Zoos in ihr neues Gehege umziehen. Auch die putzigen Zwergplumploris, eine Affenart, bekommen ein größeres Zuhause in einer Nachaktiv-Anlage.

Weniger Eintritt während großer Bautätigkeit

Bis 2023 wird es noch viele Bauarbeiten geben, für die der Zoo um Verständnis bittet. Man werde die Beeinträchtigungen für die Besucher so klein wie möglich halten, so der Zoodirektor. Für die Zeit der ganz großen Baumaßnahmen wie zum Beispiel der Neubau der Robbenanlage werde man Preisnachlässe beim Eintritt von 10 bis 30 Prozent für die Besucher gewähren, kündigt Dezernentin Zoerner an, "die Höhe hängt davon ab, wo es die Einschränkungen gibt".

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