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Wiesen und Felder sollen dem geplanten Gewerbegebiet Dillenburg an der Stadtgrenze zwischen Datteln und Oer-Erkenschwick weichen. Das Projekt ist offensichtlich nicht durchsetzbar.

Regionalplan

„Verbrannte“ Flächen für Industrie und Gewerbe

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Kreis RE - Pläne, die im „regionalen Konsens“ entstanden sind, geraten vor Ort politisch unter die Räder. Ob es Ersatzstandorte gibt, ist fraglich.

Im Entwurf des Regionalplans für das Ruhrgebiet sind für die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe sechs sogenannte Kooperationsstandorte im Kreis Recklinghausen eigentlich gesetzt. Was Ende letzten Jahres noch als großer Erfolg für das Vest gefeiert wurde, gerät jetzt allerdings politisch unter die Räder. Zwei der sechs Standorte gelten jedenfalls bereits als „verbrannt“.

Der Regionalplan, der aktuell vom Regionalverband Ruhr (RVR) aufgestellt wird, aber kaum vor 2022 Rechtskraft erlangen dürfte, gibt die Ziele der Entwicklung im Ruhrgebiet für die nächsten 20 Jahre vor. Die Kooperationsstandorte, die in der Regel im Zusammenwirken von zwei Städten entwickelt werden sollen, spielen in dem Entwurf eine besondere Rolle. Denn diese Standorte sollen vornehmlich für Unternehmen mit Industrieausweisung und größerem Platzbedarf reserviert werden. Was die Sache für die betroffenen Kommunen besonders lukrativ macht, ist die Tatsache, dass die Flächen nicht auf das Kontingent angerechnet, das der Regionalplan den einzelnen Städten für Unternehmensansiedlungen sonst noch zugesteht. Sie sind also ein echtes Plus für die Region.

Potenzial für 6000 Arbeitsplätze

19 dieser exklusiven Ansiedlungsflächen sind von den RVR-Planern im ganzen Ruhrgebiet ausgewählt worden. Davon liegen sechs – ein knappes Drittel – im Kreis Recklinghausen. Die Standorte gelten als Option für dieZukunft. Peter Haumann, Wirtschaftsförderer der Kreisverwaltung, sieht ein Potenzial von rund 6000 Arbeitsplätzen.

Doch obwohl die Standortvorschläge im „regionalen Konsens“ aller Bürgermeister und Wirtschaftsförderer aus dem Kreis entstanden sind, regt sich vor Ort Widerstand. In Datteln will eine Mehrheit des Rates keinen Gewerbepark Dillenburg an der Stadtgrenze zu Oer-Erkenschwick, nachdem Protest von Bürgern laut geworden war. Die Anwohner wehren sich vor allem gegen eine zusätzliche Verkehrsbelastung und gegen die Beeinträchtigung „ihrer“ Frischluftschneise. In Dorsten haben sich Verwaltung und Politik gegen das geplante Gewerbegebiet Emmelkamp ausgesprochen. Hier spielt die Nähe zu Wohnsiedlungen eine entscheidende Rolle.

Gegen den Willen der Kommunen werde der RVR nicht an den Standorten festhalten, ist Wirtschaftsförderer Peter Haumann überzeugt. Beide Städte haben Alternativen in die Diskussion eingebracht. Doch es gebe keine Garantie, dass diese auch zum Zuge kämen. „Das Verfahren sieht vor, dass ruhrgebietsweit nach Standorten geschaut wird“, erläutert Haumann.

Breite Kritik am Regionalplan-Entwurf

Die Diskussion um die Kooperationsstandorte fällt zusammen mit der allgemeinen Kritik am Regionalplan-Entwurf. Mehrere Städte im Kreis RE beklagen, dass ihnen der RVR zu wenig Möglichkeiten für die Entwicklung von Gewerbe und Wohnen zugesteht. Dass die Wirtschaft zu kurz komme, bemängeln auch Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie die Handwerkskammer. CDU-Kreisverbandsvorsitzender Michael Breilmann bezeichnet den Regionalplan-Entwurf als „eine Katastrophe für unsere Region“.

Dorstens Bürgermeister Tobias Stockhoff (CDU) wirft der RVR-Direktorin Karola Geiß-Netthövel vor, in erster Linie die Interessen der Großstädte im Ruhrgebiet im Blick zu haben. „Der kreisangehörige Raum fällt hinten über.“

Die Kooperationsstandorte

Folgende „Kooperationsstandorte“ aus dem Kreis Recklinghausen sind in den Entwurf des Regionalplans für das Ruhrgebiet aufgenommen worden: -Auguste Victoria 3/7 (gate.ruhr), Marl (91 Hektar); -Schwatter Jans, Marl/ Dorsten (24 Hektar); -Kohlenlagerfläche, Recklinghausen/Stadtgrenze Herten, gegenüber dem Industriegebiet Ewald (25 Hektar); -Kraftwerk Knepper, Castrop-Rauxel/Dortmund (68 Hektar). -Emmelkamp, Dorsten, an der A 31 im Stadtteil Holsterhausen an der Stadtgrenze zu Schermbeck (53 Hektar); -Dillenburg, Oer-Erkenschwick/Datteln (65 Hektar).

Gegen die Standorte Emmelkamp und Dillenburg gibt erheblichen Widerstand von Politik und Bürgern.

In der RVR-Verbandsversammlung werde die CDU einem Entwurf in dieser Form nicht zustimmen, kündigt Josef Hovenjürgen (CDU), Vorsitzender des Ruhr-Parlaments an. Die Kreis-CDU befürchtet, dass der Kreis Recklinghausen mit diesem Regionalplan mit anderen Regionen wie dem Münsterland nicht mehr konkurrieren kann.

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