Reinoldikirche

Neonazis spielen die Opferrolle

DORTMUND - Mit einer Mahnwache inszenieren sich Dortmunder Neonazis nach ihrer Besetzung der Reinoldikirche als Opfer von Polizeiwillkür und Justiz. Dafür erfinden sie einen Jahrestag.

Die Staatsanwaltschaft entscheidet in den kommenden zwei bis drei Wochen, ob sie gegen elf Rechtsextremisten aus Dortmund, Chemnitz, Wuppertal und Düsseldorf wegen Hausfriedensbruch und Nötigung eine Anklage erhebt.

Vor einem Jahr, am 16. Dezember 2016, waren die Neonazis abends auf den Turm der Dortmunder Stadtkirche St. Reinoldi geklettert, hatten die Tür der Empore von außen verriegelt, Pyrotechnik abgebrannt, islamfeindliche Transparente aufgehängt und vor vielen Weihnachtsmarkt-Besuchern eine gewaltige Propaganda-Show inszeniert. St. Reinoldi ist eine Kirche der evangelischen Kirche Dortmund. Sie engagiert sich auf vielen Ebenen stark für Frieden, Toleranz und Respekt in der Stadt.

Starke Bilder nach der Turm-Besteigung

Selbst die Festnahmen durch die Polizei nutzten die Rechtsextremisten damals für starke Bilder. Minuten nach der Show veröffentlichten sie auf ihrer Internetseite einen langen Bericht über die konzertierte Aktion. Aktuell inszenieren sich die Neonazis als Opfer von Willkür und Schikanen in Dortmund, ausgeübt von der Polizei.

Die "friedliche" Turm-Besetzung werde kriminalisiert. Dagegen protestieren sie am Freitag (15.12.) um 19 Uhr auf dem Brüderweg / Ecke Schwanenwall mit einer Mahnwache. Die Mahnwache soll am "Jahrestag" der Turm-Besteigung stattfinden.

"Nazi-Mahnwache ist einfältige Propaganda"

Das Bündnis "Dortmund bunt statt braun" bezeichnet die Mahnwache als "Provokation" und "einfältige Propaganda, die in keiner Weise friedlich war". So formulieren es Jutta Reiter vom Deutschen Gewerkschaftsbund und Pfarrer Friedrich Stiller. Die Neonazis hätten mit der Aktion "Fakten verdreht" und die Reinoldikirche instrumentalisiert und "skrupellos missbraucht". "Dortmund bunt statt braun" organisiert eine eigene Mahnwache, die am Freitag um 19 Uhr beginnt. Auf dem Friedensplatz vor dem Rathaus.

Pfarrerin übertönte Nazi-Getöse mit Glockengeläut

Dass die Neonazis selbst die Opferrolle suchen, bewiesen sie kurz nach der bundesweit beachteten Propaganda-Aktion: Reinoldi-Pfarrerin Susanne Karmeier ließ spontan die Turmglocken läuten, um das Nazi-Getöse zu übertönen. Sie erhielt wegen des Lärms eine Anzeige wegen Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen sie und will in Kürze entscheiden, ob sie den Rechtsextremisten eine "üble unangemessene Behandlung" zugemutet hat. Das Glockenläuten im Glockenturm käme dann juristisch einer Körperverletzung gleich.

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