Reinoldimahl im Rathaus

Plädoyer für Rundfunkbeitrag bei traditionellem Fest

DORTMUND - Traditionell sind das strenge Ritual (abgeschlossene Türen), der harte Dresscode (Smoking und Cocktailkleid) und die mittelalterliche Menükarte (Rindfleischsuppe, Pfefferpotthast und Bratapfel). Für die Abwechslung beim Reinoldimahl der Reinoldigilde im Rathaus zeichnete in diesem Jahr Festredner Tom Buhrow verantwortlich.

Nach vier plus zwei Gongschlägen, die die rund 340 Gildner und geladenen Gäste um 18 Uhr an die weiß gedeckte Festtafel in der Bürgerhalle riefen, sprach der kürzlich erst wiedergewählte WDR-Intendant über das "Wissen für eine fragmentierte Gesellschaft".

Es ging um die anspruchsvolle Aufgabe des WDR, in einer Gesellschaft, die sich vor allem durch das Internet, soziale Medien und sogenannte Streamingdienste, immer stärker in Teilöffentlichkeiten und Filterblasen aufteilt, für eine gemeinsame Wissensbasis zu sorgen: von der Lokalzeit bis zum Tatort Dortmund, von der Sport- bis zur Tagesschau. "Der Rundfunkbeitrag finanziert ein Spektrum, bei dem jeder einzelne täglich mindestens einen Beitrag erhält, der sein Leben bereichert."

Die zuvor von Oberbürgermeister Ullrich Sierau augenzwinkernd geäußerte Anregung, eine Senkung der Radio- und Fernsehgebühren in Aussicht zu stellen, wollte Buhrow nicht folgen, doch eine "inflationsgerechte Erhöhung in ein paar Jahren" sei denkbar. Im Gegenzug kündigte Buhrow eine neue Staffel der Serie "Phoenix-See" an.

Für den traditionell zweiten Rednergang nach dem deftigen Hauptgericht knüpfte aus den Reihen der Gildner der Journalistik-Professor Dr. Henrik Müller thematisch mit seinem Festvortrag über "Die schwierige Suche nach der Wahrheit" an Buhrow an.

Opländer zum Ehrenmeister der Gilde ernannt

Zuvor hatte René Scheer, Obermeister der Reinoldigilde, Jochen Opländer zum Ehrenmeister der Gilde ernannt. Mit seiner Wilo-Stiftung engagiert sich Opländer als großzügiger Förderer von kulturellen und sozialen Projekten.

Nach Bratapfel mit Vanillesoße wurde das abgeschlossene Rathaus wieder aufgeschlossen. Wer wollte, konnte nach weiteren Gongschlägen auf der ersten Rathausetage verlängern - beim Abschlusstrunk mit eigens gebrautem Reinoldibier. Um 23 Uhr war dann endgültig Schluss. Auch ganz traditionell.

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