Ein fast menschenleerer Strand von Palma de Mallorca, Stadtteil Can Pastilla.
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Der Strand von Palma de Mallorca (Can Pastilla) ist in Coronazeiten wie leergefegt.

Urlaubsbericht

Reisewarnung für Mallorca „eine Katastrophe“: Das erlebte unser Kollege vor Ort

  • Stephan Rathgeber
    vonStephan Rathgeber
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Mallorca gehört nicht ohne Grund zu den beliebtesten Reisezielen der Deutschen. Doch in diesem Jahr ist alles anders: Das Coronavirus verbreitet sich auf den Balearen rasend schnell. Die deutsche Reisewarnung überraschte unseren Kollegen vor Ort.

  • Die deutsche Reisewarnung hat die Baleareninseln wie Mallorca schwer getroffen.
  • Vor allem Gastronomen fürchten jetzt um ihre Existenzen.
  • Unser Kollege war zum Zeitpunkt der Einstufung als Risikogebiet vor Ort.

Eigentlich ist es der Traum jedes Urlaubers: Leere Strände, soweit das Auge reicht, himmelblaues Wasser und vor allem: Ruhe. Wer gerade Urlaub auf Mallorca macht, erlebt genau das. Nur vereinzelt sieht man an diesem Dienstagmorgen Menschen in Can Pastilla - einem kleinen Ortsteil von Palma de Mallorca - an der Promenade entlangflanieren.

Vor ein paar Tagen war das noch anders: Als wir am Freitagnachmittag den Flughafen von Palma de Mallorca betraten, erlebten wir das gewohnte Bild: Dicht an dicht drängelten sich Menschen durch die Gänge, die Rollbänder waren dank nervtötender „Stehenbleiber“ überfüllt, hohes Aufkommen an der Kofferausgabe. Nur vereinzelt gab es Unterschiede zu vorherigen Aufenthalten auf der Insel: Jeder trug konsequent einen Mund- und Nasenschutz. Bei der Ankunft muss ein zuvor ausgefülltes Formular zum Aufenthaltsort und Gesundheitszustand abgegeben werden. Darüber hinaus wird jeder Einreisende kurz per Sichtkontakt eines Arztes gecheckt: Roter Kopf, Schweißausbrüche, Husten - gibt es irgendwelche Anzeichen einer Infektion mit dem Coronavirus?

Einlass nur mit ausgefülltem Formular: Bei der Einreise nach Mallorca wird auch der Gesundheitszustand der Touristen gecheckt.

Coronavirus auf Mallorca: lokale Ausbrüche oder große Gefahr?

Denn genau darum dreht sich in den vergangenen Wochen fast alles auf Mallorca. Seit Tagen steigen die Covid-19-Fallzahlen wieder in die Höhe. Doch stets hatte man den Eindruck, dass die Korrektur bereits im Gange sei: Die Regierung versucht durch einen strengen Maskenzwang in der Öffentlichkeit der Lage Herr zu werden. Ausnahmen gelten lediglich am Strand, in Gastronomiebetrieben sowie am Hotelpool. Zudem beteuerte man durchgehend: Die Ausbrüche auf der Insel seien lediglich lokal und kämen vor allem durch ein gutes Testsystem zustande - man habe also alles unter Kontrolle.

Doch mit der steigenden Sieben-Tage-Inzidenz wuchs auch der Druck aufs Auswärtige Amt. Und so wurden auch wir am Freitagabend auf der Insel von der deutschen Reisewarnung überrumpelt. Natürlich hatten wir im Vorfeld der Reise - die wir zu Zeiten sehr niedriger Fallzahlen gebucht hatten - immer mal wieder die Website des RKI gecheckt. Bis zu unserem Abflug waren wir der festen Überzeugung, dass dieser wirklich extreme Schritt zunächst ausbleiben würde. Zum Vergleich: Als 2016 gegen Erdogan in der Türkei geputscht wurde - und vereinzelt bürgerkriegsähnliche Zustände herrschten - blieb eine deutsche Reisewarnung aus.

Auch im Flieger nach Mallorca ist das Tragen eines Mund-Nasenschutzes Pflicht.

Die Reisewarnung überraschte die Menschen auf Mallorca

Nun hat es also das Coronavirus geschafft, die Lieblingsinsel der Deutschen in ein Risikogebiet zu verwandeln. Eine Stornierung - die uns bei einem späteren Abflug kostenfrei zugestanden hätte - kam jetzt, da wir bereits vor Ort waren, nicht mehr infrage. Zwar hätte unser Reiseveranstalter uns eher nach Hause holen können, doch waren wir generell nur für ein verlängertes Wochenende bis Dienstagmittag eingebucht. So rechneten wir nicht mit einer verfrühten Rückkehr.

Und während wir die Zeit auf der Insel genossen, bemerkten wir, wie von Tag zu Tag Bars und Strände leerer wurden. Neu ankommende Touristen blieben schlagartig aus, einige kehrten bereits zurück. Besonders für die einheimischen Menschen auf Mallorca, deren Wirtschaft stark am Tourismus hängt, ein Schlag ins Gesicht.

Das Coronavirus und die Insel: Man merkt die Verzweiflung auf Mallorca

Ein gutes Beispiel der lokalen Verzweiflung ist eine kleine Tapas-Bar direkt am Strand zwischen Balneario - oder „Ballermann“ - 14 und 15, die in mehreren Bewertungsportalen mit ausgezeichneten 4,5-5 Sternen bewertet wird. Und obwohl ein solches Lokal diesen Schritt nicht nötig hat, steht hier jeden Abend ein aufdringlicher Deutsch-Muttersprachler als Lockvogel vor die Türe, um Menschen in sein Lokal zu ziehen.

Auf Nachfrage merkt man schnell, dass es hierbei auch nicht um die Korrektur eines schlechten Rufes, sondern vielmehr ums nackte Überleben auf Mallorca geht: „Guck dir die Promenade an. Sonst ist es hier voll und wir sind bis auf den letzten Platz besetzt“, sagt er enttäuscht. „Normalerweise stehen Menschen in einer Schlange, um bei uns essen zu können - die ganze Situation ist eine Katastrophe."

Und auch am Strand beschweren sich die laufenden Verkäufer von Tüchern, Sonnenbrillen und gefälschten Markenuhren über ausbleibende Kundschaft: „Die Deutschen sind alle wie ausgeflogen“, sagt einer. Und tatsächlich: Wer in diesen Tagen auf Mallorca zu Gast ist, hört unglaublich viele Worte auf Spanisch. Neben den Einheimischen sind auch zahlreiche Urlauber aus Madrid zu Gast. Ein Barbetreiber in Palma sieht das kritisch: „Gerade die Spanier bringen sich das Virus selbst auf die Insel“, erklärt er.

Urlaub auf Mallorca: Mit kleinen Einschränkungen eine tolle Zeit

Und so unternimmt man auf Mallorca alles, um schnell wieder sinkende Corona-Zahlen vorweisen zu können. Wirklich jeder trägt außerhalb der eigenen vier Wände einen Mundschutz. Auch die lokale Polizei hat ein Auge auf die Touristen und verhängt bei Verstößen teure Strafen. Riesen-Lokalitäten wie der „Bierkönig“ oder „Mega-Park“ in Arenal, wo regelmäßig große Partys stattfinden, sind geschlossen. Ausgelassener Sauftourismus und Corona-Eindämmung - das passt hier einfach nicht zusammen.

Wo sonst wild gefeiert wird, herrscht jetzt gähnende Leere: Die Straße vor dem Bierkönig in Arenal auf Mallorca.

Für Touristen heißt es auf Mallorca also: Maske auf, Contenance und Abstand halten. Wer damit zurechtkommt, kann auf der Baleareninsel aktuell eine wirklich schöne Zeit haben. Selten erlebt man als Urlauber so leere Strände oder kommt mit Einheimischen so gut ins Gespräch - diese Erfahrung machte übrigens ebenfalls unser Kollege Luca in Andalusien. Auch wer vor Ort einen Ausflug machen oder ein Auto mieten möchte, kann dank geringerer Nachfrage auf günstigere Konditionen hoffen. Der Nachteil: Ein Aufenthalt auf Mallorca ist bei Einreise nach Deutschland mit Corona-Test, Quarantäne und großer Ungewissheit verbunden.

Rückkehr aus Mallorca: Corona-Test ist nichts für schwache Nerven

Besonders der Test - den wir direkt am Düsseldorfer Flughafen abgeben mussten - ist nichts für schwache Nerven. Der erste Abstrich erfolgt tief im Rachenraum und löst schnell einen Würgereflex aus. Bei der zweiten Proben-Entnahme wird ein Teststreifen sehr tief in die Nase eingeführt, was schnell zu tränenden Augen führt.

So hoffen wir jetzt auf ein negatives Ergebnis, befinden uns abseits in Quarantäne und arbeiten im Homeoffice. Ein Ergebnis kommt per Push-Benachrichtigung einer App - und soll bereits in den kommenden zwei Tagen vorliegen. Fällt es negativ aus, können wir uns wieder raus in die Gesellschaft wagen. Bei einem positiven Ergebnis stehen dagegen mindestens 14 Tage Quarantäne an.

Coronavirus-Reisewarnung und Mallorca: Soll ich jetzt noch fliegen?

Rückblickend stellt sich die Frage, ob wir überhaupt geflogen wären, wenn wir im Voraus von einer Reisewarnung auf Mallorca betroffen gewesen wären. Und darauf lässt sich mit einem klaren „Nein“ antworten. Zu groß ist die Verantwortung gegenüber Mitmenschen wie Arbeitskollegen und Familienangehörigen. Eine kostenfreie Stornierungsmöglichkeit macht diesen Schritt noch leichter.

Dennoch haben die Tage auf der Insel bei uns für große Erholung gesorgt. Selten erlebt man Mallorca so facettenreich, wie in diesen Tagen. Wer also einen langen Urlaub mit anschließender, 14-tägigen Quarantäne-Möglichkeit geplant hat, kann diese Reise jetzt sehr kostengünstig antreten. Auch viele Fluglinien wie die Lufthansa wollen ihren Flugplan nach Palma trotz der aktuellen Lage aufrechterhalten. Den Menschen vor Ort bleibt nur zu wünschen, dass diese schweren Zeiten auch für sie bald wieder vorübergehen.

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