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So sieht dann der Abwasserkanal Emscher im fertigen Zustand aus

Renaturierung

Der Abwasserkanal Emscher ist eine Herausforderung

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REGION - Der Bohrer kämpft sich in viereinhalb Jahren durch eine Strecke von 67 Kilometern im Vortrieb parallel zur Emscher in einer Tiefe von acht bis über 40 Metern – eine solche Tunnel-Baustelle gibt es in Europa nicht ein zweites Mal. Der Emscher-Abwasserkanal ist ein Projekt der Superlative. Projektleiter Markus Kühnel (49) ist jetzt zugleich erleichtert, aber auch wehmütig gestimmt.

„Ich bin erleichtert, dass das alles so gut geklappt hat. Aber ich habe auch ein bisschen Wehmut: Jetzt ist der schöne Vortrieb leider vorbei“, sagt Kühnel. Der Emscher-Abwasserkanal ist zwar noch nicht ganz fertig, aber mit dem Durchstich in Oberhausen ist der größte Teil der Bauphase erledigt. Bis hier das Abwasser aus dem Emscherraum fließt, wird aber noch Zeit vergehen: voraussichtlich 2020 soll das der Fall sein.

Rückblick:

Vor dem 19. Jahrhundert war das Gebiet rund um die Emscher ein wenig besiedeltes Agrarland. Der Bergbau kam, die Industrie auch, und viele Menschen, die als Arbeitskräfte hierherzogen. Die Emscher wurde dabei als offener Schmutzwasserlauf genutzt. Unter der Erde hatte nur der Bergbau was zu sagen, aber nicht der Abwasserverband.

Wegen der Bergsenkungen wagte man nicht, größere Abwasserkanäle unterirdisch anzulegen. Seit Ende der 1980er-Jahre ist das anders. Nach der Nordwanderung des Bergbaus sind starke Bergsenkungen (früher bis zu 30 Meter) nicht mehr zu befürchten. Die Chance für die Emschergenossenschaft, die Emscher vom Abwasser zu befreien, war da.

Seit laufen die Planungen dafür. Die Idee: Jedes Gewässer im Emscher-Einzugsgebiet erhält ein unterirdisches Pendant, durch das die Abwässer zu den Kläranlagen abgeleitet werden. Das Herzstück des Emscher-Umbaus ist der Abwasserkanal Emscher (AKE), der das Schmutzwasser von Dortmund bis nach Dinslaken aufnimmt. Der Spatenstich für den AKE erfolgte im September 2009. Seitdem ist auch Projektleiter Markus Kühnel dabei.

Suche nach Bomben hält Arbeiten auf

Der Kölner Geologe leitete den Vortrieb in Bottrop und jetzt auch auf dem letzten Teilstück in Oberhausen. Die besondere Schwierigkeit dabei: Einen Tunnel für den Kanal in bis zu 40 Metern Tiefe mit Innendurchmessern zwischen 1,60 und 2,80 Meter für bis zu 17 000 Kanalrohre zu bohren – und das auch noch durch ein stark besiedeltes Gebiet. „Das erfordert sehr viel Vorbereitung“, sagt Kühnel. Auf der gesamten Strecke von fast 67 Kilometern könnten die Erkundungsbohrungen natürlich nur „Nadelstiche sein“, aber es habe kaum größere Probleme gegeben, zeigt sich der Projektleiter erleichtert.

Die tiefe Lage des Kanals (bis zu 40 Meter unter der Erde) sei eine große Herausforderung gewesen. Zumal auch die Schachtbauwerke zwischen denen der Kanal vorgetrieben worden sei, ja die selbe Tiefe haben mussten. „Keine starke Abweichung gab es, keine Trasse musste aufgegeben werden“, berichtet Markus Kühnel. Aber Schwierigkeiten gab es dennoch genug. Eine weitere Herausforderung waren mögliche Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg. Mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst habe man sehr eng zusammengearbeitet. Im Bottroper Teilstück habe man zum Beispiel elf konkrete Verdachtspunkte für Blindgänger gehabt. Am Ende habe man zwei Bomben auch wirklich gefunden, so Kühnel.

Und der Projektleiter ist immer noch spürbar begeistert, dass am Ende eines jeden Tunnelabschnitts die Bohrmaschine mit nur wenigen Zentimetern Abweichung von der geplanten Strecke auch wirklich herauskam. Erlaubt waren fünf Zentimeter nach oben oder nach unten – mehr nicht. „Die Zentimeter-Genauigkeit ist nicht nur für den Laien immer wieder erstaunlich.“

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