Restaurant-Check

"Schweizer Bootschaft": Ein Stück Schweiz mitten in Aplerbeck

Aplerbeck - In einem unscheinbaren Eckhaus in Aplerbeck liegt eines der ungewöhnlichsten Restaurants Dortmunds: Die "Schweizer Bootschaft" feiert nicht nur die Küche.

Mitten in einem ruhigen Wohngebiet in Aplerbeck liegt das vielleicht ungewöhnlichste Restaurant Dortmunds - zumindest was das Konzept betrifft. Die "Schweizer Bootschaft" verbindet schweizerische Küche mit der Leidenschaft von Lothar Preukschat für die eidgenössische Personenschifffahrt. Allein schon der Besitzer des Restaurants an der, na klar, Schweizer Allee ist den Besuch wert - aber dazu später mehr.

Sehen Sie sich hier in der Bootschaft um!

Essen und Getränke in der Schweizer Bootschaft:

Eines vorweg: Die schweizerische Küche ist deftig und mächtig. Es gibt viel Käse, beim Fett wird nicht gespart, Kartoffeln sind fast immer dabei. Und so sind auch die Gerichte der "Bootschaft" (die komplette Speisekarte gibt es hier).

Natürlich gibt es das klassische Käsefondue mit Kirschwasser (ab zwei Personen, 13 Euro pro Kopf). Auch Raclette darf auf der Speisekarte nicht fehlen. Das gibt es übrigens nur auf Vorbestellung, denn in der Bootschaft wird Raclette auf traditionelle Weise direkt vom heißen Käselaib gekratzt. Ein viertel Laib kostet 80 Euro, ein halber sogar 140 Euro, was dann aber auch für 5-8 beziehungsweise 10-15 Personen reicht.

Dazu kommen weitere Spezialitäten der schweizerischen Küche, die man selten in Restaurants in NRW findet. Rösti (gesprochen: Röschti - mit langem ö) etwa, eine Art Schweizer Omelett aus geriebenen Kartoffeln. Es gibt fast zehn Variationen mit verschiedenen Beilagen, von Speck über Pilzen bis zum Rösti-Burger mit Fleisch vom Simmentaler Rind.

Die Portionen sind ordentlich: Wir haben uns bei unserem Besuch zu dritt zwei Vorspeisen geteilt und jeder einen Hauptgang und mussten am Ende kämpfen, um alles aufzuessen.

Als Vorspeise gab es Capuns (6 Euro) und Schweizer Älplermagronen (6,50 Euro). Capuns - ein traditionelles Gericht aus dem Kanton Graubünden - sind Mangoldblätter, die mit Spätzleteig und Fleisch gefüllt sind. In der Bootschaft werden sie in einer kleinen Schale serviert und schmecken herrlich. Noch besser fanden wir aber die Älplermagronen. Eigentlich ein Arme-Leute-Gericht aus den Alpen, wird in der Bootschaft daraus ein echt deftiger Gaumenschmaus: ein Nudel-Kartoffel-Mix, darüber eine dicke Käse-Rahm-Soße, dazu noch eine gute Portion Apfelpüree. Schlicht und einfach gut.

Als Hauptspeisen hatten wir Rösti Azzurro mit einem mit Käse überbackenen Schweineschnitzel (15 Euro), die Holzfäller-Pfanne mit einer Schweinelende und gedünsteten Zwiebeln und Speck auf einem dicken Bauernbrot, alles mit Käse überbacken (14,50 Euro) und das Zürcher Geschnetzeltes mit Rösti (18 Euro). Alles sehr schmackhaft und gut. Beim überbackenen Azzurro-Schweineschnitzel war der Sennkäse sehr aromatisch, das muss man mögen. Die Holzfäller-Pfanne war eine echte Fleisch-Bombe, die zum Glück von einem kleinen Salat ein wenig entschärft wurde. Das Zürcher Geschnetzelte gab es sogar nach Original-Rezept mit Kalbsnieren zubereitet, wobei diese nicht immer vorrätig sind. Aber das Gericht wird auch mit normalem Kalbsfleisch vorzüglich schmecken.

Bei den Getränken fiel vor allem die große eidgenössische (Flaschen-)Bierauswahl auf: Hier hat die Bootschaft ein Dutzend lokaler Schweizer Sorten im Angebot. Lecker für den Einstieg ist das Quöllfrisch aus dem Appenzell, ein naturtrübes Lagerbier (3,30 Euro für 0,33 Liter), wir können auch das Holzfass-Bier empfehlen (gleicher Preis).

Die Preise:

Sind überraschend niedrig. So günstig wie in der Bootschaft würde man in Zürich oder Bern nie etwas zu essen bekommen (wer einmal in der Schweiz Urlaub gemacht hat, kennt die astronomischen Preise). Die Hauptspeisen - Raclette und Fondue ausgenommen - liegen zwischen 7,50 und 15 Euro, die Vorspeisen zwischen 5,50 und 10 Euro.

Die Atmosphäre:

Ein Abend in der Bootschaft fühlt sich ein wenig an, als würde man seinen etwas kauzigen Großvater besuchen, der einen Schweiz-Spleen hat: In einer Ecke steht ein großer Plastik-Käselaib und der ganze Raum ist mit Bildern und Souvenirs der schweizerischen Tourismus-Behörde dekoriert. Der vollgestellte Bar-Tresen ist einem Schiffsrumpf nachempfunden, vor den Fenstern stehen Modelle von Flussdampfern, die auf den Seen der Schweiz unterwegs sind.

Die größte Attraktion der Bootschaft ist aber ihr Besitzer Lothar Preukschat. Das 71-jährige ehemalige Mitglied der deutschen Kanu-Nationalmannschaft bedient die Gäste - nicht nur mit Essen und Getränken, sondern auch mit Geschichten. Etwa von seinen Fahrten in die Schweiz, von denen er maximal 25 Kisten Bier mitbringen könne, weil sonst sein altes Auto aufsetze.

Der Service:

Ist schweizerisch-gemütlich. Mal schnell auf einen Happen zu essen vorbeizukommen, ist nicht ratsam. Doch wer Zeit mitbringt, wird mit herzlichem Service und lustigen Geschichten von Preukschat belohnt.

Manchmal verquatscht sich Preukschat auch am Nebentisch, so dass das bestellte Bier erst zehn Minuten später kommt. Dann hat man zwar länger Durst, ist aber um eine Anekdote reicher.

Kinderfreundlichkeit:

Auf der Karte finden sich zwar keine speziell ausgewiesenen Kindergerichte, aber eine kleine Portion Rösti wird die Küche immer hinkriegen. Mit dem Kinderwagen am Tisch könnte es jedoch etwas eng werden. Eine Spielecke gibt es nicht, dafür aber Malbücher auf Nachfrage.

Barrierefreiheit:

Das Restaurant ist nicht barrierefrei. Schon am Eingang warten zwei Stufen auf die Gäste. Der Weg zur Toilette im Keller führt über eine Treppe.

Anfahrt / Parkplatzsituation:

Entlang der Schweizer Allee findet man meistens einen Parkplatz. Sollte man mal keinen finden, hat das Restaurant aber auch noch ein paar Parkplätze in einem Innenhof. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist es etwas schwerer, die Bootschaft zu erreichen. Die nächste U-Bahn-Station - die Endstation der U47 - ist stolze 1,6 Kilometer oder 19 Minuten zu Fuß entfernt. Die S-Bahn-Station Dortmund-Aplerbeck ist genauso weit weg. Eine Straße von der Bootschaft entfernt halten die Buslinien 439 und 431 an der Haltestelle Aplerbecker Schulstraße.

Was sagt das Netz zur Schweizer Bootschaft?

Die Bewertungen bei TripAdvisor sind wenig aussagekräftig: Es gibt bisher lediglich fünf Bewertungen (Stand 23.4.2018). Drei geben der Bootschaft die Höchstwertung "Ausgezeichnet", es ist aber auch ein "Befriedigend" und ein "Mangelhaft" dabei.

Die Auswahl der verschiedenen Biere sei "außergewöhnlich", heißt es in den guten Bewertungen, das Käsefondue habe "phantastisch" geschmeckt. Der Chef sei ein "nettes Original", dem man die "Liebe zur Schweiz" und ihren Gerichten abkauft. Bei der Atmosphäre im Laden gehen die Meinungen weit auseinander. Sie gehen von "sehr gemütlich" bis hin zu "zusammengewürfeltem Ambiente". Der Außenbereich, die so genannte "Sonnenalp", kommt auch nicht gut weg, sie sei "abschreckend sehenswert". Sie lief bei unserem Besuch Mitte April außerhalb der Wertung, weil sie noch nicht für die Außensaison hergerichtet war.

Insgesamt reiht TripAdvisor die Bootschaft auf Platz 406 von 656 Dortmunder Restaurants ein (Stand 23.4.2018).

Besser wird das Restaurant bei Facebook bewertet. Die 52 Bewertungen ergeben im Schnitt 4,7 von 5 Sternen. Hier wird unter anderem das "top Preis-Leistungs-Verhältnis" und der "super freundliche" Service gelobt.

Restaurant-Infos:

Schweizer Bootschaft, Schweizer Allee 127, 44287 Dortmund, Reservierung & Info: (0231) 921 00 115 / (0177) 738 29 36 , E-Mail: bistro@schweizer-bootschaft.de, Website, keine Kartenzahlung möglich.

Öffnungszeiten: mittwochs bis freitags 17-22 Uhr, samstags 17-23 Uhr, sonntags 12-20 Uhr, montags und dienstags Ruhetag.

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