Rettungs-Roboter entstehen auf Phoenix-West

Roboter sollen schon bald Menschenleben retten können

Dortmund - Im Labor auf Phoenix-West entstehen Rettungs-Roboter. Der Grund für einen verzögerten Start liegt in Berlin. Im Oktober wollen die Forscher endlich starten.

roboterAuf dem 1998 stillgelegten Hochofen-Areal entsteht am 1. Juli 2018 das Deutsche Rettungs-Robotik-Zentrum (DRZ). Das Dortmunder Institut für Feuerwehr und Rettungstechnologie entwickelt darin mit Forschern und Ingenieuren von deutschen Hochschul- und Universitätsstandorten sowie mit Unternehmen "Roboter für die Lebensrettung in menschenfeindlicher Umgebung".

Starten wollten die Forscher schon im Oktober 2017. Wegen der im Herbst zunächst gescheiterten Koalitionsverhandlungen konnten die Zuschüsse nicht fließen, da die Bundesrepublik Deutschland das ehrgeizige Projekt finanziert. Dortmund konnte sich zuvor gegen bedeutende Konkurrenten durchsetzen und fängt Anfang Juli nicht bei Null an: Schon 2015 erprobten Experten auf dem Gelände der Westfalenhütte im Norden der Stadt den Einsatz von Robotern und Drohnen.

Roboter können auch Treppen steigen

Die rettenden Roboter müssen Trümmerfelder überwinden, extreme Hitze aushalten, Gefahrstoffe erkennen, Hindernisse beseitigen und leichte oder auch mehrere hundert Kilogramm schwere Lasten transportieren können. "Wir brauchen speziell für die Gefahrenabwehr taugliche Roboter", sagt Projektkoordinator Dr. Hauke Speth (46) über den in den ersten vier Jahren mit 12 Millionen Euro ausgestatteten Spezialauftrag. Solche Roboter stehen in keinem Lager bereit.

Universell einsetzbare Industrie-Roboter können sich auf ebenen Flächen fortbewegen und auch einfache Treppen steigen. Die in Hörde entwickelten Rettungs-Roboter sollen viel mehr leisten: Sie müssen dort Menschenleben retten können, wo die Feuerwehr ihre Einsatzkräfte aus Sicherheitsgründen nicht mehr voran lässt. Die Roboter müssen sich auf unsicherem Untergrund sicher bewegen können. Branddirektor Dr. Hauke Speth betont: "Der Roboter wird einen Menschen nicht ersetzen und einen Patienten nicht notärztlich versorgen können. Aber er muss in Zukunft autonom entscheiden und uns bei der Arbeit unterstützen."

Stets hat die Feuerwehr beim Roboter-Einsatz die Kontrolle: Die robusten programmierten Helfer liefern live über Funk ihre Position und aufgenommene Bilder auf einen Monitor, der in sicherer Umgebung steht. Jederzeit kann die Feuerwehr in eine Situation eingreifen und steuern.

Roboter sind in Kommunikationssysteme eingebunden

Die Roboter sollen Entscheidungen aber auch alleine treffen können. Sie sind in Kommunikationssysteme eingebunden und können, erst einmal theoretisch, auch die von einer fliegenden Drohne gelieferten Daten nutzen. Eine Drohne setzt die Feuerwehr bereits ein.

In Dortmund beheimatete Projekt-Partner sind die Fachhochschule und die Technische Universität. Die Unis in Bonn und Darmstadt sowie der deutsche Löschsysteme-Hersteller "Minimax" (bekannt als Feuerlöscher-Marke) sind weitere Forschungspartner. Sie alle wollen schon nach etwa zwei Jahren auf Phoenix-West erste Demonstratoren vorstellen, die auf den Wegen in die Zukunft mit mehreren Stunden Betriebszeit auf gefährlichem Terrain trittsicher sind. Denken und planen wollen die Teams am liebsten im Gebäude der MST-Factory. Unterschrieben ist ein Mietvertrag aber noch nicht. In den Büros und einem mechanischen sowie einem elektrischen Labor könnten die ersten Ideen heranreifen, die dann in "großer Testumgebung" konkret werden.

Halle mit großer Versuchsfläche

Von der vor zehn Jahren für Mikrosystemtechniker errichteten Innovations-Schmiede hätten es die Forscher dann nicht weit bis in die Geburtsstätte der Rettungs-Roboter: Auf dem benachbarten Gelände des Zentrums für Produktionstechnologie entsteht eine Halle mit ausreichend großer Versuchsfläche, auf der die Forscher und Entwickler gefährliche Einsätze simulieren und Tests durchführen können. In der Halle bauen sie Szenarien nach, in denen die Roboter das Laufen lernen sollen.

Spezialisten müssen Hindernisse erkennen

Bevor das Deutsche Rettungs-Robotik-Zentrum die ersten Roboter von der Leine lässt, müssen die Spezialisten die in der Realität zu überwindenden Hindernisse erkennen. Trümmerhaufen, Löcher, Einsturz- und Explosionsgefahren, giftige Gase und hohe Temperaturen gehören dazu.

Das Gefahren-Repertoire ist noch lange nicht ausgeschöpft. Dr. Hauke Speth: "Wir haben mit dem Denken längst losgelegt und schon klare Vorstellungen. Aber es gibt noch Einiges, was wir ausbauen und neu entwickeln müssen."

Aus Sicht der Projekt-Partner ist Dortmund der ideale Standort für ein Forschungszentrum dieser Art. Denn die Großstadt-Feuerwehr und das seit 2001 forschende Institut für Feuerwehr und Rettungstechnologie und die Nähe zu innovativen mittelständischen Unternehmen in der Region qualifizieren Phoenix-West zu einem Standort, der wertvolles Wissen für die Forschung an der Lebensrettung auch langfristig bündeln könnte:

Zahl der Arbeitsplätze ist von Projekt-Phasen abhängig

Nach vier Jahren sollen die Rettungs-Roboter so gut arbeiten, dass sie mit ihren Entwicklern in Dortmund in die zweite Förderphase eintreten können. Nach insgesamt acht Jahren soll das DRZ dann finanziell autonom arbeiten und auf dem Markt Geld verdienen können. Daran arbeiten ab Juli Forscher, Hersteller und Anwender.

Die Zahl der Arbeitsplätze schwankt stark und ist dabei von den Projekt-Phasen abhängig. In der Praxis sollen die Roboter solche Arbeitsplätze einnehmen, die für einen Menschen viel zu gefährlich wären. Ein Beispiel: Der Roboter arbeitet sich bei großer Einsturzgefahr über ein Trümmerfeld vor und transportiert dabei ein Messgerät oder einen Laserscanner. Mit den so gewonnenen Daten kann die Feuerwehr das weitere einsatztaktische Vorgehen besser abwägen. Und es ist nicht auszuschließen, dass ein Feuerwehr-Roboter eine verletzte Person aus größter Gefahr befreit, zu einem Arzt transportiert und so dabei hilft, ein Leben zu retten.

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