Reus will DFB-Team seinen Stempel aufdrücken

BVB-Star steht vor seiner ersten Weltmeisterschaft

EPPAN - Dieser Sommer soll sein Sommer werden. Marco Reus will endlich einer Weltmeisterschaft seinen Stempel aufdrücken. Bislang steht der BVB-Star im Trainingslager in Eppan kaum im Mittelpunkt - das ist die beste Nachricht, die es für ihn gibt.

Jeden Tag wandern ein paar hundert Urlauber zur Sportzone Rungg, selbst wenn sie nur sehen, wie ein großer, schwarzer Bus mit getönten Scheiben auf das Trainingsgelände fährt und etwa zwei Stunden später wieder herunter. Manchmal kommen die deutschen Nationalspieler auch mit Fahrrädern, halten an und schreiben ihren Namen auf Trikots. Viele Zaungäste tragen das Trikot des Weltmeisters, der sich noch bis zum 7. Juni in Südtirol auf die Titelverteidigung in Russland vorbereiten wird.

Einziger BVB-Spieler

Trägt jemand das Trikot eines Bundesligisten, ist es in der Regel eines vom FC Bayern. Der deutsche Meister ist äußerst beliebt in der autonomen Provinz im Norden Italiens. Der "Bayern-Fanclub Hocheppan" hat ein Plakat am Kreisverkehr in Girlan aufgehängt, auf dem er die Nationalmannschaft begrüßt.

Ein schwarzgelbes Trikot war auch mal in der Menge zu erkennen. Genau eines. Der Ballspielverein aus Dortmund ist unterrepräsentiert in Südtirol. Das gilt auch für die Nationalmannschaft. Marco Reus ist der einzige Profi der Borussia, der es in den vorläufigen Kader für die Weltmeisterschaft schaffte. Bei der WM 2014 war der BVB noch mit vier Spielern vertreten: Mats Hummels, Roman Weidenfeller, Erik Durm und Kevin Großkreutz. Matthias Ginter, der als Profi des SC Freiburg nach Brasilien reiste, war ab 1. Juli in Dortmund unter Vertrag.

29. Geburtstag

Hummels, inzwischen beim FC Bayern, und Ginter, inzwischen bei Borussia Mönchengladbach, werden heute zu den Gratulanten gehören, wenn Marco Reus seinen Geburtstag feiert. Es wird das erste Mal sein, dass Reus in Südtirol im Blickpunkt steht. Das ist die beste Nachricht, die es für ihn gibt. Täglich, eher stündlich, gibt es Meldungen zum Gesundheitszustand von Manuel Neuer, neuerdings auch über Jermme Boateng. Mesut Özil erhielt einen Rüffel von Assistenztrainer Thomas Schneider, weil er sich im Training noch zu sehr zurückhält nach seiner Rückenverletzung, obwohl er "voll belastbar" sei.

Marco Reus wird an diesem Donnerstag 29 Jahre alt, er bestritt bislang 29 Länderspiele, das jüngste am 29. März 2016 bei einem 4:1-Sieg gegen Italien. Gut zwei Monate später platzte der Traum von seinem zweiten großen Turnier. Bundestrainer Joachim Löw strich ihn aus dem Kader, weil kurz zuvor eine Schambeinentzündung diagnostiziert worden war.

Guter Eindruck

Zwei Jahre zuvor, die Geschichte wird er sicher nicht mehr hören können, verletzte sich Reus am Vorabend des Abflugs zur Weltmeisterschaft nach Brasilien bei einem Testspiel gegen Armenien. Jetzt soll es, jetzt muss es klappen mit der ersten WM.Die beiden Testspiele gegen die U20 des DFB überstand Reus problemlos. In den Trainingseinheiten, die von Journalisten in Eppan beobachtet werden dürfen, macht Reus einen guten Eindruck.

Der DFB veröffentlichte vor ein paar Tagen ein Interview mit dem Dortmunder, in dem die beiden Turnierenttäuschungen gar nicht zur Sprache kamen. Reus selbst griff sie am Rande auf, als er sagte: "Ich hatte schon viele Verletzungen, aber dieser Teilabriss des Kreuzbandes war meine schwerste. Während der Verletzungspause dachte ich Schritt für Schritt, definierte die Etappen auf meinem langen Weg zurück."

Endgültiges Aufgebot bis zum 4. Juni

Im Pokalfinale 2017, das ihm endlich den ersten Titel seiner Profikarriere bescherte, war es passiert. Bis Februar 2018 dauerte es, ehe Reus wieder in einem Pflichtspiel zum Einsatz kam. Sieben Tore in elf Bundesliga-Spielen standen letztlich am Saisonende zu Buche. Dazu kam das Bekenntnis zum größten Klub seiner Heimatstadt. Der neue Vertrag mit dem BVB ist bis zum 30. Juni 2023 gültig. Dann wird Reus 34 Jahre alt sein. Seine erste könnte also auch die letzte Weltmeisterschaft für ihn werden.

Nur in Russland dabei zu sein, ist Reus deshalb zu wenig. "Ich habe schon den Anspruch, dass ich der Mannschaft helfen möchte - auf dem Platz", sagte er in Eppan. Die Konkurrenz ist gut und zahlreich. Leroy Sane, Julian Brandt und Julian Draxler zählen dazu. Einer wird vermutlich noch bis zum 4. Juni aus dem endgültigen WM-Aufgebot für Russland gestrichen. Marco Reus wird das nicht sein. Er muss jetzt nur noch ein paar Tage gesund bleiben. Vermutlich drückt ihm sogar der Bayern-Fanclub Hocheppan die Daumen.

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