Rezepte gegen Einsamkeit

Single an Weihnachten? So gelingt das Fest trotzdem

Dortmund - Weihnachten gilt als das Fest der Familie. Was aber tun, wenn es keine Familie gibt? Die Zahl der Single-Haushalte in Dortmund steigt seit Jahren. Das muss aber kein Indiz für Einsamkeit sein.

Fast die Hälfte aller Privathaushalte in der Stadt, genau 46,7 Prozent, sind Einpersonenhaushalte, in absoluten Zahlen: 146.000 von insgesamt 314.000 Haushalten. 2007 gab es erst 41,4 Prozent Einpersonenhaushalte. Alleine zu leben, bedeutet natürlich nicht zwangsläufig, alleine zu feiern.

Genau das aber tun viele Menschen, wenn auch nicht immer aus freien Stücken: nach einer Trennung, nach dem Tod des Partners oder im Fall einer weiten räumlichen Entfernung der Kinder, die keine Zeit mehr haben, bleiben Menschen an Heiligabend oft allein.

Alkohol macht alles schlimmer

Gedanken dazu, was Singles gegen die Einsamkeit tun können, hat sich Psychiater Dr. Harald Krauß gemacht, Chefarzt der Psychiatrie im Marien-Hospital in Hombruch. Er sagt: "Der Fernseher oder der Alkohol können nicht helfen, sondern machen alles nur schlimmer." Und Krauß macht Hoffnung: "Alleine zu sein, ist aber kein in Stein gemeißeltes Schicksal. Jeden Tag können wir bewusst etwas dafür tun, uns nicht einsam zu fühlen."

Viele Betroffene würden denken, so der Psychiater, dass nur sie selber alleine seien. Oder dass andere "nicht gestört" werden und "ihre Ruhe" haben wollten. Beides sei aber nicht der Fall. Viele Menschen seien froh, wenn ein anderer "Leidensgenosse" auf sie zukomme und sie angesprochen würden.

Selber Glück spenden

Kaum etwas mache Menschen selber glücklicher, als von Herzen Glück zu spenden: In Kirchen, Gemeinden oder bei Hilfsorganisationen könnten sich Alleinstehende engagieren und mitmachen. So erlebten sie Zusammenhalt und Teil einer Gemeinschaft zu sein.

Menschen, die das nicht wollten, könnten das Fest dazu nutzen, es so zu gestalten, wie es ihnen gefällt. So könne man Weihnachten mit Freunden oder Nachbarn feiern und nach eigenen Vorstellungen begehen. Mittags zum Punsch treffen, abends mit Freunden und Nachbarn kochen oder sich zu Gesellschaftsspielen treffen. "Zudem finden Gottesdienste, Weihnachtskonzerte, Theateraufführungen oder X-Mas-Partys statt, auf denen man garantiert Menschen findet, die sich auch alleine fühlen", rät Krauß zu neuen Kontakten. Der Arzt weiß aber auch: "Andere Menschen bekommen bei dem Weihnachtstrubel Aversionen. Wer am liebsten flüchtet, kann einen Urlaub buchen. Das ist auch eine gute Möglichkeit, um neue Menschen kennen zu lernen."

Nachdenken über das eigene Leben

Schließlich könne die Zeit genutzt werden, um einmal über die persönliche Situation nachzudenken. Krauß: "Darüber, wie diese bewusst verändert werden kann. Nachdenken, was am eigenen Leben gut ist. Was verändert werden soll. Mit welchem Ziel. Und auf welchem Weg."

Grundsätzlich könne die Weihnachtszeit dazu genutzt werden, auch sich selber eine Freude zu bereiten.

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