Rottweiler-Angriff

Bissigem Rottweiler aus Marten droht nach Attacke auf Mädchen der Maulkorb

Dortmund - Ein Rottweiler hat ein fünfjähriges Mädchen am Samstag durch Bisse schwer verletzt. Wir haben Fragen und Antworten zu dem Fall zusammengestellt.

Ein ausgewachsener Rottweiler ist am Samstagnachmittag in Marten von einem eingezäunten Gelände entwichen und hat an der Hohbrinkstraße ein fünfjähriges Mädchen angefallen. Es wurde durch Bisswunden am Oberschenkel schwer verletzt.

Was geschieht nun mit dem Hund?

Der Rottweiler wurde von der Polizei ins Tierheim in der Hallerey gebracht und wird dort versorgt. Dort soll er nun von der amtlichen Tierärztin im Beisein der Halterin begutachtet werden, teilte Stadtsprecher Maximilian Löchter am Montag auf Anfrage mit. Danach wird entschieden, ob und unter welchen Auflagen der Hund kurzfristig an die Halterin zurückgegeben wird.

"Es wird mindestens Leinen- und Maulkorbzwang für den Rottweiler anzuordnen sein", erklärt Löchter. Wenn der Hunde "nach Hause" zurückkehrt, werde er auch dort noch einmal von der Tierärztin begutachtet.

Bislang gab es keine Auffälligkeiten, berichtet Löchter. "Der Hund ist hier ordnungsbehördlich korrekt angemeldet worden, eine Haltungserlaubnis liegt vor. Auffälligkeiten sind bis dato nicht bekannt geworden."

Gelten Rottweiler als gefährliche Rasse?

Nach dem Landeshundegesetz gehört der Rottweiler zu den Hunderassen, die ähnlich wie als gefährlich eingestufte Hunde zu behandeln sind. Dazu gehört, dass der Halter einen von einem anerkannten Sachverständigen erteilten Sachkundenachweis und eine ausbruchsichere Unterbringung vorweisen muss.

Von Natur aus sei der Rottweiler eigentlich nicht aggressiv, betont die Vorsitzende des Tierschutzvereins Dortmund, Erika Scheffer. "Wir sind auch total geschockt von dem Vorfall." Man müsse sich den Einzelfall genau ansehen, sagt der Sprecher des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VdH) mit Sitz in Dortmund, Udo Kopernik. Der VDH charakterisiert in seinem Lexikon der Hunderassen den Rottweiler als Hund "von freundlicher und friedlicher Grundstimmung, kinderliebend, sehr anhänglich, gehorsam, führig und arbeitsfreudig".

Allerdings: Rottweiler werden immer wieder mal auffällig. So griff zwei Tage vor dem Vorfall in Marten ein Rottweiler einen zehnjährigen Jungen in Wesel an und verletzte ihn schwer. Vor vier Jahren sorgte ein Rottweiler für Schlagzeilen, der in einem Mehrfamilienhaus in Kley seinen Halter angriff. Der musste sich nach einem Biss ins Badezimmer flüchten, weil der Hund nicht mehr zu kontrollieren war.

Welche Rolle spielt die Halterin beziehungsweise der Halter?

Da Rottweiler nicht von Natur aus aggressiv seien, stelle sich die Frage, wie das Tier in Marten gehalten wurde, stellt Erika Scheffer fest. Die Tierrechtsorganisation Peta spricht bereits von einer "verantwortungslosen Hundehaltung".

"Meist liegt das Problem nicht beim Hund, sondern am anderen Ende der Leine. Viele Halter können ihre Hunde nicht richtig einschätzen. Somit ist die wahre Ursache für Beißattacken bei ihnen zu suchen - nicht beim Tier. Dass der Rottweiler aus dem eingezäunten Gelände entweichen konnte, war fahrlässig und verantwortungslos", so Peta-Fachreferentin Jana Hoger. "Jeder Hund, der falsch gehalten oder behandelt wird, kann zu einer Gefahr für Mensch und Tier werden - unabhängig davon, ob er einer ?Rasse' angehört oder ein ?Mix' ist."

Peta nimmt den Vorfall in Marten zu Anlasse, die Einführung eines "Hundeführerscheins" in Nordrhein-Westfalen zu fordern, zu dem neben einem Theoriekursus auch ein Praxisseminar zum Umgang mit Hunden gehören soll.

Die Halterin des Martener Rottweilers besitzt einen vom Landeshundegesetz für bestimmte Hunderassen geforderten Sachkundenachweis. Zu den gesetzlichen Pflichten von sogenannten Listenhunden gehört nach Paragraph 5 des Landeshundegesetzes aber auch, die Tiere "innerhalb eines befriedeten Besitztums (...) so zu halten, dass sie dieses gegen den Willen der Halterin oder des Halters nicht verlassen können".

Verpflichtend ist auch der Abschluss einer Haftpflichtversicherung mit einer Mindestversicherungssumme von 500.000 Euro für Personenschäden, die eventuell durch den Hund verursacht werden.

Wer den Hund nicht so hält wie vorgeschrieben, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße bis zu 100.000 Euro geahndet werden kann.

Was kann man tun, wenn man als Passant mit einem aggressiven Hund konfrontiert wird? Wie kann man Hilfe leisten?

Oberstes Ziel muss sein, den Hund von seinem Opfer abzubringen. Sinnvoll könnte ein Schlag aufs Hinterteil sein, empfiehlt Erika Scheffer.

Wie geht es dem gebissenen Mädchen?

Die Fünfjährige wurde nach Angaben der Poizei schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert. Aktuelle Informationen gab es am Montag von der Polizei nicht. Die 55-jährige Großmutter, die das Kind begleitet hatte, erlitt am Samstagnachmittag einen Schock und wurde ambulant medizinisch versorgt.

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