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Erhöhte PCB-Werte: Der Landrat des Ennepe-Ruhr-Kreises will nun Fakten sehen. 

Erhöhte PCB-Werte in Ennepetal

Isolierstoff-Firma droht jetzt ein Produktionsstopp

Chlor sorgt dafür, dass der krebserregende Stoff über die Schornsteine freigesetzt wird. Die Arbeitnehmer wollen heute demonstrieren.

Update, 20. Februar, 13.30 Uhr

Die Kreisverwaltung Ennepetal will jetzt hart gegen die Isolierstoff-Firma vorgehen, die PCB ausstößt. Dem Ennepe-Ruhr-Kreis zufolge muss die Firma bis heute 24 Uhr ein bereits eingereichtes Konzept nachbessern, ansonsten droht der sofortige Produktionsstopp.

Unternehmen sucht händeringend nach Lösung

Das PCB entsteht, weil die Firma Chlor verwendet. Das Chlor sorgt dafür, dass in der Produktion der krebserregende Stoff entsteht und durch die Schornsteine freigesetzt wird. Das Unternehmen arbeitet seit Wochen an einer Lösung, chlorfrei zu produzieren. In Teilen hat es das Unternehmen schon geschafft.

Außerdem hat das Unternehmen ein Konzept zum weiteren Vorgehen beim Kreis eingereicht. Das scheint den Landrat nicht zu überzeugen. Ob die Firma bis Mitternacht ein neues Konzept einreichen kann und ob ein für Donnerstagnachmittag angesetzter Behördentermin in der Firma noch etwas an der Situation ändern wird, ist fraglich.

Mitarbeiter wollen demonstrieren

Die Mitarbeiter der Firma haben für den Donnerstagnachmittag kurzfristig eine Demonstration gegen den angedrohten Produktionsstopp angekündigt. Sie haben Angst, dass ihre Arbeitsplätze sonst gefährdet sind. Sie fürchten außerdem, dass ihr Arbeitsgeber insolvent gehen könnte.


Update, 10. Februar, 12.15 Uhr 

Im Fall der erhöhten PCB-Werte in Ennepetal im südlichen Ruhrgebiet ist der Druck auf den Verursacher nach neuen Funden gewachsen. Es seien im Umfeld des Unternehmens erneut hochgradig PCB-belastete Partikel gefunden worden, teilte der Ennepe-Ruhr-Kreis mit. Die Firma habe nun Pläne vorgelegt, wie sie ein erneutes Austreten solcher Flocken verhindern wolle und werde zudem bis zum 20. Februar ein Gesamtkonzept zur Eindämmung der PCB-Problematik vorlegen, sagte ein Kreissprecher am Montag (10.2.). PCB ist ein Umweltgift und wird von der Weltgesundheitsorganisation als krebserregend eingestuft.

Unternehmen will Produktion umstellen

Das Unternehmen BIW Isolierstoffe betonte, man wolle so "emissionsfrei wie möglich" produzieren und nehme die Sorgen von Anwohnern und Mitarbeitern sehr ernst. Nach ausgiebigen Tests habe man vor einer Woche begonnen, die Produktion schrittweise auf einen chlorfreien Vernetzer umzustellen. Der Einsatz von Chlor ist Grund dafür, dass im Herstellungsprozess PCB entsteht. (lnw)

Aufgrund erhöhter PCB-Werte in Ennepetal im südlichen Ruhrgebiet sollen hunderten Kinder und jüngeren Frauen spezielle Bluttests angeboten werden. Ein Sprecher des Ennepe-Ruhr-Kreises sagte auf Anfrage, die Planung dafür sei aufwendig, wann genau es soweit sei, stehe noch nicht fest. Im Industriegebiet seien teils deutlich erhöhte PCB-Werte gemessen worden, in einem naheliegenden Wohngebiet waren die Werte ebenfalls höher als normal. Die Kreisverwaltung arbeitet seit Monaten mit dem Landesumweltamt zusammen. Die Behörde hatte mitgeteilt, dass sie angesichts der Messergebnisse Blutuntersuchungen in den betroffenen Gebieten für sinnvoll hält.

Bluttests wollen Klarheit bringen

PCB gilt als krebserregend. Der Kreis betonte, eine akute Gefährdung liege nicht vor. Der Sprecher sagte, mit einem "Human-Biomonitoring" - die üblichen Bluttests reichten nicht aus - solle Klarheit gewonnen werden, ob es bei Personen in der Nähe der Schadstoffquelle innere Belastungen gebe. Aus Studien sei bekannt, dass gesundheitliche Risiken durch PCB besonders das Nerven- und Immunsystem von Kindern betreffen könnten. Daher richteten sich die Untersuchungsangebote an Kinder und Frauen im gebärfähigen Alter.

Für die Umweltbehörden ist der Fall Neuland

Die PCB-Quelle sei eine Firma. Ein Gutachten des Landesumweltamtes habe das so klar benannt. Das Herstellen und Verwenden von PCB ist in Deutschland verboten. Aber: Bei dem Unternehmen im Ennepetal wird das PCB infolge der Produktion ausgestoßen - von einer laut einem Bundesgesetz nicht genehmigungspflichtigen Anlage, wie der Sprecher der Kreisverwaltung betonte. Für die Umweltbehörden sei der Fall landesweit Neuland. Man habe die Firma aufgefordert, bis Ende Januar ein Konzept vorzulegen, wann und wie sie die Emissionen reduziere. Von diesem Konzept hänge ab, wie es weitergehe. (dpa)

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