LWL-Volontärin Lisa Weißmann präsentiert eine Verbindung zwischen Bergbau und Fußball: Auf der Schalke-Trommel ist ein Bergmannshelm befestigt – inklusive „Glück Auf“-Ente.
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LWL-Volontärin Lisa Weißmann präsentiert eine Verbindung zwischen Bergbau und Fußball: Auf der Schalke-Trommel ist ein Bergmannshelm befestigt – inklusive „Glück Auf“-Ente.

Ruhrpott-Ausstellung

Jede Menge Kohle im Pott

BOCHUM - Die neue Ausstellung „Revierfolklore“ zeigt die vielfältigen Spuren des Bergbaus im Ruhrgebiets-Alltag. Grubenwagen stehen in Vorgärten, Mikrofaser-Pantoffeln zeigen das Bild eines Fördergerüsts, „Glück auf“ heißt es auf T-Shirts und Tassen. Der Bergbau in unserer Region ist zwar Ende 2018 Geschichte, doch seine Spuren im Leben des Reviers sind vielfältig. Was dem Bayern die Lederhose, ist dem Ruhrgebietler Schlägel und Eisen?

Welch große Bedeutung der Bergbau für das Lebensgefühl im Revier und die Identifikation mit der Region hat, macht die Ausstellung „Revierfolklore“ im LWL-Museum auf Zeche Hannover in Bochum deutlich: Hier werden ab sofort etwa 250 Gegenstände aus der Alltagskultur unserer Region gezeigt. Bergbau-Aspekte ziehen sich dabei wie ein Roter Faden durch die Präsentation.

Hier hat die Welt des Bergbaus viele Gesichter: Da sind Förderturm-Bilder und Bergmanns-Urkunden zu sehen, da geht es um Kleidung und Brauchtum. „Traditionen des Bergbaus werden bis heute gelebt, zum Beispiel bei Knappentagen, Barbarafeiern und Musikgruppen“, erläutert Kurator Dietmar Osses, der die Ausstellung zusammen mit Volontärin Lisa Weißmann konzipiert hat. An einer Multimedia-Station erklären Bergleute, warum sie die Bergbau-Traditionen bewahren.

Auch in Sport und Kunst ist der Bergbau als regionales Identifikationsmerkmal immer wieder zu finden: Auf einer Fan-Trommel von Schalke 04 ist ein Bergmannshelm befestigt – die Aufschrift auf der Plastikente über dem Helm lautet „Glück auf“. Schlager wie Punk-Beiträge – beides in der Ausstellung zu hören – besingen Ruhrgebiet und Kohlenpott mit harter Arbeit und Zusammenhalt ehrlicher Menschen. In diesen Zusammenhang passen auch Comedians von Adolf Tegtmeier bis Herbert Knebel sowie Kultfilme wie „Bang Boom Bang“ und „Jede Menge Kohle“ – auch hiervon gibt es in der Ausstellung Ausschnitte.

Vom Kohlenpott zum Ruhrpott

Und natürlich hat der Bergbau auch bei der Außendarstellung des Ruhrgebiets eine wichtige Rolle gespielt. Hier zeigt die Ausstellung eine eindeutige Entwicklung: In Broschüren aus den 50er-Jahren machen die Städte noch Werbung mit Fördertürmen und rußgeschwärzten Gesichtern. „In den 60ern und 70ern wird der Bergbau aufgrund der damaligen Krisensituation ausgeblendet: Nun wird mit Gruga- und Westfalenpark geworben. Blütenmeere statt rauchender Schlote“, erläutert Dietmar Osses. „Eine Entwicklung, die sich danach weiter fortsetzt: Vom Kohlenpott zum Ruhrpott.“

Entwickelt hat sich auch das Revier-Thema Essen und Trinken: Bier und Currywurst gelten nach wie vor als typisch für das Ruhrgebiet. Doch heute werben Brauereien mit der Verbundenheit zur Region – über neue regionale Namen, stadtbekannte Ansichten auf Etiketten. Und bisweilen werden alte Essgewohnheiten neu aufgegriffen: In der Ausstellung steht neben einem traditionellen Henkelmann eine nachgemachte Papp-Variante des Behälters, in dem Studierende an der Ruhr-Uni Bochum ihr Essen erhalten können.

„Revierfolklore“

LWL-Industriemuseum Zeche Hannover in Bochum, Günnigfelder Str. 251, bis 28. Oktober. Öffnungszeiten: mittwochs bis samstags 14 - 18 Uhr, sonntags 11 - 18 Uhr. Eintritt frei.

Den Abschluss bilden Souvenirs und Andenken: T-Shirts, Tassen, Kleidung . . . – oft mit Bergbau-Motiven. Auch hier wird wieder der Untertitel der Ausstellung aktuell: „Zwischen Heimatstolz und Kommerz“. Spektakuläre Exponate sind in „Revierfolklore“ nicht zu sehen, die Präsentation lebt vor allem von den inhaltlichen Hintergründen, auch von den Erinnerungen der Besucher. Diese können übrigens ihre persönlichen Gegenstände der Verbundenheit mit dem Ruhrgebiet mitbringen und ausstellen – noch ist das dafür vorgesehene Regal in der Eingangshalle leer...

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