Rutschpartie geht weiter

Der BVB schlittert durch seine sportliche Krise

Dortmund - Peter Bosz musste sich vis-à-vis sogar Fragen nach einem möglichen Nachfolger gefallen lassen. Doch selbst auf diesen Affront reagierte der Niederländer am Samstag mit erstaunlicher Gemütsruhe. Borussia Dortmund schlittert mit seinem Trainer immer weiter in einen haltlosen Zustand. Eine Rutschpartie mit ungewissem Ausgang.

Zur Erinnerung: Borussias letzter Sieg in der Bundesliga datiert aus dem September. Seitdem entwickelt sich die Krise, die lange nicht so benannt werden sollte, zu einem Schrecken ohne Ende. Inzwischen ist der BVB nicht wiederzuerkennen. Wie der von Sportdirektor Michael Zorc beschworene "Turnaround" gelingen soll, bleibt rätselhaft.

Punktepolster ist aufgebraucht

Allein die schwache Punktausbeute der Konkurrenz unterhalb des FC Bayern belässt die Schwarzgelben in Schlagdistanz zu den Champions-League-Plätzen, die Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke als Minimum ausgegeben hat ("Daran wird nicht gerüttelt"). Nur aufgrund der Schwäche der Liga dümpelt der BVB noch nicht irgendwo im Nirgendwo. Das Punktepolster ist aufgebraucht.

So ist eine vertrackte Situation entstanden, die Watzke und Zorc händeln müssen. An der Unzufriedenheit der BVB-Bosse gibt es keinen Zweifel. Die Talfahrt hinterlässt Spuren, auch wenn es nicht die erste und nicht die schwerste sportliche Krise der vergangenen Jahre ist.

Keine Alternativen

Wie geht es weiter? Gelingt auch am Samstag gegen Werder Bremen kein Sieg, dürfte die Verlängerung der Verlängerung der Schonfrist ins Wanken geraten. Bei aller Wertschätzung, die Bosz beim BVB intern auch weiterhin genießt: Der sportliche Schaden, den die Macher auch mangels überzeugender Alternativen auf dem Trainermarkt in Kauf nehmen, muss sich im Rahmen halten. Besser wäre ein baldiges Erfolgserlebnis.

In Fankreisen mehren sich bereits Stimmen, die sich abwenden von der Mannschaft, die keine Durchhalteparolen und kein Schönreden mehr hören wollen und keine Verweise darauf, dass zu Saisonbeginn alles wunderbar war.

Hinweggefegt

Die Galaform des Starts hat es hinweggefegt wie die Blätter bei den Herbststürmen. Von seiner unantastbaren 4-3-3-Formation ist Bosz - wohl auf entsprechende Hinweise reagierend - abgewichen. Im Moment fühle sich die Mannschaft in der 3-4-3-Formation sicherer, sagte Kapitän Marcel Schmelzer.

Am offensiven Pressing möchte Bosz dennoch festhalten. Bayer Leverkusens Spieler machten sich am Samstag 40 Minuten lang einen Spaß daraus, die Schwächen des BVB zu entblößen. Fehlendes Tempo. Fehlende Präzision. Fehlendes Durchsetzungsvermögen in den Zweikämpfen. Selbst in Überzahl lag der Fokus mehr darauf, Risiko zu vermeiden (Bosz: "Wir wollten keine Bälle leichtfertig verlieren."), als eigene Chancen zu suchen. Geschwindigkeit und Torgefahr gingen flöten. Es steckt kaum noch Bosz in der Borussia. Und immer weniger BVB-Fußball.

Für die Wende einen Sieg

Von einem Schritt nach vorne, den Spieler der Öffentlichkeit gegenüber zu vermelden hatten, wollte Bosz am Wochenende nicht sprechen, derartige Einordnungen seien nicht seine Aufgabe. "Das sollen andere entscheiden, ob das ein Schritt nach vorne, nach hinten, nach oben oder nach unten war." Für die Wende, den besagten Turnaround, brauche es einen Sieg, erklärte Bosz. Am Mittwoch ein Sieg bei Real, beim Titelverteidiger der Champions League? "Auch gegen Madrid ist das möglich." Da schwang allerdings wenig Überzeugung mit in seiner Stimme.

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