Schätze aus dem Baunkunstarchiv

Wie Eckhard Gerber mit dem Harenberg-Haus ein architektonisches Zeichen setzte

Das Harenberg-Haus am Königswall ist eines der bekanntesten Werke von Architekt Prof. Eckhard Gerber in Dortmund - und nun ein Fall für das Baukunstarchiv NRW.

Das Haus lenkt den Blick automatisch auf sich. Nicht weil bunte Bilder am Dachfirst flimmern wie nebenan am Fußballmuseum oder am U-Turm. Es ist die Schlichtheit, die anzieht. Und das Harenberg-Hochhaus scheint wie gemacht für den Platz direkt am Bahndamm neben dem Hauptbahnhof.

Ein Haus, das Platz für Kreativität lässt

Der lag nach dem Krieg lange verwaist, wurde genutzt für eine Schleife der Straßenbahn. Bis sich der Dortmunder Verleger Bodo Harenberg dazu entschied, das Grundstück zu kaufen, um hier den Sitz seines Verlages bauen zu lassen. Er beauftragte den Architekten Eckhard Gerber, der 1966 ein Architekturbüro in Meschede mitgegründet hatte und seit 1979 mit seinem Büro in Dortmund zuhause war.

Gerber entwarf für Harenberg ein Gebäude, das für Aufsehen sorgte. Nicht weil es mit Glas und Wuchtigkeit protzt. Im Gegenteil. Der Bau ist auf das Wesentliche reduziert. Bis auf den nackten Beton, der sich an der Fassade bis in die 19. Etage hochzieht. "Ich bin oft gefragt worden, wann die Fassade denn endlich angestrichen wird", erzählt Eckhard Gerber schmunzelnd.

So langsam sickerte nach der Eröffnung im April 1994 aber die Erkenntnis durch, das gerade diese Schlichtheit die besondere Qualität ausmacht. Das Haus zeigt, dass auch nackter Beton elegant wirken kann. Es ist gebaute Philosophie. Als Sitz eines Verlages soll das Haus Platz lassen für Kreativität, erklärt Gerber. "Nichts soll die Arbeit der Verlagsleute künstlerisch beeinflussen. Alles soll in seiner Gestalt nur Gerüst, Struktur sein, eher unfertig, Werkstatt sein. Wir denken, dass nur in einem solchen Umfeld immer wieder Neues entstehen kann."

Spannende Auffahrten im gläsernen Aufzug

Der Vorteil für die Nutzer: Die Grundrisse im damals höchsten Haus der Stadt sind einfach und einleuchtend. Über das vorgelagerte Treppenhaus werden alle Etagen gleichartig erschlossen. Und die Auffahrt (oder wahlweise auch Abfahrt) mit den gläsernen Aufzügen ist immer wieder ein Erlebnis.

Doch das Gebäude steht ja nicht allein. Da ist auch das spitze Anhängsel direkt am Königswall, das wie ein Tortenstück aussieht und dann auch so genannt wurde. Über eine dreistöckige gläserne Halle ist es mit dem Hochhaus verbunden. Es nimmt, wie das benachbarte Ex-AOK-Gebäude, die Kurve des Walls auf, passt das Haus ideal an die Umgebung an.

Die städtebauliche Einbindung seiner Bauten ist Eckhard Gerber ein großes Anliegen. Am Harenberg-Haus wird das gut deutlich. Das gilt auch für das Hochhaus, das wie ein Gegenstück zum lang gezogenen Bahnhofsvorplatz wirkt, ein perfekter Abschluss ist. "Seine Form wurde nicht ?erfunden', sondern aus der Umgebung abgeleitet", schrieb der bekannte Architekturkritiker Manfred Sack.

Das Harenberg-Haus ist eines der wenigen Gebäude in Dortmund, das von der Architekturkritik überregional wahrgenommen und sogar gelobt wurde. Sack schrieb von einer "Architektur, die sich in gebauter Gestalt, nicht in Ornamenten ausdrückt, die sich auch auf die unendlichen Varianten verlässt, die in der elementaren Geometrie verborgen sind".

Auch die Dortmunder haben schnell ihren Frieden mit dem Beton-Hochhaus gemacht. Nicht zuletzt, weil es ein offenes Haus war. Bodo Harenberg holte Künstler aus aller Welt in sein Haus. Die Reihe "Kultur im Tortenstück" war das Aushängeschild. Den passenden Rahmen dazu bietet der im Tortenstück untergebrachte Amphisaal, der ebenfalls aufs Wesentliche reduziert ist und mit seinen hochaufsteigenden Sitzreihen wie ein Hörsaal ein ideales Auditorium bietet. Eine besondere Attraktion waren aber auch Veranstaltungen in der 18. Etage mit weitem Blick über die Stadt.

Damit ist es leider vorbei. Inzwischen ist das Harenberg-Haus eine reine Büroimmobilie. Immerhin bleibt der Amphisaal erhalten, wie der neue Eigentümer GEG German Estate Group AG mit Sitz in Frankfurt angekündigt hat. Ein Umbau würde auch am Veto des Architekten und seinem Urheberrecht scheitern.

Nicht nur Dortmund, auch Gerber, der langge Zeit als Professor an den Universitäten in Essen und Wuppertal wirkte, profitierte von dem Bau. Mit einer ganzen Reihe an Folgeaufträgen hat Gerber auch an anderen Stellen in Dortmund das Stadtbild geprägt - etwa mit dem RWE-Turm als Pendant zum Harenberg-Haus an der anderen Seite des Bahnhofsvorplatzes, mit dem Arbeitsamt an der Steinstraße oder der Volksbank in der City.

Schließlich zeichnete Gerber mit seinem mittlerweile 180 Mitarbeiter zählenden Büro nach gewonnenen Wettbewerben auch für den Umbau des U-Turms zum Zentrum für Kunst und Kreativität und für den Berufskolleg-Campus gleich daneben verantwortlich.

Eines der Gerber-Projekte für Dortmund, das nicht verwirklicht wurde, ist ein Anbau für das Museum am Ostwall. Das wurde nun zum Baukunstarchiv NRW umgebaut, dem Gerber seine Werk sammlung überlassen wird. An diesem Freitag hat dort eine Ausstellung unter dem Titel "Konzept+Atmosphäre" eröffnet, mit der der 80. Geburtstag von Prof. Eckhard Gerber gewürdigt wird. Zu den ausgewählten Werken, die dort präsentiert werden, gehört auch das Harenberg-Haus.

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