Schalke-Absturz

Tedesco: Ist am Aschermittwoch alles vorbei?

GELSENKIRCHEN - Entsetzliche Vorstellung, totale Demütigung: Nach dem 0:4 gegen Düsseldorf ist die Stimmung auf Schalke endgültig gekippt. Die Mannschaft: ein Trümmerhaufen. Die Fans: außer Rand und Band. Der Trainer: nur noch wegen eines Vorstand-Vakuums im Amt.

S04-Trainer Domenico Tedesco marschierte quasi als Speerspitze der Bewegung („Das ist das Mindeste, was ich in dieser Situation tun kann“) Richtung Nordkurve, um sich bei den wütenden Fans zu entschuldigen. Tedesco wurde mit Gegenständen und Getränkebechern beworfen, die wahrscheinlich gar nicht mal ihm, sondern der in einem Sicherheitsabstand von zehn Metern folgenden Mannschaft galten. Um die Situation nicht komplett eskalieren zu lassen, durften zwei Vertreter der „Ultras“ der Mannschaft persönlich die Meinung geigen. Die gipfelte in einem sympolischen Liebesentzug: Benjamin Stambouli, gegen Düsseldorf Kapitän einer komplett versagenden Mannschaft, wurde die Spielführerbinde mit der Aufschrift „Nordkurve“ abgenommen – die hatten die „Ultras“ vor der Saison S04-Kapitän Ralf Fährmann feierlich überreicht.

„Es muss Grenzen geben“

Stambouli war diese Demütigung sehr nahe gegangen. Der Franzose hatte Tränen in den Augen – sowieso kam dieser „Eingriff“ der Ultras bei aller berechtigten Kritik an den S04-Profis nicht überall gut an. Stellvertretend für die Fraktion, die solchen Aktionen kopfschüttelnd gegenüber stehen, meint Heribert Bruchhagen, Schalkes früherer Marketing-Chef und Freund von Aufsichtsratschef Clemens Tönnies: „Die Ultras haben auf Schalke eine goße Bedeutung. Aber es muss auch Grenzen geben. Die Sache mit der Binde war ein Eingriff, der an Arroganz nicht zu überbieten ist. Das hätte ich nicht akzeptiert.“

Schalke ließ alles über sich ergehen – genau wie die 90 entsetzlichen Minuten vorher. Wer gedacht hatte, lebloser als beim 0:3 in Mainz könne die Mannschaft gar nicht mehr spielen, wurde eines Schlechteren belehrt. Tedescos Bilanz in Kurz-Form: „Mutlos und leer. Sehr leer.“

S04-Funktionär: "Diese Mannschaft ist tot"

Am Aschermittwoch könnte zumindest für S04-Trainer Domenico Tedesco alles vorbei sein, zumindest auf Schalke. „Ich glaube weiter an meine Arbeit und bin keiner, der sich jetzt verpisst“, stellte er direkt nach dem Spiel klar, dass er nicht – wie Manager Christian Heidel – die Brocken von sich aus hinwerfen wird. Alles andere als eine Beurlaubung des Trainers vor dem Freitag-Spiel in Bremen wäre allerdings eine Überraschung – aktuell wird Tedesco davor offenbar nur geschützt durch das Vakuum im S04-Vorstand. Heidel ist nicht mehr aktiv im Amt, der neue Sportvorstand Jochen Schneider – der sich das Elend am Samstag in der Arena ansah und auch gestern auf Schalke vor Ort war– ist noch nicht offiziell „bestellt“. Vor Dienstag wird also wahrscheinlich keine Entscheidung in der Trainerfrage verkündet.

Mark Uth bricht eine Lanze für Tedesco: „Der Trainer kann nichts dafür, wenn wir so einen Schrott spielen. Ich weiß nicht, was wir da machen. Aber Fußball spielen wir nicht.“ Stambouli appeliert an den Team-Charakter: „Wir sind kleine Spieler in einem großen Verein. Wir müssen jetzt zeigen, dass wir Männer sind.“

Zu spät – findet zumindest der hochrangige S04-Funktionär, der schon in der Halbzeit kreidebleich stöhnte: „Diese Mannschaft ist tot. Toter geht‘s gar nicht mehr.“ Die Stimmung ist gekippt.

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