Schalke 04

Stille Häuptlinge bilden neue Führungsachse

Gelsenkirchen - Bei Schalke ist momentan in Sachen Führungsspieler viel los. Die neuen Häuptlinge sind keine Lautsprecher, sondern gehören eher zur Fraktion der „stillen Stars“.

Die Hierarchie hat sich im Vergleich zum Saisonstart radikal verändert, weil zwei Führungsspieler keine mehr sind. Naldo wechselte aus Frust über seine Reservistenrolle zur AS Monaco, während Torwart Ralf Fährmann zur Nummer zwei degradiert wurde. Das Besondere an der Schalker Situation: Die neuen Häuptlinge sind keine Lautsprecher, sondern gehören eher zur Fraktion der „stillen Stars“.

Benjamin Stambouli:

Im vergangenen Sommer wurde er in den Mannschaftsrat gewählt, nach dem Wechsel von Naldo wurde Stambouli zum Vize-Kapitän befördert. Der mannschaftsinterne Stellenwert des Franzosen ist enorm gewachsen. Bei ihm hat man den Eindruck, dass er sich total mit dem Verein identifiziert und sich viele Gedanken über die sportliche Entwicklung macht.

Dass er im Wolfsburg-Spiel die Binde trug, wollte der 28-Jährige aber nicht zu hoch hängen. „Ich bin sehr stolz. Das ist eine große Verantwortung. Aber ich weiß auch, dass Ralf Fährmann unser richtiger Kapitän ist. Er ist auf Schalke eine Legende“, betonte der Abwehrspieler.

Daniel Caligiuri:

Ähnlich wie Stambouli wirft der 31-Jährige für Schalke in jedem Spiel alles in die Waagschale. Caligiuri hat ein großes Selbstbewusstsein. Bei Elfmeterausführungen gab es schon mal Streit mit Nabil Bentaleb. Und auf der Suche nach einem neuen Vize-Kapitän gab Caligiuri nach dem Wolfsburg-Spiel zu: „Das wäre ich auch gern geworden“. Worauf Tedesco schmunzelte und nur zwei Worte sagte: „Typisch Cali“, was als Kompliment gemeint war.

Für Caligiuri ist klar, dass die älteren Spieler bei den Königsblauen nun noch mehr in der Verantwortung stehen. Er will seinen Teil dazu beitragen, dass durch den Abgang von Naldo kein Machtvakuum entsteht.

Bastian Oczipka:

Der 30-Jährige ist in den Mannschaftsrat aufgerückt. Das ist ein Zeichen, dass sein Wort in der Mannschaft Gewicht hat. Durch seine Leistenoperation war der Ex-Frankfurter einige Monate nicht so präsent. Seit er wieder spielen kann, versucht er sich noch mehr einzubringen, was die Diskussionen über Taktik und Aufstellung betrifft.

Guido Burgstaller:

Im Gespräch mit Journalisten ist der Österreicher eher zurückhaltend. Aber in der Kabine geht auch schon einmal das Temperament mit ihm durch, wenn er sich nach einer Niederlage ärgert. Besonders bei Schalkes Nachwuchstalenten in der Offensive ist der 29-Jährige hoch anerkannt, weil er keinen Ball verloren gibt. Burgstaller hat kürzlich verraten, dass er sich auf Schalke so wohl fühlt, dass er seinen am 30. Juni 2020 auslaufenden Vertrag am liebsten verlängern möchte.

Sportvorstand Christian Heidel ist der Meinung, dass der Verein eine neue Führungsstruktur nicht verordnen könne. „So etwas muss wachsen“. Ob das gelingt, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen.

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