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Auch die Schleuse Datteln hat dringenden Sanierungsbedarf. „Sie läuft seit 25 Jahren auf Verschleiß“, kritisiert der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Groß.

Schleusen als Risiko

Mehr Personal gegen den Sanierungsstau

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KREIS RE - Jahrelange Einsparungen bei der Instandhaltung von Schleusen werden zum Sicherheits-Risiko und bedrohen auch die Versorgung der Industrie im Ruhrgebiet. Jetzt will der Bund 25 zusätzliche Stellen für Ingenieure in den Wasser- und Schifffahrtsverwaltungen schaffen, um die Instandsetzung der Schleusen zu beschleunigen. Die Frage ist, inwieweit das dem Ruhrgebiet und insbesondere auch dem Kreis Recklinghausen hilft.

Die SPD-Bundestagsabgeordneten aus dem Ruhrgebiet haben in einem Brief Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) jedenfalls aufgefordert, einen Großteil der neuen Stellen, wenigstens 15, im Ruhrgebiet anzusiedeln. „Mit jeweils sechs Schleusen am Rhein-Herne-Kanal und am Wesel-Datteln-Kanal haben wir im Ruhrgebiet eine einzigartige Schleusen-Dichte“, betont der Marler SPD-Abgeordnete Michael Groß. Vor allem sei es notwendig, die Stellen sofort zu schaffen und keine Zeit mehr zu verschenken. Denn der Prozess des Planens und Bauens werde wenigstens fünf bis zehn Jahre in Anspruch nehmen, so der Politiker.

Die Posse um die Nischenpoller

Wie dramatisch sich die Lage mittlerweile darstellt, zeigt die Posse um die Nischenpoller in den teilweise 90 Jahre alten Schleusen am Wesel-Datteln-Kanal. Diese Poller, die sich auch in den Schleusen Dorsten, Flaesheim, Ahsen und Datteln finden, sind so marode, dass es passieren kann, dass ein Schiff, das beim Schleusen daran festmacht, sie herausreißt. Seit Ende vergangenen Jahres dürfen die Binnenschiffer sie daher nicht mehr benutzen. Schiffe werden nur noch einzeln geschleust. Schubverbände müssen getrennt und nach dem Schleusen wieder zusammengesetzt werden. Stundenlange Wartezeiten sind die Folge. Jetzt sollen sogenannte Festmacher erste Hilfe leisten. Das sind Arbeiter, die man aus großen Seehäfen kennt. Die vertäuen Schiffe an den Landpollern oberhalb der Schleusenkammern. Aus der Sicht des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt ist das „Mangelverwaltung in Vollendung“.

Die Logistiker der Unternehmen, die von den Wasserstraßen abhängig sind, bekommen immer mehr Probleme, vernünftig zu planen. „Ein reibungsloser Schiffsverkehr ist für viele Unternehmen im Ruhrgebiet aber absolut überlebenswichtig“, sagt der Bundestagsabgeordnete Michael Groß. Das beste Beispiel dafür ist der Chemiestandort Marl. Etwa 4,5 Millionen Tonnen Rohstoffe und Chemieprodukte verschifft der Chemiepark (10.000 Beschäftigte) jedes Jahr übers Wasser. Der Kanal wird als sichere Transportmöglichkeit für Gefahrenstoffe genutzt. „Für das Nervensystem des Produktionsstandortes ist der Wesel-Datteln-Kanal extrem wichtig“, betonte Unternehmenssprecher Tobias Römer erst kürzlich in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Echte Alternativen für den Transportweg Wesel-Datteln-Kanal gebe es nicht.

Das gleiche gilt auch für das Trianel-Kraftwerk in Lünen. Rund 1300 Lkw pro Woche bräuchte der Betreiber, um dieselbe Menge Kohle zum Kraftwerk zu transportieren, die ein einziger Schiffsverband über den Wasserweg von Rotterdam nach Lünen bringt.

Angesichts von zweistelligen Milliardenbeträgen, die der Bund in die Verkehrsinfrastruktur stecken wolle, gebe es jetzt die notwendigen finanziellen Spielräume, um den Investitionsstau der letzten Jahrzehnte an den Kanälen zu durchbrechen, ist sich Michael Groß sicher. „Nicht das Geld ist das Problem, sondern der akute Mangel an Personal.“

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