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Der Vorstand der Bezirksvereinigung der Schiedspersonen im Vest Recklinghausen um den Vorsitzenden Marc Stallony (4.v.r.), Stellvertreterin Monika Dinter (3.v.l.) und Geschäftsführer Hartmut Spanka (3.v.r.).

"Schlichten statt richten"

So entlasten Schiedsleute die Städte im Kreis RE

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KREIS RE - Ein Gegenentwurf zu „Blöde Kuh“ und „Hornochse“: Die Schiedsmänner und Schiedsfrauen im Kreis Recklinghausen setzen auf das vermittelnde Wort. Sie schreiten ein, bevor Streitigkeiten endgültig eskalieren.

Wer sich darauf einlässt, dieses Ehrenamt zu übernehmen, muss aus besonderem Holz geschnitzt sein – gerade in Zeiten permanenter Dauerempörung über alles und jeden. „Schlichten statt richten“ lautet der Wahlspruch – besser kann man es nicht auf den Punkt bringen, womit lebenserfahrene Menschen versuchen, Streitende wieder miteinander ins Gespräch zu bringen – bevor es vor Gericht geht und für Betroffene teuer wird sowie auch im Justizapparat und beim Staat Kosten erzeugt, Personal blockt.

Wenn sich ein Streit über „Du dumme Gans“ oder „Hornochse“ hochschaukelt, sind beim Schlichter Menschenkenntnis und ein tatsächlich gesunder Menschenverstand gefragt – Menschen, die darüber verfügen, haben sich jetzt zur Jahreshauptversammlung der als Verein organisierten Schiedsleute-Vereinigung in Oer-Erkenschwick getroffen. Um das Pferd ausnahmsweise von hinten aufzuzäumen: Ganz am Ende des öffentlichen Teiles stand die Entscheidung, aus organisatorischen Gründen auf Verbandsebene die lokale Namensgebung zu aktualisieren. Nun also firmiert man unter „Bezirksvereinigung der Schiedspersonen im Vest Recklinghausen“. Die Arbeit bleibt dieselbe und auch an der Vorstandsspitze gibt es keine Änderung.

Kontinuität in der Vorstandsarbeit

Der Recklinghäuser Marc Stallony ist als Vorsitzender ebenso wiedergewählt worden wie seine Stellvertreterin Monika Dinter (Waltrop), Geschäftsführer Hartmut Spanka (Herten) oder Schriftführerin Mechthild Kudla (Oer-Erkenschwick). Birgit Hagemeister (Dorsten) hat das Amt der Schatzmeisterin von Brigitte Droste übernommen.

Dass die von den Stadträten bestimmten Schiedsleute in ihren Städten hohes offizielles Ansehen genießen, machten Marls stellvertretender Bürgermeister Axel Großer, Bürgermeister Tobias Stockhoff aus Dorsten und Axel Petersmeier, Fachbereichsleiter Bürger- und Ordnungsangelegenheiten der Stadt Recklinghausen, deutlich. „Ihre Arbeit entlastet am Ende ja auch die Städte – wenn bei einem Streit erst einmal eine Bauordnung und Gerichte ins Spiel kommen, wird ja gleich ein großes Rad gedreht“, lobte Stockhoff.

Recklinghausens Fachbereichsleiter Petersmeier weiß als Ordnungsamtschef aus der Praxis nur zu gut, wie schnell sich zwischenmenschliche Spannungen hochschaukeln können. „Es ist schwierig, verkrustete Strukturen nach einem jahrelangen Nachbarschaftsstreit aufzubrechen, in verfahrenen Streitfällen zu vermitteln. Das ist ein aufreibendes Geschäft, ihre Arbeit verdient höchste Anerkennung.“

Für die Schiedsleute selbst ist es eine Anerkennung, dass die Menschen zu ihnen kommen, Vertrauen haben – und zwar Jahr für Jahr. „Die Zahl der Anträge ist stabil“, lautet Stallonys Fazit.

Geschäftsführer Hartmut Spanka ist der Herr der Zahlen in der Bezirksvereinigung, liefert Details. Es geht um die Städte Recklinghausen, Datteln, Waltrop, Oer-Erkenschwick, Herten, Marl, Haltern, Dorsten: Demnach sind im Geschäftsjahr 2018/2019 je Schiedsamtsbezirk durchschnittlich 8,9 Anträge von Bürgern eingegangen. Wichtig ist auch die Quote, wie oft vor einer Schiedsfrau oder einem Schiedsmann tatsächlich beide Parteien erscheinen – ein Fingerzeig dafür, wie erfolgreich die „Überzeugungsarbeit“ im Vorfeld gelaufen ist, dass sich eine Schlichtung für alle Beteiligten lohnt. Im Schnitt sind beide Parteien in 74,9 Prozent der Fälle aufgetaucht.

Und quasi die „Königsdisziplin“ ist die Schlichtungsquote: Bereinigt um die Fälle, in denen dann nur eine Partei zum Gespräch gekommen ist, konnte in 61,7 Prozent der Fälle eine Einigung erzielt werden. „Das ist richtig gut“, sagt Spanka, „da kommt ein Gericht oder eine Mediation nicht so schnell heran.“

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