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Der mutmaßlich misshandelte Säugling liegt im Westfälischen Kinderzentrum an der Humboldtstraße.

Schlimmer Verdacht

Ärzte retten Säugling - zuvor Misshandlung?

DORTMUND - Ein zehn Wochen alter Säugling liegt mit schwersten Gehirnverletzungen auf der Kinderintensivstation des Klinikums. Der Junge soll misshandelt worden sein. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln.

Die Eltern waren es, die das apathisch wirkende Baby am 27. Oktober nach einem "Fall in die Badewanne" in die Kinderklinik an der Humboldtstraße eingeliefert hatten.

Laut Staatsanwalt Henner Kruse waren sie wegen der lebensbedrohlichen Ausfallerscheinungen "einer Empfehlung" gefolgt – wer Vater und Mutter diesen Hinweis gegeben hatte, wollte der Staatsanwalt nicht sagen.

Nahrungsaufnahme eingestellt

Fest steht: Dieser Rat rettete dem kleinen Jungen das Leben. Als Folge der Gehirnschäden hatte der kleine Körper die Nahrungsaufnahme eingestellt. Äußerlich waren die Anzeichen einer Misshandlung nicht zu erkennen – erst eingehende medizinische Untersuchungen ließen keine Zweifel offen: Die bei Kindern typische Form der Einblutungen im Gehirn erhärteten den Misshandlungsverdacht, weshalb Polizei und Jugendamt eingeschaltet wurden.

Eltern besuchen Kind nicht

Die Eltern des Kindes waren für die Polizei tagelang unauffindbar und hatten das in Lebensgefahr schwebende Baby auch nicht besucht. Mutterliebe versuchen in solchen Fällen so weit wie möglich die Krankenschwestern zu vermitteln.

Auch Daniela Feistel versorgt im Westfälischen Kinderzentrum an der Humboldtstraße die Säuglinge, die im Inkubator liegen. "Alle Kinder bekommen bei uns die gleiche Portion Liebe. Wenn die Eltern nicht kommen, fragt man sich, warum das so ist."

Vorher kein Verdacht

Vorladungen zur Polizei ignorierten Vater und Mutter. Die Mutter hat einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Das Jugendamt kannte die Familie seit geraumer Zeit. "Hinweise auf Gewalt oder einen Missbrauch hat es aber nicht gegeben", betont Stadt-Pressesprecherin Anke Widow, "wir waren aus einem ganz anderen Grund in der Familie."

Das Jugendamt muss genau prüfen, wo der Säugling am besten aufgehoben ist, wenn er das Klinikum verlassen kann. Entscheiden muss ein Familiengericht, wenn das Amt einen Sorgerechtsentzug empfiehlt.

Massive Gehirnschäden wie im vorliegenden Fall können drastische Folgen mit schweren Behinderungen nach sich ziehen. Staatsanwalt Kruse: "Die neurologischen Folgen sind nicht absehbar."

  1. Mehr zu diesem Thema in der Mittwochsausgabe der Dortmunder Ruhr Nachrichten

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