Schonfrist für Bosz

BVB nach 4:4 gegen Schalke im Schockzustand

DORTMUND - Das 4:4 im Revierderby nach 4:0-Führung sorgt für einen denkwürdigen Nachmittag und versetzt Borussia Dortmund in Schockstarre. Trainer Peter Bosz erhält nach dem Offenbarungseid eine Gnadenfrist.

Auf der Tribüne entlädt sich der Frust in unterschiedlichen Ausprägungen- alle gelenkt von der gleichen Motivationslage: Nach einem Jahrhundert-Derby mit zwei völlig irren Spielhälften entführt Schalke 04 trotz eines 0:4 zur Pause noch einen Punkt aus dem Signal Iduna Park. Auf dem Rasen herrscht Ausnahmezustand, Ausnahmezustand auch auf den Rängen, in der Dortmunder Ecke, in der Schalker, wo auch Aufichtsratschef Clemens Tönnies ausflippt, sowieso.

Mannschaft zerfällt in ihre Einzelteile

Als sich Borussia Dortmunds Spieler- in respektabler Entfernung- vor ihren Fans auf der "Süd" aufbauen, schlägt ihnen von dort Feindseligkeit, blanke Wut und auch Hass entgegen. Es gibt ein gellendes Pfeifkonzert, es fliegen gefüllte Bierbecher. Auf der Osttribüne sieht man einen Fan, der sich das Trikot auszieht, es zusammenknüllt und wegwirft. Die Fassungslosigkeit über das, was sich da in 97 Minuten abgespielt hat, ist förmlich zu greifen.

Es folgt eine schlaflose Nacht. Für die Mannschaft, die furiose erste 45 Minuten spielt, nach der Pause aber in sich zusammenfällt und in ihre Einzelteile zerbricht. Für den Trainer, der machtlos mit ansehen muss, wie das Drama seinen Lauf nimmt. Und für die BVB-Bosse, die mehrere Stunden lang die Konsequenzen diskutieren.

Vernehmbare Pfiffe und Buh-Rufe

Sonntagmorgen, Westfalenhalle 3b: Borussia Dortmund lädt zur Mitgliederversammlung. Der Termin steht seit Monaten fest. Unglücklicher hätte das Zusammentreffen allerdings kaum sein können. Präsident Dr. Reinhard Rauball hat zunächst das Wort, er erwähnt das 4:4 mit keinem Wort.

Als die Mannschaft während der Abteilungs-Berichte eintrifft, mischen sich in den Applaus, den es auch gibt, deutlich vernehmbare Pfiffe und Buh-Rufe. Die Atmosphäre ist angespannt, man hätte es allerdings auch noch deutlich schlimmer erwarten können.

Jeden Stein umdrehen

Alles wartet auf die Rede von Hans-Joachim Watzke. Er habe sich "beschissen" gefühlt nach dem Spiel, sagt der 57-Jährige dann. "Genauso wie Ihr alle!" Dortmunds Geschäftsführer ist ein geschickter Redner. Das 4:4 sei innerhalb von 90 Minuten ein Abbild der zwölf Spieltage zuvor gewesen.

Er weist darauf hin, dass sich nur drei Punkte weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres auf dem BVB-Konto befinden. "Aber so lange wir nicht auf einem Champions-League-Platz stehen, ist nichts gut!" Watzke zieht die meisten Fans auf seine Seite, als er direkt Bosz und seine Spieler anspricht. "Ich habe eine klare Erwatzung an Dich, Peter", sagt er in Richtung des umstrittenen Trainers. "Dass ihr alles auf den Prüfstand stellt, jeden Stein umdreht. Wir müssen ganz schnell in die Erfolgsspur kommen. Dabei darf es keine Denkverbote geben." Die Qualifikation für die Champions League, "sie steht über allem!" Watzkes Worte sind mehr Ultimatum als Rückendeckung. Bosz weiß das.

Fährmann entschuldigt sich

Die explosive Stimmung vor der "Süd" nach dem Abpfiff wird auch von Schalke-Keeper Ralf Fährmann befeuert. Der macht eine unnötige Geste in Richtung Dortmunder Fans, die nur mit Mühe von einem Platzsturm abgehalten werden können. Fährmann entschuldigt sich dafür später mit ehrlichen Worten.

Es war in jeder Hinsicht ein außergewöhnliches Derby, das trotz des 4:4 am Ende einen gefühlten Sieger und einen Verlierer hat. Und einen Dortmunder Trainer, der mehr denn je um seinen Job bangen muss.

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