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ARCHIV - 26.06.2012, Baden-Württemberg, Stuttgart: ILLUSTRATION - Eine ältere Frau zählt Geld. Die Zinsflaute geht an die Substanz mancher Pensionskassen. Mehrere Einrichtungen sind in Turbulenzen geraten. Versicherten drohen Kürzungen der Betriebsrenten. (zu dpa "Pensionskassen unter Druck - Aufsicht greift ein") Foto: Marijan Murat/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit

Schuldnerberatung

Senioren in der Schuldenfalle

DATTELN - Die Zahl verschuldeter Rentnern ist überproportional gestiegen. Die Schuldnerberatung Datteln warnt davor bereits seit zwei Jahren.

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform hatte kürzlich in ihrem „Schuldneratlas 2018“ verlauten lassen, dass gerade die Verschuldung alter Menschen überproportional angestiegen sei. Allein bei den über 70-jährigen Senioren stieg die Zahl deutschlandweit um 35 Prozent an. Für das Team der AWO Schuldnerberatung Datteln ist das kein neues Phänomen.

„Wir haben das schon vor zwei Jahren angesprochen“, wundert sich Beate Bösken im Gespräch, „Wir waren schon überrascht, dass wir damals die Einzigen waren, die zu dieser Erkenntnis kamen.“ Seit einem Jahr bietet die Schuldnerberatung daher ein spezielles Beratungsprogramm für Senioren an.

Der Weg zur Verschuldung

„Der Weg in die Verschuldung ist oftmals ein schleichender Prozess“, erklärt ihre Kollegin Barbett Lorig. „Im Gegensatz zu früher macht die Miete in etwa die Hälfte der monatlichen Kosten der Menschen aus. Und vom Rest, der oftmals eh nicht gerade hohen Rente, müssen dann sämtliche sonst noch anfallenden Kosten getragen werden.“ Dann folgten oftmals hohe Energiekosten und andere Posten. „Wenn dann mal etwas Unvorhergesehenes passiert, wird es eng“, beschreibt Beate Bösken die Situation vieler Senioren. Die Hemmschwelle, sich Hilfe zu holen, sei gerade bei älteren Menschen extrem hoch. „Das Leben nicht mehr allein meistern zu können, ist für viele ältere Menschen sehr beschämend“, erklärt Barbett Lorig. „Bevor sie sich auf den Weg zu uns machen, muss der Leidensdruck oftmals erst sehr hoch sein.“

Dabei könnten viele Probleme durch Präventivangebote der Schuldnerberatung geregelt werden. Denn es gibt einige existenzsichernde Maßnahmen, von denen die Senioren nur selten etwas wissen. „Viele wissen zum Beispiel nicht, dass ihr Erspartes geschützt werden kann“, erläutert Barbett Lorig. „Je frühzeitiger man sich bei uns meldet, desto mehr können wir retten.“ Den Senioren sei es vor allem unangenehm, sich und womöglich auch ihren Familien eingestehen zu müssen, dass sie sich in existenzieller Not befinden. „Sie haben einfach Angst, dass es publik werden könnte, dass sie Schulden haben“, erläutert Barbett Lorig die Zurückhaltung der Betroffenen. „Sie wollen ihre Familien nicht mit ihren Sorgen belasten.“ Beate Bösken ergänzt: „Sie schämen sich schlichtweg.“

Ratenzahlung oft ein Grund

Besorgniserregende Zahlen: - Bereits zum fünften Mal in Folge ist die Zahl überschuldeter Menschen in Deutschland gestiegen. - Sieben Millionen Menschen sind derzeit nicht mehr in der Lage, ihre Rechnungen zu bezahlen. - Risikofaktor Nummer eins stellen die Mietkosten dar. - Besonders betroffen sind Menschen mit niedrigen Einkommen, wie zum Beispiel Alleinerziehende, Studenten, Senioren oder Familien. - Im Durchschnitt beträgt die Schuldenlast 30.000 Euro. - 360 Menschen werden derzeit durch die Dattelner Schuldnerberatung betreut. - Auffällig hoch ist die Anzahl der Betroffenen über 70 Jahre.

Die Wege in die Schuldenfalle sind vielfältig. „Mittlerweile wird ja für nahezu alles Ratenzahlung angeboten“, so Barbett Lorig. „Nicht rechtzeitig gezahlte Raten ziehen dann oftmals hohe Mahngebühren nach sich, welche die Budgetplanung vieler Menschen durcheinanderbringt.“ Wenn dann noch Inkassounternehmen auf den Plan treten, geraten die Dinge nicht selten völlig aus den Fugen. „Ältere Menschen neigen dazu, dem Druck, der auf sie ausgeübt wird, nachzugeben“, so Beate Bösken. „Die Betroffenen zahlen dann oftmals sogenannte Angstraten.“ Aber auch hier bietet die Schuldnerberatung Hilfe an. „Es gibt auch eine Meldestelle für unseriöse Inkassounternehmen. Man ist also nicht völlig wehrlos in dieser Situation“, so Barbett Lohrig. Die fast schon inflationäre Vergabe von Kreditkarten sei auch ein großes Problem, berichten die Beraterinnen. „Die Karten verleiten einfach sehr dazu, schnell Geld auszugeben. Was natürlich auch so gewollt ist“, so Beate Bösken. Präventiv bietet die Schuldnerberatung daher auch Budget-Beratungen an. „Wir setzen uns dann mit den Kunden hier zusammen und erstellen einen Plan, der sie davor schützt überhaupt erst in eine finanzielle Notsituation zu geraten“, beschreibt Lorig das Vorgehen. „Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe und formulieren gemeinsam mit den Hilfesuchenden kleine Arbeitsschritte.“

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