Schwurgericht Dortmund

Nicole Schalla: Mutmaßlicher Mörder sieht sich als Opfer verunreinigter DNA-Beweise

CASTROP-RAUXEL - Der Angeklagte im Schalla-Prozess behauptet, anatomisch gar nicht in der Lage zu sein, einen Menschen zu würgen. Die Nebenanklage glaubt das nicht - und kann auch Beweise vorlegen.

Mit der erneuten Vernehmung einer Spuren-Sachverständigen ist am Donnerstag am Dortmunder Schwurgericht der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Dortmunder Schülerin Nicole-Denise Schalla fortgesetzt worden. Auch diese Expertin stützte mit Blick auf einen zuletzt gefundenen, zweiten DNA-Treffer mit Spuren von Ralf H. an einer Hautfolie, die am Leistenbereich der Leiche abgeklebt worden war, die These von einem Belastungs-Effekt.

"Jede weitere Spur erhöht die Wahrscheinlichkeit"

"Jede weitere Spur, die man findet, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich ein direkter Transfer stattgefunden hat", erklärte Prof. Dr. Micaela Poetsch. Ganz ähnlich hatte sich an einem der vorherigen Sitzungstage bereits DNA-Analyse-Expertin Dr. Katja Anslinger geäußert.

Beide Sachverständige erklärten jedoch auch, dass ein anderweitiger DNA-Transfer ("Sekundärübertragung") grundsätzlich denkbar sei. "Ausschließen kann man das nicht", sagte auch Dr. Micaela Poetsch.

Wie berichtet, hatte sich die Beweislage gegen den Angeklagten durch eine neue, nachträgliche DNA-Untersuchung (durch Auskratzungen von einer Folie) zuletzt zugespitzt.

Verunreinigte DNA-Spuren

Ralf H. und seine Verteidiger klammerten sich erneut an die These, der Angeklagte sei kein Mörder - sondern Opfer von verunreinigten DNA-Spuren.

Immerhin steht mittlerweile fest, dass sich bei der nachträglichen DNA-Untersuchung zwei weitere Hinweise auf männliche Spurenleger ergeben haben. Diese konnten jedoch inzwischen als Mitarbeiter des Polizeipräsidiums Dortmund sowie des Landeskriminalamtes NRW identifiziert werden. "Wir wollen wissen, warum es zu diesen Kontaminationen kommen konnte", sagte Verteidiger Christian Dreier.

Angeklagter will nicht würgen können

Außerdem verwies die Verteidigung erneut auf eine vermeintlich bei Ralf H. vorliegende, anatomische Unmöglichkeit, zu Würgen. Aufgrund zweier Daumenbrüche in den Jahren 1978 und 1980 sei Ralf H. ("Ich kann nicht der Täter sein") später nicht einmal mehr in der Lage gewesen "Teig zu kneten", habe deshalb 1997 seine Bäckerlehre abbrechen müssen.

Nebenklageanwältin Arabella Pooth nahm dieser Unschuldslamm-Version jedoch sofort den Wind aus den Segeln. Schließlich sei in einem Urteil des Landgerichts Bochum ausdrückliche festgehalten, dass Ralf H. im Jahr 1987 eine Frau gewürgt habe. Arabella Pooth: "Und das war ja offensichtlich nach den Daumen-Operationen."

Die Richter haben drei neue Verhandlungstage bis zum 3. Juni anberaumt. Am 11. Mai soll sogar an einem Samstag verhandelt werden. Richter Peter Windgätter: "Alle Termine sind bindend. Es geht nicht anders."

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