Schwurgericht

Lebenslange Haft für Mord an 66-jährigem Rentner aus Bövinghausen

Ein Rentner aus Bövinghausen wurde brutal erstochen, weil er seinem betrunkenen Nachbarn nicht sein Auto leihen wollte. Am Freitag hat das Schwurgericht den Täter verurteilt.

Lebenslange Haft plus anschließende Unterbringung in der Sicherungsverwahrung: Wenn der heute 40 Jahre alte Angeklagte überhaupt noch einmal in Freiheit kommen sollte, wird er ein alter Mann sein.

Unmittelbar vor der Urteilsberatung hatte er noch einmal versucht, die Richter von seiner Notwehr-Version zu überzeugen. Ohne Erfolg. "Wenn das ein Mord gewesen wäre, würde ich hier auch dazu stehen", sagte der Angeklagte. Doch das sahen die Richter anders.

Zeugen schildern Rentner als friedfertig

Sie glauben nicht, dass der Rentner am Morgen des 4. Juni 2018 als Erster zum Messer griff und dann den Angeklagten attackierte. Mehrere Zeugen hatten den 66-Jährigen im Prozess als ruhigen und liebevollen Menschen geschildert, der niemals grundlos einem anderen etwas antun würde.

Eines hatten die Zeugen jedoch auch ausgesagt: Sein Auto ging dem Rentner über alles. Er hätte das gute Stück, das er sich selbst zum Eintritt in die Rente gegönnt hatte, niemals verliehen.

Genau das dürfte jedoch die Absicht des 40-Jährigen gewesen sein. Nachdem ihn seine Lebensgefährtin kurz und knapp ihre Absicht zur Trennung mitgeteilt hatte, hatte der Mann sich in den Kopf gesetzt, die Frau unbedingt noch einmal aufsuchen zu müssen. Dazu aber brauchte er ein Auto. Und nur der Rentner aus der Nachbarschaft hatte eins.

Streit eskalierte

"Wir gehen davon aus, dass es zu einem Streit kam, in dessen Verlauf der Angeklagte dann ein Messer ergriff und mehrmals zustach", sagte der Vorsitzende Richter Peter Windgätter in der Urteilsbegründung. Das Opfer hatte es zwar noch geschafft, einen Notruf abzusetzen. Im Krankenhaus war der Rentner dann aber an seinen schweren inneren Verletzungen verstorben.

Der Angeklagte war noch am selben Tag von der Polizei festgenommen worden. Nach den Messerstichen hatte er tatsächlich das Auto des Rentners genommen und war damit zunächst zu einer Bekannten gefahren. "Ich habe Mist gebaut", sagte er der Frau - und bat diese, seine blutverschmierte Hose zu waschen.

Auch Alkoholtherapie angeordnet

Nach dem Urteil wird der Angeklagte nun zunächst viele Jahre in einem Gefängnis verbringen. Dann soll sich eine Alkoholtherapie anschließen, die das Gericht außerdem anordnete. Und wenn eigentlich der Zeitpunkt gekommen wäre, ihn auf Bewährung wieder in die Freiheit zu entlassen, greift die Anordnung der Unterbringung in der Sicherungsverwahrung.

In das Urteil sind auch ein früherer Angriff auf seine Freundin und ein Verkehrsunfall eingeflossen.

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