Sexuelle Belästigung

Anzeigen gegen Grapscher nehmen in Dortmund zu

Dortmund - Seit den Übergriffen an Silvester 2015 in Köln und durch eine höhere Sensibilisierung werden in Dortmund mehr Fälle von sexueller Belästigung angezeigt. 2017 gab es 25 Prozent mehr Anzeigen wegen Sexualdelikten. Eine Zahl ist dagegen gesunken.

Die Polizei fasst Sexualdelikte in der Statistik als "Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung" zusammen: 630 dieser Straftaten wurden 2017 angezeigt, 25 Prozent mehr als 2016 (501).

Zu der Oberkategorie zählt die Polizei jedoch viele Delikte: etwa Vergewaltigungen, sexuelle Nötigungen, sexuellen Missbrauch von Kindern, Zuhälterei, Besitz von Kinderpornografie.

Gestiegene Bereitschaft zur Anzeige

Ein "Faktor", der das deutliche Plus bei den Anzeigen mit erzeugt habe, ist laut Polizeisprecher Kim Freigang die gestiegene Bereitschaft, bei sexueller Belästigung Anzeige zu erstatten. Es geht hier vor allem um Fälle, bei denen Männer Frauen ungewollt etwa an den Po oder die Brust fassen.

In der Kriminalitätsstatistik für 2017, die die Polizei Anfang März veröffentlicht, werden diese Taten dem Ende 2016 neu in Kraft getretenen Paragraph 184i im Strafgesetzbuch ("Sexuelle Belästigung") zugeordnet. 134 angezeigte Straftaten rechnet die Polizei aus 2017 dem §184i zu. "Die Schwelle, Anzeige zu erstatten, ist deutlich gesunken - und das ist auch gut so", sagt Polizeisprecher Freigang.

Die Polizei führe das auch auf die Diskussion seit der Kölner Silvesternacht und auf die #MeToo-Sexismus-Debatte zurück; zudem auf Präventionsarbeit unter anderem in Schulen.

Viele Delikte im Privaten

Zurückgegangen ist die Zahl der überfallartigen Vergewaltigungen im öffentlichen Raum: Fünf Delikte wurden 2017 angezeigt (2016: sechs), 2011 waren es noch 26.

Nach wie vor kommt es laut Polizei zu den meisten sexuellen Straftaten im privaten Umfeld und in Beziehungen. In diesem Zusammenhang weist Freigang auf die noch wenig genutzte Möglichkeit der sogenannten Anonymisierten Spurensicherung nach einem sexuellen Übergriff hin.

Wenn Opfer eines solchen Übergriffs unsicher sind, ob sie Anzeige erstatten sollen, können sie die Anonymisierte Spurensicherung in Anspruch nehmen - um Beweise für eine spätere Anzeige zu haben. Wer die Anonymisierte Spurensicherung nutzen möchte, wendet sich allerdings nicht an die Polizei: Denn diese ist ja für die Strafverfolgung zuständig und müsste direkt ermitteln.

Anonymisierte Spurensicherung in Dortmunds Nachbarstädten

Opfer eines Übergriffs finden Ansprechpartner bei der Frauenberatungsstelle Dortmund. Diese verweist an einige Krankenhäuser in Dortmunds Nachbarstädten, wo man eine Anonymisierte Spurensicherung vornehmen lassen kann. In Dortmund selbst ist das nicht möglich.

In den entsprechenden Krankenhäusern, etwa im Evangelischen Krankenhaus Castrop-Rauxel, werden die gesicherten Spuren nach der Untersuchung anonym gelagert. Die Polizei erfährt von der Untersuchung nichts, wenn keine Strafanzeige erstattet wird. Entscheiden sich Betroffene später doch noch zu einer Anzeige, können die Spuren als wichtiges Beweismittel dienen.

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