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Zum Themendienst-Interview von Sophie Rohrmeier vom 3. März 2015: Eine unangenehme Berührung oder ein Blick: Übergriffe passieren häufig nebenbei und wirken wie zufällig. (Archivbild vom 08.09.2010/Die Veröffentlichung ist für dpa-Themendienst-Bezieher honorarfrei.) Foto: Jens Kalaene | Verwendung weltweit

Sexuelle Belästigung

Codewort "Luisa": So wehren sich Frauen gegen sexuelle Belästigung

KREIS RE - Wird beim Ausgehen in Kneipe und Co. etwas getrunken, landet schnell mal die Hand am Po, folgt ein anzüglicher Blick oder ein Spruch, kurz: werden Frauen sexuell unangenehm bedrängt. Die „Luisa“-Kampagne soll sichere Abhilfe schaffen. Sie ist bisher nur in Recklinghausen angekommen.

Magnus Grimm, Betriebsleiter vom Recklinghäuser Ratskeller, hat diesbezüglich schon einiges erlebt. Leider auch, dass die Betroffenen sich oft schämen und die überwiegend männliche Security nicht um Hilfe bitten mögen. Aber: Grimm nutzt inzwischen eine gute Alternative: „Wir arbeiten an der Theke vor allem im Clubbereich mit Mädchen, die im gleichen Alter sind wie unsere weiblichen Gäste.“ Das schaffe bereits erstes Vertrauen. Und: „Sie sind alle geschult.“ Geschult auf einen mittlerweile bundesweit bekannten Codesatz, der da lautet: „Ist Luisa hier?“ Wer ihn benutzt, dem soll schnelle und diskrete Hilfe gewährt werden – ohne Aufsehen zu erregen oder sich rechtfertigen zu müssen.

Der Frauennotruf in Münster startete Ende 2016 nach erschreckenden Umfrageergebnissen aus 2015 die „Luisa“-Kampagne. Rund 75 Prozent der befragten Frauen hatten demnach innerhalb eines Jahres Belästigungserfahrungen gemacht, davon am häufigsten auf der Straße, dicht gefolgt von der Partyszene. Damit sie sicherer feiern können, hat der Frauennotruf Münster das Projekt nach dem englischen Vorbild „Hi, I am Angela“ hierzulande ins Leben gerufen.

Freilich sei der Vorname Angela in Deutschland durch die Bundeskanzlerin belegt, deshalb wurde er durch „Luisa“ ersetzt. Der Vorteil: „Luisa“ ist ein bekannter Name, der leicht zu merken ist und auch im lauten Partygetümmel gut verstanden wird. Nebenbei bedeutet er auch „starke Kämpferin“, was laut Lea Goetz von der Münsteraner Beratungsstelle allerdings erst im Nachhinein aufgefallen sei. Gegen eine einmalige Schutzgebühr in Höhe von 100 Euro und zur Kostendeckung können Städte nun in der Münsteraner Koordinierungsstelle das sogenannte Corporate Design zum Ausdrucken der himmelblauen Plakate samt Handlungsleitfaden beziehen.

In der Regel übernehmen Frauenberatungsstellen oder Gleichstellungsbeauftragte dann die Verbreitung in ihrem Gebiet. Inzwischen ist „Luisa“ so in mehr als 50 Städten in ganz Deutschland sowie in fünf weiteren Städten in der Schweiz und in Österreich angekommen; auch in Recklinghausen.

Neben Magnus Grimm war Uwe Suberg, Vorsitzender der Wirtevereinigung DEHOGA Recklinghausen und Betreiber von Eckstein, Boente und der Gastronomie im Ruhrfestspielhaus, einer der ersten, die die für die Gastronomen kostenlosen Plakate orderte. Aufgehängt werden sie in der Regel gut sichtbar im ersten Rückzugsort der Frauen – den Damentoiletten. „Gerade bei den Großveranstaltungen wie den ü30-Partys und den Tanzveranstaltungen bei Boente haben wir einen sehr hohen Frauenanteil und der soll sich bei uns sicher fühlen“, sagt Suberg.

„Das Thema soll enttabuisiert werden“

Zwar sei bei ihm auch der Wachschutz in Sachen „Luisa“ geschult, der Charme der Kampagne liege aber darin, dass die Frauen, ohne sich groß erklären zu müssen, beim Thekenpersonal unauffällig schnelle und diskrete Hilfe bekämen. Das bestätigt auch Lore Messarosch von der Recklinghäuser Frauenberatung: „Die Mitarbeiter bringen die Betroffenen in einen ruhigen Raum, rufen ein Taxi, informieren Freunde oder Begleiter oder benachrichtigen auf Wunsch auch die Polizei.“

Nachgehalten werde die Nachfrage nach Luisa nicht, den Recklinghäuser Gastronomen ist auch kein konkreter Fall bekannt. Darum geht es laut Suberg auch nicht: „In erster Linie soll das Thema der sexuellen Belästigung enttabuisiert werden.“ Genau aus dem Grund macht in Recklinghausen sogar das Kino „Cineworld“ mit. Weitere Partner sind „Biermanns im Caspers“, „Café Helene“, „Drübbelken“, der Stadthafen, „The Italian“ und „Zur Börse“.

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