Sexueller Missbrauch in der Kirche

Genn: "Als Priester stehen wir jetzt unter Generalverdacht"

Münster - Nach zahlreichen Fällen sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche sieht der Bischof von Münster, Felix Genn, großes Misstrauen gegenüber Priestern.

"Als Priester müssen wir und muss auch ich damit leben, dass wir derzeit bei vielen unter Generalverdacht stehen", sagte Genn der "Rheinischen Post" (Donnerstag). Das Bild, dass viele Menschen von Priestern hätten, sei: "Die sind doch alle sexuell verklemmt, unreif und missbrauchen kleine Kinder." Der Bischof betonte: "Dem müssen wir uns stellen und durch Haltung und Handlung deutlich machen, dass man der überwältigenden Zahl von Priestern vertrauen kann." Das bedeute keine Relativierung der "schändlichen Verbrechen".

Auf die Frage der Zeitung, ob er die Hoffnung habe, dass Missbrauchsfälle die katholische Kirche "je verlassen werden", sagte Genn: "Ich habe die Sorge, dass uns das immer weiter begleiten wird, in Kirche und Gesellschaft." Präventionsmaßnahmen sollten schon in der Priesterausbildung ansetzen, es brauche zudem institutionelle Schutzkonzepte. Und, weil sexueller Missbrauch auch immer ein Missbrauch von Macht sei, "müssen wir die Macht in der Kirche neu verteilen".

Die katholische Kirche hatte im September eine Studie zu sexuellem Missbrauch vorgestellt: Zwischen 1946 und 2014 sollen mindestens 1670 katholische Kleriker 3677 Minderjährige missbraucht haben. Im Bistum Münster fanden sich bei 138 Klerikern Hinweise auf Beschuldigungen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger. Die Staatsanwaltschaft Münster prüft, ob Verfahren eingeleitet werden.

Bericht Rheinische Post

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