Signal Iduna vor Gericht

Hotel-Investor Jagdfeld fordert eine Milliarde Euro

DORTMUND - An diesem Dienstag geht vor dem Dortmunder Landgericht der Prozess gegen die Signal Iduna weiter: Hotel-Investor Anno August Jagdfeld klagt gegen die Versicherung, fordert eine Milliarde Euro Schadensersatz. Das ist eine riesige Summe - doch um Geld geht es vor Gericht erst einmal überhaupt nicht.

Anno August Jagdfeld gegen die Signal-Iduna-Versicherung: Dieser Prozess vor dem Dortmunder Landgericht ist nicht neu - er wird lediglich fortgesetzt. Sechs Prozesstage sind diese und nächste Woche angesetzt, jeweils von Dienstag bis Donnerstag. Die Klage hatte Jagdfeld bereits Ende 2014 eingereicht, im Dezember 2016 gab es den Prozessauftakt.

Fonds finanzierte Wiederaufbau des Adlon-Hotels in Berlin

Darum geht?s: Der Immobilienunternehmer Anno August Jagdfeld, inzwischen 71, hatte einst einen Fonds aufgelegt, der den Wiederaufbau des berühmten Adlon-Hotels in Berlin finanziert hat und der auch dessen Eigentümer ist. An dem Fonds hatte sich neben vielen Kleinanlegern auch die Signal Iduna (mit fünf Millionen Euro) beteiligt.

Weil der Fonds nicht das ausschüttete, was die Anleger sich erhofft hatten, gründete sich 2009 eine "Schutzgemeinschaft der Adlon-Anleger", der auch Signal Iduna angehörte. Rechtsanwalt der Schutzgemeinschaft war der inzwischen verstorbene Thomas Fritsch, der rufschädigende Äußerungen über Jagdfeld verbreitet haben soll. Jagdfeld sieht dahinter eine von der Signal Iduna initiierte Rufmordkampagne gegen sich. 2011 reichte Fritsch im Auftrag der Signal Iduna eine Strafanzeige gegen Jagdfeld wegen Untreue ein; sie wurde abgewiesen.

Weil die angebliche Kampagne ihm und seinen Projekten geschadet habe und bis heute schade, fordert Jagdfeld Schadensersatz. Bislang war von 536 Millionen Euro die Rede gewesen; nun haben die Jagdfeld-Anwälte durchblicken lassen, dass ihr Mandant eine Milliarde Euro von der Signal Iduna fordert.

Summe der Schadensersatzforderung ist erst mal kein Thema

Diese bestreitet die Vorwürfe von Anfang an vehement. Sprecher Edzard Bennmann teilte am Montag mit: "Fakt ist: Niemand bei der Signal Iduna hat sich je negativ zu Herrn Jagdfeld geäußert."

Bezüglich der Summe stellt Bennmann klar: "In diesem Prozess wird nicht über eine Geldsumme gestritten. Gegenstand des Verfahrens vor dem Landgericht ist lediglich, ob Herr Jagdfeld überhaupt Anrecht auf Schadenersatz haben könnte. Schon im Dezember 2016 hat das Gericht zu erkennen gegeben, dass es bereits diese Klage abweisen würde."

Nur wenn das Gericht der sogenannten Feststellungsklage von Jagdfeld folgen würde, ginge es in einem möglichen weiteren Verfahren um die Höhe des Schadens. Dann müsste Jagdfeld aber genau beweisen, wie ihm eine Milliarde Euro an Schaden entstanden ist.

Signal-Iduna-Vorstände sagen vor dem Landgericht aus

Beim Prozessauftakt im Dezember 2016 machten die Richter deutlich, dass die Signal Iduna sich die Äußerungen des Anwalts nicht zurechnen lassen müsse. Die Richter gaben Jagdfelds Klage nur geringe Erfolgsaussichten. Sie schlugen aber einen Vergleich über 20 Millionen Euro vor - den Signal Iduna ablehnte.

Im Sommer 2017 entschied das Gericht sich für eine umfangreiche Beweisaufnahme Anfang 2018. Diese findet nun statt. Anno August Jagdfeld wird anwesend sein, aussagen werden unter anderem Signal-Iduna-Vorstandsvorsitzender Ulrich Leitermann und weitere aktuelle sowie ehemalige Vorstände, darunter Leitermanns Vorgänger, der heutige Signal-Iduna-Aufsichtsratsvorsitzende Reinhold Schulte.

Dass sich das Gericht um den Vorsitzenden Willi Pawel sechs Tage Zeit für die Beweisaufnahme nimmt, wertet die Kläger-Seite als Zeichen dafür, dass es im Prozess eine Wende geben könnte.

Die Jagdfeld-Anwälte haben nach eigenen Angaben tausende Seiten Prozessakten ausgewertet, Anwalt Dr. Adrian Müller-Helle sagt unter anderem: "Die Signal Iduna verstrickt sich in Widersprüche." So sei etwa deren Angabe, Rechtsanwalt Fritsch sei nur im Zuge der Strafanzeige für die Versicherung tätig gewesen, "unwahr", so Müller-Helle: "Er wurde mehrfach mandatiert."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Entlassener Trainer Tedesco unterschreibt bei neuem Verein: Warum sich Schalke darüber freut
Entlassener Trainer Tedesco unterschreibt bei neuem Verein: Warum sich Schalke darüber freut
Salto-Soltane: Erst Traum-Tor aus 25 Metern, dann klasse Haltungsnoten beim Jubel 
Salto-Soltane: Erst Traum-Tor aus 25 Metern, dann klasse Haltungsnoten beim Jubel 
Gewaltsam erstickt: Frau wurde schon vor dem Brand in Datteln Opfer eines Tötungsdelikts
Gewaltsam erstickt: Frau wurde schon vor dem Brand in Datteln Opfer eines Tötungsdelikts
Nach Bombendrohung in Köln: Auch München und Bremen betroffen - Täter aus dem rechten Spektrum?
Nach Bombendrohung in Köln: Auch München und Bremen betroffen - Täter aus dem rechten Spektrum?
Erkenschwicker Hobby-Truppe feiert einen klaren Sieg beim Liga-Debüt
Erkenschwicker Hobby-Truppe feiert einen klaren Sieg beim Liga-Debüt

Kommentare