Silvester

Alkohol und Böller: eine gefährliche Kombination

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Kreis RE - Feuerwehr und Rettungskräfte rechnen Silvester mit bis zu 50 Prozent mehr Einsätzen. Am heutigen Freitag (28.12.) beginnt der offizielle Feuerwerksverkauf.

Während viele Menschen dem Feuerwerkspektakel zum Jahreswechsel entgegenfiebern, herrscht bei den Feuerwehren und Rettungsorganisationen im Kreis Recklinghausen Anspannung. Wohnungsbrände, Brandverletzte, Schnapsleichen… „Wir sind auf alles vorbereitet“, sagt Michael Wolters, stellvertretender Leiter der Oer-Erkenschwicker Feuerwehr.

Am heutigen Freitag startet der Verkauf von Knallern und Co. Wer sich im Umgang mit Feuerwerkskörpern fahrlässig verhält oder gegen Bestimmungen verstößt, muss in der Regel für den Schaden haften. Ruth Pettenpohl von der Verbraucherberatung Dorsten rät deshalb, nur zugelassene Artikel zu zünden und sich dabei strikt an die Bedienungsanleitung zu halten. „Zudem dürfen pyrotechnische Gegenstände nicht in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern sowie Kinder- und Seniorenheimen abgebrannt werden“, sagt sie.

Silvester-Einsätze der Rettungskräfte werden oft behindert

Auch Feuerwehrmann Michael Wolters warnt dringend davor, Feuerwerkskörper ohne amtliche Prüfnummer – Stichwort: „Polen-Böller“ – zu zünden. Und das nicht nur wegen der Haftungsfrage, sondern weil man sich auch selbst schwer verletzen kann: Denn es drohen Fehlzündungen, auch die Sprengkraft kann erheblich höher sein als erwartet. Wolters erinnert an das schwere Unglück zum Jahreswechsel 2015/16 im Dattelner Jammertal. Dort war eine Hotelmitarbeiterin durch eine außer Kontrolle geratene illegale Feuerwerksbatterie schwer verletzt worden. 14 weitere Personen erlitten leichtere Blessuren.

Die Feuerwehr im Kreis RE rechnet in der Silvesternacht mit bis zu 50 Prozent mehr Einsätzen als an normalen Tagen. Neben Hecken-, Mülltonnen- und Wohnungsbränden nehme vor allem die Zahl der Rettungsdienstfahrten zu, berichtet Wolters. Übermäßiger Alkoholgenuss und das Hantieren mit Böllern seien halt eine gefährliche Kombination, betont er. Und er gibt zu bedenken: Wer sich ins Koma säuft und deshalb ins Krankenhaus eingeliefert werden muss, bindet Rettungspersonal, das dann nicht so zeitnah zur Verfügung steht, wenn Herzinfarkt- oder Schlaganfallpatienten auf Hilfe warten.

Führt unsachgemäßer Umgang mit Krachern und Raketen zu dauerhaften gesundheitlichen Blessuren, zahlt die private Unfallversicherung. Für Verletzungen anderer Personen kommt hingegen die Privathaftpflicht des Böllerfreundes auf. Fängt das eigene Haus Feuer, springt in aller Regel die Wohngebäudeversicherung ein. Brandschäden an der Inneneinrichtung trägt die Hausratversicherung. Wird ein Auto durch Brand oder Explosion einer Rakete beschädigt, übernimmt die Teilkaskoversicherung des Halters den Schaden.

Die nächtlichen Silvester-Einsätze, so die Erfahrung der Feuerwehr, werden häufig durch fahrlässiges oder auch strafbares Verhalten der Bürger behindert. Feuerwerksbatterien, die mitten auf der Straße gezündet werden und teilweise mehrere Minuten aktiv sind, erschweren das Durchkommen der Einsatzfahrzeuge. Auch Angriffe auf Helfer sind keine Seltenheit. Der Oer-Erkenschwicker Feuerwehr-Vize Michael Wolters hat es selbst erlebt. „Bei einem Einsatz zum Jahreswechsel 1999/2000 wurde unser Feuerwehrwagen mit Raketen beschossen.“ Das zeigt: Attacken auf Rettungskräfte sind kein neues Phänomen.

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