Silvester-Unglück

Verurteilter legt Revision gegen Jammertal-Urteil ein

Dortmund/Datteln - Das folgenschwere Silvesterunglück vor dem Wellnesshotel Jammertal in Datteln beschäftigt demnächst auch den Bundesgerichtshof. Der Gastwirt (51) aus Lütgendortmund hat Revision gegen seine Verurteilung durch das Bochumer Landgericht eingelegt.

Wie berichtet, war der 51-Jährige am 1. Dezember zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Festgelegt wurde außerdem, dass er bis zu 300 Euro pro Monat Schmerzensgeld zahlen sollte. Das Urteil lautete auf vorsätzliches Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und fahrlässige Körperverletzung.

Wie Gerichtssprecher Volker Talarowski am Dienstag auf Anfrage bestätigte, hat der Angeklagte über einen anderen Verteidiger als zuvor im Prozess am letzten Tag der Frist überraschend doch noch Revision eingelegt. Ziel des Rechtsmittels dürfte ein durchgehend auf Fahrlässigkeit basierendes Urteil sein.

Entscheidung frühestens in einigen Monaten

Fakt ist: Damit gehen die Akten im Anschluss an die Fertigstellung des Urteils zum Bundesgerichtshof (BGH) nach Karlsruhe. Dort wird das Urteil vom 4. Senat auf Rechtsfehler überprüft. Eine Entscheidung über die Rechtskraft des Bochumer Urteils fällt frühestens in einigen Monaten.

Der Dortmunder Gastwirt hatte im "Böller-Prozess" am Bochumer Landgericht gleich zu Beginn zugegeben, am 1. Januar 2016 am Rande der Silvesterfeier im Dattelner Wellnesshotel Jammertal eine in Deutschland nicht zugelassene Böller-Batterie gezündet zu haben. Der Dortmunder Gastwirt will die in Deutschland nicht frei verkäufliche Batterie zuvor in seinem Lütgendortmunder Lokal von einem Vertreter gegen vier Portionen Pizza eingetauscht haben.

"Dubiose Umstände" hatten warnen sollen

Weil die Bedienungsanleitung auf deutsch gewesen sei, habe er sich keine weiteren Gedanken gemacht, hatte der Gastwirt im Prozess erklärt. Nach Ansicht der Bochumer Richter hätten aber allein schon die "dubiosen Umstände des Erwerbs" klargemacht, dass es sich nicht um normale Supermarkt-Raketen gehandelt hat. Deshalb wäre der Gastwirt laut Urteil verpflichtet gewesen, weitere Recherchen anzustellen.

Hätte er genau das getan, hätte er auch gewusst, dass die Box in Deutschland nur mit einer besonderen Erlaubnis hätte erworben und gezündet werden dürfen.

Die "Unglücks-Batterie" war damals nach nur drei Schuss umgekippt und hatte Böller in die vor dem Hotel Jammertal stehende Menschenmenge gefeuert. Mindestens 18 Personen waren zum Teil schwer verletzt worden. Einer Kellnerin hatte ein Unterschenkel amputiert werden müssen.

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