Solidarität in Dortmund

Ein Obdachloser sagt Danke für Hilfe gegen die Kälte

Dortmund - Nach dem Start einer Kampagne für Obdachlose hat die Dortmunder Diakonie so viele Kleiderspenden und Geld wie noch nie bekommen. Für den Überlebenskampf auf der Straße sind die Helfer weiter auf Hilfe angewiesen.

Seit 30 Jahren betreut die Krankenschwester Heike Ester bei der Diakonie Dortmunder Obdachlose. Nach einem Hilferuf der Diakonie in lokalen Medien Anfang Dezember erhielt ihre Zentrale Beratungsstelle (ZBS) an der Rolandstraße in so kurzer Zeit so viele Spenden wie nie zuvor. Bürger brachten Schlafsäcke, Decken, Winterkleidung, Schuhe und Geldspenden für den Einkauf.

Die in den Berichten zitierte Heike Ester erhielt Vortrags-Anfragen von Kindergärten und Kirchengemeinden. "Plötzlich standen ganz viele Menschen vor der Tür", berichtet die stellvertretende ZBS-Leiterin, Barbara Köster, über die ersten Reaktionen, "die Kleiderkammer im Keller war pickepacke voll." Jetzt ist der Keller fast schon wieder leer. Barbara Köster: "So schnell, wie es reinkommt, geht es auch wieder raus." Wegen der Kälte sei der Bedarf an warmer Unterwäsche, Bekleidung, Handtüchern und Schuhen enorm groß.

Ralf Wehrschmidt ist einer, der nach solchen Reaktionen aus besonderer Perspektive mal Danke sagt: "Da freut man sich doch. Ohne diese Hilfe würden wir frieren." Der 59-Jährige war lange obdachlos und herzkrank und lebt inzwischen wieder in einer Wohnung. "Wenn man das Wohnung nennen kann", ergänzt Barbara Köster.

Ralf Wehrschmidt kennt das Gefühl, auf der Straße "links liegen gelassen zu werden" oder als "Penner" und "Drecksau" bezeichnet zu werden. "Aber man gewöhnt sich dran", berichtet er aus seinem Alltag, doch auf Dauer schmerze das. Der Dortmunder hält sich an einem Pappbecher mit Kaffee fest und sagt: "Am liebsten hätte ich eine einfache Arbeit."

Kampagne gegen Obdachlosigkeit zur richtigen Zeit

Mit der Solidaritäts-Kampagne für Obdachlose ("Wenn es kalt wird, schenken Sie Wärme: Niemand soll frieren") hatte die Diakonie offenbar zur richtigen Zeit den richtigen Ton getroffen. In der Innenstadt wurden kleine Handwärmer und Informationen an Passanten verteilt. Sie sollten die kleinen Wärmflaschen mit einer Liste von Beratungsstellen-Anschriften an Obdachlose weitergeben. Die Bürger lieferten nicht nur Bekleidung ab, sondern spendeten Geld aufs Konto der Diakonie oder überreichten Bares. Inzwischen ist ein vierstelliger Betrag angekommen.

Heike Ester geht das Herz auf: "Ich freue mich total, wenn wir etwas bekommen und damit helfen können", sagt sie. Besonder freute sie sich über den Anruf eines Chirurgen. Er hatte in der Zeitung von dem Schicksal eines Obdachlosen gelesen, der sich als Gelegenheitsarbeiter mit einer Kreissäge schwer verletzt hatte. Der Arzt will dem Patienten helfen. Ohne Rechnung. Heike Ester: "Es sind auch diese Reaktionen, für die ich hier arbeite."

Seniorin strickte warme Socken für Obdachlose in Dortmund

Eine Seniorin ließ zwei Tüten mit selbst gestrickten Socken abliefern. Die Frauenhilfe der evangelischen Kirche in Berghofen spendete 500 Euro. Die Rewe-Stiftung und der Dortmunder Menüservice unterstützen die ZBS mit 4000 Euro. Dazu kommen viele kleinere Spenden über 20, 30, 40 oder 50 Euro.

Barbara Köster ist aufgefallen, dass in diesem Jahr Spender vor der Tür standen, die nie zuvor da waren - vor allem Frauen zeigten Solidarität. Unter ihnen: Marina Manos. Sie wollte die Nachricht über die Not in der Kälte nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern helfen - und ließ auf der Arbeit unter Kolleginnen den Hut rumgehen. 315 Euro erhielt die Diakonie. "Wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme, ist es muckelig warm. Andere Menschen haben kein Zuhause. Da habe ich mir gedacht: Du musst was tun. Ich habe die Chefin gefragt und auf der Arbeit etwas Geld gesammelt."

Socken und Schokolade auf der Weihnachtsfeier

Seit vielen Jahren lädt die Diakonie Obdachlose zu einer Weihnachtsfeier in das Reinoldinum am Schwanenwall ein. 30 Ehrenamtliche bedienen sie mit Gänsebraten mit Rotkohl und Salzkartoffeln und Getränken. Es gibt eine Andacht, Musik und Geschenke-Tüten mit Socken, Schokolade und anderen Lebensmitteln. Die Feier sei sehr wichtig, sagt Heike Ester. Nicht zu wissen, wohin an diesem Abend, und alleine irgendwo zu liegen, das sei schlimm. Beeindruckt war sie von einem Satz ihres Ehemannes, den sie mal zu der Obdachlosen-Feier ins Reinoldinum mitgenommen und eingespannt hatte: "Auf der Rückfahrt hat er gesagt: ?Mensch. Das ist Weihnachten'."

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