Spendensammler bei BVB-Spielen

Verein Kinderwünsche ein Fall für Staatsanwaltschaft Essen

Dortmund - Es ist still geworden um Kinderwünsche e.V. Jahrelang hatte der Verein am Signal-Iduna-Park Spenden gesammelt. Vermeintlich zum Wohl von Kindern - aber möglicherweise landete das Geld ganz woanders.

Dass die Staatsanwaltschaft in Essen die Ermittlungen gegen den Verein Kinderwünsche e.V. führt, der im Verdacht steht, Spendengelder in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben, hat gute Gründe: Der Firmensitz des Vereins liegt in Gelsenkirchen, Verdächtige wohnen in Bottrop und Dorsten, all diese Städte liegen im Zuständigkeitsbereich der Staatsanwaltschaft Essen.

Die Anfänge im Jahr 2014

Den Betrugsverdacht zu erhärten, dürfte keine einfache Aufgabe sein, konkrete Taten müssen benannt und bewiesen werden, auch wenn die Vorwürfe schwer wiegen. Begonnen hat die Geschichte im Jahr 2014, damals war der BVB-Fanabteilung der Verein aufgefallen. Spendensammler tauchten an Spieltagen im Stadionumfeld auf, sie setzten auf die Solidarität der BVB-Anhänger: "Fußball Fans schenken Kindern ein Lächeln" stand auf den Pullovern der Sammler, vier bis sechs, so die Fanabteilung, seien pro Spiel unterwegs gewesen.

Nachdem vom Verein und seiner Vorsitzenden Cornelia Kneisel ein Rechenschaftsbericht angefordert aber nie vorgelegt worden war, reagierte Borussia. Auf deren Gelände hatten die Sammler ab dann ein Betretungsverbot. Was die Sammler von Kinderwünsche e.V. nicht hinderte, weiter im Umfeld zu sammeln.

Mehr gesammelt, als angegeben

Vor etwas mehr als einem Jahr dann begann die Fanabteilung, die Spendensammler gezielt zu beobachten und deren Arbeit zu dokumentieren. Was die Fanabteilung dort beobachtete, deckte sich nicht mit späteren Vereinsangaben.

Während Kinderwünsche angab, pro Sammler zwischen 80 und 120 Euro pro Spieltag einzunehmen, errechnete die Fanabteilung zwischen 400 bis 800 Euro. Der BVB zeigte Kinderwünsche an, nach den ersten Berichterstattungen über die Spendensammler meldeten sich neben vielen Spendern auch ehemalige Sammler.

Spendendosen geöffnet und Geld aufgeteilt

Dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" sagte eine Spendensammlerin, am Ende ihrer Schicht seien die verplombten Spendendosen geöffnet worden und das Geld, das eigentlich in Kinderkliniken fließen sollte, sei unter den Sammlern aufgeteilt worden. Eine Hälfte für den Sammler, die andere für Chefin Keisel. Auch weitere Vereine, die sich dem auch emotionalen Thema Tierschutz widmeten und dafür Spenden sammelten, betrieb die Familie Keisel.

Als die ersten Vorwürfe Anfang September bekannt wurden, reagierte der Verein zunächst nicht. Tage später dann reagierte er mit einer Pressemitteilung, wies zusammengefasst alle Vorwürfe zurück und kündigte rechtliche Schritte an.

Kinderwünsche widerspricht Vorwürfen

Die rechtlichen Schritte des Vereins lassen bisher auf sich warten, aktiv wurde er an anderer Stelle: Die Vereinshomepage, noch im Herbst gepflastert mit angeblichen Kooperationspartnern und vielen bunten Bildern von guten Taten, besteht seit Monaten nur noch aus einer Seite: Darauf die Pressemitteilung, mit der der Verein den Vorwürfen widerspricht.

Die Ermittlungen, die in Essen laufen, dürften mehrere Monate andauern, bevor es zu einem Ergebnis kommt.

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