Sperrung nach Orkan Friederike

Dortmunder ignorieren das Betretungsverbot für Wälder

EVING - Obwohl alle Dortmunder Wälder nach Sturm Friederike für die Öffentlichkeit gesperrt sind, ist dort jede Menge los. Entweder wissen die Menschen nicht von dem Verbot oder sie missachten es. Das kann teuer werden.

Mit einer "Ordnungsbehördlichen Verordnung zur Gefahrenabwehr" untersagt der Landesbetrieb Wald und Holz derzeit das Betreten aller Dortmunder Wälder. Im Grävingholzer Forst in Dortmund-Eving ist von diesem Verbot allerdings nichts zu spüren: Jogger sind dort ebenso unterwegs wie Hundebesitzer auf Gassi-Gang, Mütter mit Kindern oder Mountainbiker. Was viele von ihnen nicht wissen: Sie alle handeln ordnungswidrig und riskieren eine Geldbuße.

"Wir gehen hier jeden Tag spazieren", sagt Volker Kowalski, der mit seiner Partnerin und dem 15-jährigen Mischlingshund Jerry im Wald eine ausgedehnte Runde dreht. Und das sei momentan verboten? Kowalski schüttelt überrascht den Kopf: "Davon habe ich noch nichts gehört. Und man kommt ja mit den Leuten ins Gespräch - aber das ist bislang kein Thema gewesen."

Zumal auch am Eingang zum Wald nicht darauf hingewiesen werde, sagt der Evinger: "Das war bei Kyrill noch anders. Da war der Weg mit Flatterband abgesperrt." Hätte dort auch nach Sturm Friederike eine Absperrung oder ein Hinweis gestanden - "ich wäre nicht hineingegangen."

Wege von Ästen befreit

Schilder habe er einzig in den ersten beiden Tagen nach dem Sturm gesehen, fährt der Spaziergänger fort: "Darauf stand aber nur, dass es aktuell Baumarbeiten gibt." Mittlerweile seien die Wege ja von Stämmen und Ästen befreit, kann Kowalski an windstillen Tagen wie diesen keine sonderlich große Gefahr erkennen: "Wenn es richtig wehen würde, ginge ich auch nicht in den Wald."

Ein Jogger, der sich im Grävingholzer Wald fit hält, weiß sehr wohl, dass er gerade über verbotenes Terrain läuft - und möchte vielleicht auch deshalb seinen Namen nicht in den Medien lesen. "Die Behörden müssen solch ein Verbot ja aussprechen - schon um sich abzusichern", sagt der Läufer.

Und sicherlich gebe es auch noch einige Stellen, an denen lockere Äste in den Bäumen hingen - aber bei Windstille sei die Gefahr von herabfallendem Holz doch sehr gering: "Und dieses Risiko gehe ich ein." Wenn indes, wie für die nächsten Tage, Wind vorhergesagt sei, würde er den Wald meiden: "Unseren Walktreff haben wir deshalb schon abgesagt."

Bis zum 28. Januar geschlossen

Michael Börth, Sprecher des Landesbetriebs Wald und Holz, nimmt lockere Stämme und Äste hingegen nicht auf die leichte Schulter: "Angebrochene Kronen oder Pendeläste erkennt man oft nicht. Die Gefahr lauert überall." Da es nicht möglich sei, nur Teilflächen zu sperren, habe man sich für eine komplette Schließung der Dortmunder Wälder bis zum 28. Januar entschieden: "So kann man zunächst einmal einen Überblick bekommen, was wo passiert ist und wie viel Zeit noch benötigt wird, bis die Menschen wieder gefahrlos spazieren gehen können."

Das könne in einigen Bereichen durchaus länger dauern, zumal schwere Maschinen die Wälder aufgrund des nassen Bodens momentan nicht befahren könnten. "Wir müssen nun erst einmal Prioritäten setzen", erläutert Börth, "zum Beispiel, indem die Wege freigeräumt werden."

Wer trotz des Verbots, das über die Homepage des Landesbetriebes und über die Medien verbreitet worden sei, die Wälder betrete, begehe eine Ordnungswidrigkeit - und die könne theoretisch mit einem Bußgeld von bis zu 25.000 Euro geahndet werden.

Appel an die Vernunft

Bevor jedoch Strafen ausgesprochen würden, wolle man zunächst an die Vernunft appellieren: "Erst, wenn sich jemand gar nicht belehren lässt und sich weiter uneinsichtig zeigt, würden wir zur Keule greifen."

Theoretisch dürften Mitarbeiter des Landesbetriebes Bußgelder sofort kassieren, private Waldbesitzer oder städtische Bedienstete indes könnten Verstöße zur Anzeige bringen. Doch generell werde zunächst das Gespräch gesucht, betont Börth noch einmal: "Leute, seid vernünftig und geht nicht in den Wald, so lange er gesperrt ist."

Vielleicht würden sich ja mehr Menschen an das Verbot halten, wenn sie denn davon wüssten. Dass dem nicht so ist, bestätigt ein Evinger, der seine beiden Hunde im Grävingholzer Wald ausführt: "Hier laufen doch Hans und Kranz rum, sogar eine Kindergartengruppe habe ich schon gesehen." Und er selbst - geht er auch weiterhin mit seinen Tieren hier Gassi? "Jeden Tag. Und zwar dreimal."

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