Vor dem Spiel in Bremen

Das sind die Stationen des Schalker Niedergangs

GELSENKIRCHEN - Vor dem Saisonstart herrschte noch Optimismus. Jetzt muss sich der FC Schalke 04 Sorgen um den Klassenerhalt machen. Im Rückblick fallen vier Stationen ins Auge, die Schalkes sportlichen Niedergang beschleunigt haben.

Das Verletzungspech:

Es waren zwar nicht viele Spieler, die den Königsblauen beim Saisonstart fehlten. Doch diejenigen, die nicht dabei waren, sind für das Schalker Mannschaftsgefüge besonders wichtig. Zum einen Bastian Oczipka hatte nach der ersten Trainingseinheit wieder so starke Beschwerden, dass er sich nun doch zu einer Operation entschloss. Auch gravierend war der Ausfall von Benjamin Stambouli. Drei Tage vor dem Bundesligastart in Wolfsburg zog sich der Franzose eine Syndesmoseverletzung zu, sodass er mehr als zwei Monate ausfiel.

Der Fehlstart:

An den fünf Niederlagen in Folge tragen die Königsblauen bis heute. Die Absicht von Tedesco, seine Mannschaft spielerisch weiterzuentwickeln, konnte er nicht in die Tat umsetzen. Der junge Trainer entschied, erst einmal einen Schritt zurück zu gehen und auf das abwartende Spielsystem zu vertrauen. Doch auch dieses Vorhaben klappte nur ungenügend. Tedesco probierte mit verschiedenen Spielern viel aus, aber der Ertrag war bescheiden. Eine Spielidee war nicht zu erkennen.

Die Disziplin:

Dass sich einige Spieler in Porto als „Nachtschwärmer“ betätigten, wirft kein gutes Bild auf die Mannschaft. Einige Journalisten sahen, wie die Schalker Kabine nach dem 2:0-Bundesligasieg in Düsseldorf aussah – es war zum Fremdschämen. Tedesco reagierte und ließ Amine Harit zum Beispiel zu Hause, als das Winter-Trainingslager absolviert wurde. Aber auch solche Maßnahmen sind offenbar ohne Wirkung geblieben. Es gibt in dieser Mannschaft offenbar keine Führungsspieler mehr, deren Worte Gewicht haben.

Schwache Transferpolitik:

Das wohl größte Manko in dieser Saison war die Zusammenstellung des Kaders. Obwohl viele Experten Manager Heidel vor der Saison für seine Transfers lobten, geriet die Realität zur großen Ernüchterung, je länger die Saison dauerte. Sebastian Rudy? Ein Nationalspieler, der bisher nicht ein überzeugendes Spiel für Schalke ablieferte. Hamza Mendyl? Ein Linksverteidiger, der nur bei den eigenen Mitspielern Angst und Schrecken verbreitete. Suat Serdar? Ein U21-Nationalspieler, der auf Schalke einen Karriereknick erlebte.

Und so weiter, und so weiter. Der neue Sportvorstand Jochen Schneider wird in den nächsten Wochen und Monaten sehr viel Arbeit haben, um einen besseren Kader zusammenzustellen. Es fehlt an vielen Dingen. Auch an einer klaren Hierarchie innerhalb der Mannschaft. Naldo ziehen zu lassen und keinen adäquaten Ersatz in der Hinterhand zu haben, war einer der größten Fehler von Heidel.

Die Grüppchenbildung, die sich nach und nach entwickelt hat, ist für eine Mannschaftssportart wie Fußball ein schleichendes Gift, das nachhaltige Erfolge so gut wie unmöglich macht. In Bremen müssen die Schalker Spieler jetzt beweisen, dass sie die Saison wenigstens mit Anstand zu Ende spielen wollen. Alibis gibt es angesichts der desolaten Leistungen der vergangenen Wochen und Monate keine mehr. Allein der Blick auf die Tabelle sollte reichen, um wenigstens mehr Leidenschaft auf dem Platz zu zeigen. Mehr wird von den Fans kaum noch erwartet.

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