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Offenbar unzufrieden mit der Gesamt-Situation: Huub Stevens beschwert sich wort- und gestenreich bei Mike Pickel, dem Vierten Offiziellen. Schalke verlor gegen Frankfurt durch ein umstrittenes Elfmeter-Tor in der 99. Minute.

Spiel dauerte 99 Minuten

Schalke kocht nach dem 1:2 gegen Frankfurt vor Wut

Gelsenkirchen - Gegen Eintracht Frankfurt hat Schalke 04 durch ein "historisches" Tor erst das Spiel, dann die Nerven verloren – aus drei Gründen schöpft Königsblau im Tabellenkeller der Bundesliga aber neuen Mut.

Die wichtigste Erkenntnis gleich zu Beginn: Ein Spiel – das Buch der großen Fußball-Weisheiten muss umgeschrieben werden – dauert 99 Minuten. In exakt jener 99. Minute erlebte ein Schalke-Drama durch den von Luka Jovic komplett humorlos verwandelten Elfmeter seinen tragischen Höhepunkt. Die Königsblauen hatten 1:2 verloren, danach gingen mit Spielern und vor allem Trainer Huub Stevens die Nerven durch. Der Niederländer zog die wütend protestierenden S04-Profis erst von Schiedsrichter Sascha Stegemann weg, um diesen dann selbst verbal heftig zu attackieren.

Der FC Schalke 04 am 28. Spieltag: Ein Verein kocht vor Wut. „Es ist ein absolutes Unding, in dieser Situation auf Elfmeter zu entscheiden“, urteilte Sportvorstand Jochen Schneider, während Stevens sich auf die Zunge biss: „Als Trainer darfst du nicht alles sagen. Sonst wirst du bestraft.“

In der Tat war die Gemengelage in der 94. Minute äußerst kompliziert und unübersichtlich: Darauf, dass Daniel Caligiuri einen Frankfurter Schuss in der Nachspielzeit im Strafraum mit der Hand abgewehrt haben soll, wurde Stegemann erst durch die Video-Assistenten aufmerksam gemacht – die kommen zu allem Überfluss auch noch aus Stuttgart, wo ja ebenfalls das Abstiegsgespenst herumspukt.

Schneider wollte da keinen Zusammenhang herstellen („Die sind unparteiisch“), konnte aber wie Caligiuri und Stevens nicht nachvollziehen, dass Stegemann nach dem Video-Studium auf Elfmeter entschied. Schalkes These, Caligiuri sei vorher geschubst und damit zu dem Handspiel „gezwungen“ worden, teilte Stegemann nicht: Er sah in dem Gerangel einen „fußball-typischen Zweikampf“. Fünf Minuten dauerte das ganze turbulente Prozedere inklusive des Elfmeters – seit Beginn der Datenerfassung hat es in der Fußball-Bundesliga noch nie so spät einen Strafstoß gegeben.

Ein „historisches“ Tor also als nächster Nackenschlag für Schalke – der führte allerdings zu einer beeindruckenden Solidaritäts-Aktion der Fans mit den deprimierten Spielern. Noch Minuten nach dem Schlusspfiff wurde die Mannschaft geradezu begeistert gefeiert – das sah vor Wochen noch ganz anders aus. Der neue Schulterschluss mit den Fans ist ein Grund, warum Schalke trotz der erneuten Niederlage im Abstiegskampf Mut schöpfen darf. Dass die Unterstützung der Anhänger im Tabellenkeller Kräfte freisetzen kann, hat Werder Bremen vor zwei Jahren bewiesen, als den Kickern von der Weser das Wasser bis zum Hals stand.

Gelb-Rot für Serdar

Außerdem hat sich Schalke – auch wenn die Ergebnisse das nur bedingt belegen – unter Stevens deutlich stabilisiert. Die Mannschaft ist drauf und dran, den Abstiegskampf anzunehmen. Nach den höchst kritischen ersten 20 Minuten, als Frankfurt die Königsblauen (ohne die verletzten Salif Sané und Mark Uth) quasi „aufzufressen“ drohte und die 1:0-Führung durch Ante Rebic (13.) Schalke vom Ergebnis her noch schmeichelte, kamen die Gastgeber wieder zurück.

Weil Stevens offenbar angeordnet hatte, hinten erstmal eine gewisse Kompaktheit aufzubauen, weil Stegemann nach einer plumpen Attacke von Jeffrey Bruma gegen Rebic im Strafraum seltsamerweise nicht auf Elfmeter entschied, und weil vorne ein wenig der Zufall bzw. Kevin Trapp halfen: Der Frankfurter Torhüter konnte einen Kopfball von Embolo nicht festhalten, Suat Serdar, der kurz vor Schluss wegen eines Fouls die Gelb-Rote Karte sah und in Nürnberg fehlt, staubte ab zum 1:1 (21.).

Schalke, obwohl im Gegensatz zu Frankfurt unter der Woche im Pokal am Ball, hatte nach dem Seitenwechsel sogar die besseren Chancen. Natürlich herrscht im Spiel nach vorn nach wie vor meistens das Motto „Hoch und weit“ – aber wer von dieser Schalker Mannschaft in dieser Saison noch Zauberfußball erwartet, lebt irgendwo im Fantasia-Land.

Ein dritter Punkt, der Schalke trotz allem Mut macht: Auf den VfB Stuttgart scheint im Abstiegskampf Verlass zu sein. Nur 1:1 gegen Nürnberg, das hätte schlimmer kommen können. Schwache Trostpflaster an einem Tag, an dem das Buch der Fußball-Weisheiten umgeschrieben werden musste.

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