Spielregeln überprüft

Westenhellweg wird keine straßenmusikfreie Zone - Anwohner enttäuscht

Eine straßenmusikfreie Zone auf dem Westenhellweg wird es nicht geben. Nach einjähriger Prüfung der bekannten Spielregeln bleibt alles, wie es ist. Die Szene wird aber weiter beobachtet.

Michael Weiss ist enttäuscht. Der Anwohner des Westenhellwegs hatte bis zuletzt gehofft, dass die Dauerbeschallung durch Straßenmusik unter seinem Fenster im dritten Stock weniger wird. Danach sieht es nun nicht aus, wenn sich der zuständige Umweltausschuss des Rates an den Vorschlag der Verwaltungsspitze hält.

Seit Mai 2015 gibt es in Dortmund "Spielregeln" für Straßenmusik in der City. Danach darf unter anderem nur je eine halbe Stunde am selben Standort musiziert werden. Doch die Beschwerden vor allem von Anliegern des Westenhellwegs nahmen im Jahr 2017 wieder zu.

Anlieger: Ruhezeiten nicht eingehalten

Sie beklagten sich darüber, dass die Straßenmusiker die Ruhezeit nicht einhielten und zu viel Lärm machten. Es gab sogar eine von Michael Weiss und seinem Partner initiierte Online-Petition mit 162 Unterschriften sowie 177 Beschwerdebögen von Geschäftsleuten und Anwohnern an die zuständigen Dezernenten für Umwelt und Recht.

Deshalb stellte die Stadt die Spielregeln im Januar 2018 auf den Prüfstand. Die Verwaltung regte an, eine straßenmusikfreie Zone auf dem Westenhellweg einzurichten. Die Politik wollte dem allerdings nicht folgen. Stattdessen beschloss man verstärkte Kontrollen durch das Ordnungsamt und eine einjährige Evaluationsphase bis Ende 2018.

Stadt: Spielregeln werden weitgehend akzeptiert

Die Auswertung liegt nun vor mit dem Ergebnis, dass alles bleiben soll, wie es ist. Die ursprünglichen Spielregeln sollen weiter gelten. So jedenfalls wird es der Verwaltungsvorstand dem Umweltausschuss empfehlen.

Laut Pressemitteilung der Stadt von Dienstag (26.2.) haben die Kontrollen zu einer weitgehenden Akzeptanz der "Spielregeln" geführt - bei den Musizierenden und den Anliegern. Trotz deutlich verstärkter Kontrollen im Jahr 2018 (362 im Vergleich zu 142 im Vorjahr) sei die Zahl der Belehrungen nur um 15 Prozent gestiegen. Gleiches gelte für die Verwarnungsgelder und Ordnungswidrigkeitsanzeigen (plus 16 Prozent).

Aufklärung und Beratung

Daraus schließt die Stadt: "Die seit Mai 2015 geltenden Spielregeln sind mittlerweile weitestgehend bekannt. Die ganz überwiegende Zahl der Musizierenden hält sich daran. In erster Linie wird erfolgreich mit Aufklärung und Beratung gearbeitet, nur selten werden Verwarnungsgelder erhoben oder Anzeige erstattet."

Auch die Zahl der Beschwerden sei zurückgegangen, stellt die Stadt fest. Mehr als die Hälfte der 2018 beim Ordnungsamt eingegangenen Beschwerden stammten von einem einzigen Anlieger des Westenhellwegs, die 13 Beschwerden von Oktober bis Dezember 2018 sogar ausschließlich von ihm.

Stichprobenmessungen nicht über 80 Dezibel

Dieser Anlieger ist Michael Weiss. "Die Straßenmusikanten halten sich nicht an die vorgeschriebene 30-Minuten-Regelung und die Vorgabe zum Ortswechsel im 150-Meter-Abstand", moniert er.

Lärmpegelmessungen der Stadtmitarbeiter haben bei keiner der Stichproben einen höheren Wert als 80 Dezibel festgestellt. Dieser Wert wird von der Umweltverwaltung als maximaler Momentanpegel für musikalische Darbietungen am nächstliegenden Immissionsort (zum Beispiel Geschäftsräume) angesetzt. Michael Weiss sagt, er habe auch schon 106 Dezibel gemessen.

Mit Ohrstöpseln in der Wohnung

Für Straßenmusiker ist der Standpunkt zwischen Karstadt und Krügerpassage besonders attraktiv. Doch gerade hier mit der fast lückenlosen hohen Bebauung wirkt der Westenhellweg wie ein Schalltrichter. Weiss sagt, "wie eine Konzertmuschel. Ich bin ratlos. Wenn wenigstens ab 20 Uhr oder am Sonntag Ruhe wäre."

Die Ordnungsamtsmitarbeiter seien mittlerweile ganz offen von seinen Anrufen genervt, sagt Weiss, der in seiner Wohnung mit Ohrstöpseln herumläuft. Schlimm sei gewesen, dass eine Stadtmitarbeiterin ihm nahegelegt habe, sich eine andere Wohnung zu suchen. "Ich möchte eigentlich hier bleiben", sagt er, " aber das Ergebnis der Evaluation ist für mich als Petitionsführer ein Schlag ins Kontor und vollkommen unzureichend."

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