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Ist nun offiziell seit 100 Tagen Schalker Sportvorstand: Jochen Schneider.

Sportvorstand der leisen Töne

Was Jochen Schneider bei Schalke anders macht als seine Vorgänger

Gelsenkirchen - Am heutigen Samstag ist Jochen Schneider offiziell 100 Tage im Amt. Eine kurze Bilanz zum Schalker Sportvorstand.

Der 14. März 2019 war für Jochen Schneider kein Tag wie jeder andere. Einerseits freute er sich über den Dreijahresvertrag, den er an jenem Donnerstag als neuer Schalker Sportvorstand unterschrieb. Andererseits verließ er für kurze Zeit die anberaumte Aufsichtsratssitzung, um Trainer Domenico Tedesco seine Beurlaubung mitzuteilen. Heute ist Schneider 100 Tage im Amt. Eine erste Zwischenbilanz seiner Arbeit fällt schwer.

Das liegt nicht an seiner Person – der 48-Jährige ist ein höflicher und zurückhaltender Mensch –, sondern an der schwierigen Aufgabe, die Schneider übernommen hat. Der Fußballfunktionär muss den sportlichen Bereich völlig neu ordnen. Dass ihm dabei nur relativ wenig Geld zur Verfügung steht, macht die Sache nicht wesentlich einfacher.

Zwischen 20 und 25 Millionen Euro liegt die Summe, die der Aufsichtsrat angeblich für Neuzugänge bewilligt hat. Etwas mehr könnte es nur sein, wenn es Schneider gelingt, Spieler zu verkaufen. Doch Akteure wie Yevhen Konoplyanka, Amine Harit oder Nabil Bentaleb sind aus unterschiedlichen Gründen nur schwer an den Mann beziehungsweise an einen neuen Verein zu bringen.

Schneider: "Je unruhiger es im Umfeld wird, desto ruhiger werde ich"

Schneider ist bemüht darum, Ruhe und Gelassenheit im Angesicht der schwierigen Ausgangslage auszustrahlen. Drängende Journalistenfragen nach einem neuen Sportdirektor oder neuem kickenden Personal, begegnete er stets mit Sätzen wie diesen. „Da geht Qualität vor Zeit. Ich weiß, dass hier alles ein bisschen aufgeregter, ein bisschen emotionaler ist. Aber je unruhiger es im Umfeld wird, desto ruhiger werde ich“, so der Schalker Sportvorstand.

Dabei kommt ihm seine langjährige Erfahrung im Profifußball womöglich zugute. Auf Schalke muss Schneider nun öfter als ihm lieb ist den Medienvertretern Rede und Antwort stehen. Ein markantes Profil konnte er dabei noch nicht entwickeln, aber die Unterschiede zu seinem Vorgänger Christian Heidel sind definitiv nicht zu übersehen. Während Heidel – mit einer gewissen Portion Eitelkeit ausgestattet – in der Öffentlichkeit oft omnipräsent war, bevorzugt Schneider eher die leisen Töne.

Schalkes neuer Sportvorstand: Leise Abwicklungen sind sein Ding

Kritik an seinem Vorgänger ließe sich reichlich formulieren, zum Beispiel an der verfehlten Transferpolitik. Doch das ist nicht Schneiders Ding. Am liebsten ist es ihm, erst die Entscheidungen zu treffen und dann erst die Öffentlichkeit zu informieren. Wie zum Beispiel bei der vorzeitigen Vertragsverlängerung von Guido Burgstaller bis 2022, einer für Schalke sehr wichtigen Personalie, die Schneider geräuschlos abwickelte.

Bei Alexander Nübel ist es ihm bisher jedoch nicht gelungen, den Torwart längerfristig an Schalke zu binden. Ob Schneider das gelingt, ist ein Punkt, an dem seine Arbeit wesentlich beurteilt werden wird. Und natürlich auch, ob die von ihm verpflichteten Neuzugänge einschlagen.

Ob der 48-Jährige die hohen Erwartungen, die man an ihn hat, erfüllen kann, lässt sich natürlich nach 100 Tagen noch nicht seriös beurteilen. Stallgeruch, gerade auf Schalke immer ein großes Thema, oder eine glanzvolle Fußballer-Laufbahn hat Schneider nicht zu bieten. Aber eine selbstironische Ader, was ihn sympathisch macht. „Meine Karriere fand auf Amateur-Niveau statt. Es war keiner bereit, für mich Geld auszugeben“, erzählte er einmal mit einem Augenzwinkern.

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