Stalking-Prozess

Verschmähte Liebe: Student verbreitete Hass und Todesangst

Dortmund - "Irgendwann werde ich Dich im Schlaf vergewaltigen." So und schlimmer hat ein Student im Internet ein Mädchen aus Dortmund terrorisiert. Seit Dienstag weiß er endgültig seine Strafe.

Egal ob bei Facebook, bei Snapchat, bei Instagram oder in einem Online-Forum: Der 21-jährige Student aus der Nordstadt hatte dem Mädchen zwischen Juli 2015 und September 2017 mit dutzenden Hass- und Droh-Nachrichten das Leben buchstäblich zur Hölle gemacht. Weil die Dortmunderin offensichtlich kein Interesse an einer Beziehung mit ihm gezeigt hatte, hatte der 21-Jährige ihr sogar mehrfach angedroht, Fotos von ihr mit einem Bildbearbeitungsprogramm zu obszönen Nacktbildern zu verändern und diese dann unter ihrem Namen an Pornos-Seiten im Internet zu verschicken.

Fast immer verwendete der Student beim Absenden der Stalking-Nachrichten einen so genannten "Fake-Account". Selbst an die Mutter des Mädchens schickte er mehrere Hass-Nachrichten per SMS. Wie es vor Gericht hieß, führte der beharrliche Psychoterror letztlich sogar soweit, dass die unter Todesangst leidende Familie des Mädchens zeitweise ernsthaft an einen Wegzug aus Dortmund gedacht hat.

"Sowas wie Du gehört lebendig begraben"

Die Wortlaute der insgesamt mindestens 27 Terror-Nachrichten aus verschmähter Liebe wurden am Dienstag vor dem Landgericht allesamt verlesen. Mal hatte der 21-Jährige dem Mädchen geschrieben: "Sowas wie Du gehört lebendig begraben." Mal drohte er: "Die wirst jede einzelne Sekunde, die ich leide, auf Knien bezahlen. Ich verbrenne Dich." Er könne einfach nicht mit ansehen, dass andere Jungs die Zuneigung von dem Mädchen bekommen, die er sich so sehr gewünscht habe.

Seine Warnung "Ich beobachte Dich" verstärkte der 21-Jährige im Juli 2017 sogar dadurch, dass er seiner Nachricht Fotoaufnahmen von der Wohnanschrift und dem Auto der Mutter anhängte. Dem aktuellen Freund des Mädchens schickte er zuletzt sogar eine zur Unterschrift vorbereitete Unterlassungserklärung, wonach der sich dem Mädchen ab sofort nicht mehr nähern darf.

Richter: "Widerlichste Art und Weise"

Das Jugendschöffengericht hatte den geständigen Stalker bereits im Februar 2018 zu sechs Monaten Jugendhaft auf Bewährung plus 600 Euro Geldauflage verurteilt. Weil der 21-Jährige dieses Urteil jedoch für zu hart hielt, kam es am Dienstag zu einer Berufungsverhandlung am Landgericht.

Richter Ulf Pennig hielt dem Angeklagten dabei gleich zu Beginn eine Standpauke. "Bei dem, was Sie da über zwei Jahre lang auf die widerlichste Art und Weise angestellt haben, ist das Urteil des Amtsgerichts sogar noch viel zu milde", sagte Pennig. Dass eine Berufungsverhandlung an dem ersten Urteil auch nur ein Fitzelchen zu seinen Gunsten verändert werde, könne er sich restlos abschminken, hieß es weiter.

Angeklagter zieht Berufung zurück

Nach einer 20-minütigen Beratung mit seinem Verteidiger Marco Ostmeyer zog der Stalking-Student ("Ich weiß, dass ich mich komplett daneben verhalten habe") danach schließlich seine Berufung zurück. Damit ist das erste Urteil (sechs Monate Jugendhaft auf Bewährung) nun rechtskräftig.

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