+
Gründer lernten beim Ruhr Summit im U andere Gründer, Firmen und Investoren kennen. Und ständig pitchten Start-ups, stellten also ihre Geschäftsideen vor. Dominik Stute (r.) von der IHK brachte Start-ups aus dem Ausland ins U.

Start-up-Gipfel in Dortmund

Investoren pirschen sich im U-Turm an Gründer heran

DORTMUND - Je rund 1200 Menschen haben am Donnerstag und Freitag die Start-up-Konferenz "Ruhr Summit" im Dortmunder U-Turm: Gründer aus zig Ländern hörten Vorträge, knüpften Kontakte und feierten. Viele Investoren und Unternehmen lagen auf der Pirsch.

Beim Ruhr Summit sind am Freitag viele internationale Besucher, weshalb der Moderator auf Englisch erklärt, wieso frühmorgens erst wenig los ist: „We have Stau.“ Das sei typisch im Ruhrgebiet. Dass alles etwas langsam in die Gänge kommt, hat freilich auch damit zu tun, dass die Gründer am Donnerstag bei der „Rooftop-Party“ kräftig gefeiert haben.

Gründer sind eher jung und ohne Sakko unterwegs

So oder so bietet sich also am Freitagmorgen, ehe es losgeht, die Zeit, noch ein wenig zu schauen, wer hier durchs U läuft. Bei dieser „größten Start-up-Konferenz im Ruhrgebiet“. Obgleich kaum Gründer klischeehaft Kapuzenpullis tragen, erkennt man sie: als eher jung und eher ohne Sakko. Die mit Sakko sind die Vertreter arrivierter Unternehmen, Investoren, Politiker. Fast alle „oben ohne“: Es hat sich bis zu ihnen herumgesprochen, dass Krawatten in der Gründerszene als uncool gelten.

Zwei Sakkoträger nehmen den Aufzug ins View, siebte Etage, dort ist die Hauptbühne des Ruhr Summit. Der eine vertritt ein großes Dortmunder Industrieunternehmen. Am Vortag habe er kein interessantes Start-up gefunden, sagt er. Der andere: „Interessant werden Start-ups eh erst, wenn sie fertige Produkte haben.“ Er treffe später jemanden, der die finnische Start-up-Szene gut kenne…

Gründer aus Israel, China, Kenia und Russland

Unternehmens-Vertreter auf der Suche nach klugen Köpfen und ihren Ideen, die trifft man überall an den zwei Tagen. „Das ist das Spannende hier“, sagt Pascal Ledune, stellvertretender Chef der Dortmunder Wirtschaftsförderung. Auch in deren Räumen treffen sich während der Konferenz Gründer und Investoren, um zu sprechen.

Inzwischen hat es NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) durch den Stau nach Dortmund geschafft. Er steht im View auf der Bühne und sagt, was ein Wirtschaftsminister halt so sagt. Den ausländischen Gründern aus Israel, China, Brasilien, Kenia, Polen, Russland, und wo sie alle herkommen, wünsche er, „dass Sie hier neue Partner und Freunde finden“. Um dann „North Rhine-Westphalia“ zu helfen: „Wir wollen der am meisten zukunftsorientierte und innovativste Standort nicht nur in Deutschland, sondern in Europa werden.“

In anderen Vorträgen geht es um Internethandel, die Beschaffung von Kapital und um Marketing. Der frühere Schalke-Profi Hans Sarpei, mittlerweile „Social-Media-Berater“, erklärt, was er so bei Twitter und Facebook macht.

Ein Facebook-Mann erzählt „cooles zu Instagram ;-)“

Ach ja, und Facebook hat auch einen jungen Mann geschickt: Daniel Kramer heißt er, sein Vortrag steht als „irgendwas cooles zu Instagram ;-)“ im Programm. Er redet, wie man in einem Film überspitzt einen jungen, hippen Facebook-Mitarbeiter reden lassen würde. Er sagt, wie viele Leute „im average“, also im Schnitt Instagram nutzen, und wie der Dienst mit einer Shopping-Funktion „geboosted“, erweitert, werde.

Dann spricht er über „meine wahnsinnig aktive Mum“, die 65 ist und ihre „Passion“ bei Instagram gefunden habe, wo sie Bilder von Blumen hochlädt. Manche Zuhörer finden das interessant, andere nicht.

Das sei bei so einer Konferenz wichtig, sagt auf der Terrasse unterm U Thorsten Klein: „Nicht der Höflichkeit halber bleiben und weiter zuhören, sondern nur das mitnehmen, was man braucht.“ Er betreibt in Bochum eine Technologie-Agentur und ist auch an Start-ups beteiligt. Er wolle im Idealfall Kunden gewinnen, vor allem aber Leute und deren Geschäftsmodelle kennenlernen.

Zwei Tage lang: Pitchen, pitchen, pitchen

Deshalb sind auch Nicolas Kuper (22, aus Münster) und Marin Niehues (21, aus Essen) hier. Sie arbeiten an einer Internet-Plattform, mit der Schüler interaktiv lernen können. Sie wollen „viele Leute anquatschen und gucken, ob sie sich im gleichen Bereich bewegen“. Kontakt zu Investoren wäre auch klasse. Beide finden die Konferenz gut, Niehues (im Sakko, Ausnahmen bestätigen die Regel) sagt: „Es hilft ungemein, zu sehen, was andere Start-ups auf die Beine stellen.“

An Gelegenheiten dafür mangelt es nicht. Am Freitag bringt die Industrie- und Handelskammer Dortmund im Zuge des von ihr und anderen IHKs veranstalteten „International Summit“ ausländische Start-ups mit ins U. Moderiert von IHK-Auslands-Referatsleiter Dominik Stute berichten Gründer aus Kenia, Brasilien und Spanien über ihre Länder und Ideen.

Und im Kino unten im U „pitchen“ über beide Tage hinweg Gründer: Während fünf Minuten auf der Uhr erbarmungslos laufen, stellen sie Jurys ihre Geschäftsmodelle, Finanzierungen, Pläne vor. Am Ende gewinnt einer – viel Aufmerksamkeit. Aber auch viele anderen Gründer stecken Visitenkarten von den Unternehmensvertretern und Investoren auf der Pirsch ein.

Auf der Pirsch

Heranpirschen will sich gerade auch Wirtschaftsförderer Ledune – an Wirtschaftsminister Pinkwart. Weil der aber noch von anderen umgarnt wird, hat Ledune Zeit, zu erklären, warum eine Start-up-Konferenz im Ruhrgebiet – in Dortmund – wichtig ist. „Das Thema Selbstständigkeit gehört nicht zum Ruhrgebiet“, sagt er.

Also: nicht seit jeher. Weil die Leute früher (Kohle, Stahl, Bier) alle abhängig beschäftigt waren. Und es noch immer vielfach sind. Für wirtschaftliche Innovationen im digitalen Zeitalter brauche es aber mehr denn je Gründer, sagt Ledune: „Da müssen wir Gas geben.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Nach dem Feuer in der "Kinderwelt": So äußert sich der Betreiber
Nach dem Feuer in der "Kinderwelt": So äußert sich der Betreiber
Brandursache in RE geklärt, Fahndung nach unsittlicher Berührung, Bayern auf Schalke unter Druck
Brandursache in RE geklärt, Fahndung nach unsittlicher Berührung, Bayern auf Schalke unter Druck
Polizei veröffentlicht Phantombild nach sexuellem Übergriff: Wer kennt diesen Mann?
Polizei veröffentlicht Phantombild nach sexuellem Übergriff: Wer kennt diesen Mann?
Dattelnerin drohte im letzten Jahr die Arbeitslosigkeit - sie wählte Plan B
Dattelnerin drohte im letzten Jahr die Arbeitslosigkeit - sie wählte Plan B
Waltroper Bürger des Jahres: Große Dankbarkeit, Emotionen und eine Liebeserklärung
Waltroper Bürger des Jahres: Große Dankbarkeit, Emotionen und eine Liebeserklärung

Kommentare