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Gruppenbild mit Fahrzeugbauer: Khalid Samadi (4.v.l.) führt Petra Bauer (Startercenter), Landrat Cay Süberkrüb (2.v.l.) sowie Armin Zimmermann (2.v.r.), Ulrich Kirsch (l.) und Jörg Rosenberg (Sparkasse) durch seine Werkstatt.

Startcenter

Unterstützung für Existenzgründer

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RECKLINGHAUSEN - Ohne Moos nix los – das weiß der Volksmund seit jeher. Tatsächlich geht es jenseits sprichwörtlicher Flapsigkeit immer auch um Geld. Dabei sind es nicht Riesensummen, die im Tagesgeschäft des Startercenters Kreis Recklinghausen die Hauptrolle spielen. In der Kooperation mit den Sparkassen im Kreis RE geht es oft nur um einige Tausend Euro, die Existenzgründern mit guten Ideen und tragfähigen Konzepten zum Start in die Selbstständigkeit fehlen. Wie Khalid Samadi in der Karossierfachwerkstatt Vest an der Hubertusstraße 41.

Er hat dort seine Existenzgründung in die Tat umgesetzt – mit Anschubhilfe durch das Startercenter und „Moos“ von der Sparkasse. „Ich hätte auch einfach als Angestellter weiterarbeiten können“, sagt der 35-Jährige. „Aber ich wollte immer mein eigener Chef sein.“

Nieselregen, vier Grad Celsius – es ist nicht das beste Wetter für einen Firmenbesuch in einer Kfz-Halle, die als Arbeitsort auch keine Kuscheltemperaturen bietet. Es geht aber auch nicht um Platz eins im Wettbewerb „Schöner Arbeiten“, sondern um Khalid Samadi und seine Selbstständigkeit. Armin Zimmermann, Vorstand der Sparkasse Vest RE, ist mit Landrat Cay Süberkrüb und Startercenter-Chefin Petra Bauer an die Hubertusstraße gekommen, um vor Ort zu sehen, was Kreis RE und Sparkasse bewirkt haben. Eine Menge, wie sich zwischen Autos in verschiedenen Stadien zwischen Reparatur und Restaurierung herausstellt.

Viel Berufserfahrung mitgebracht

Die Vorgeschichte ist rasch erzählt: Als 15-Jähriger kommt Samadi aus Afghanistan nach Deutschland, arbeitet in Hilfsjobs, absolviert dann eine Kfz-Ausbildung. Heute hat er einen Meistertitel und ist längst deutscher Staatsbürger. Spannend wird die Sache 2016: „Ich habe überall gearbeitet – von der freien Werkstatt bis hin zu Porsche. Irgendwann kam die Idee, mich auf Oldtimer zu spezialisieren.“

Samadi sucht im Internet, macht dann mit dem Startercenter aus einem Traum einen Plan. Es hilft Existenzgründern in allen Phasen – von der Beurteilung der Tragfähigkeit ihrer Idee bis zum Beantragen einer Anschubfinanzierung. Keine Frage: Im Beratungsprozess des Startercenters platzen auch Hoffnungen, die sich bei der Prüfung als blauäugig herausstellen. Anders bei der Karossierfachwerkstatt Vest: „Ich weiß nicht, wie viele Wochen Herr Samadi immer wieder seinen Businessplan überarbeitet hat, am Ende hat er alle überzeugt“, sagt Bauer. Welche Marktnische will ich besetzen, welche Werkzeuge und Maschinen brauche ich, wo finde ich eine Halle, wie komme ich an Kunden heran, wie kann ich langfristig bestehen? Und: Wie finanziere ich das Ganze?

Über 120 Gründungen wurden so angeschoben

Oft sind es nur wenige Tausend Euro, die für den Sprung in die Selbstständigkeit fehlen – sie können aber ein entscheidendes Hemmnis sein. Für eine Bank wie die Sparkasse sind derlei Kunden nicht sonderlich attraktiv – gleichwohl kooperiert die Sparkasse seit 13 Jahren mit dem Startercenter. Mehr als 120 Gründungen wurden angeschoben. „Wenn man so will, haben der Kreis und die Sparkasse dasselbe Geschäftsgebiet – alle sind daran interessiert, dass man hier Arbeit findet, die Region für die Menschen attraktiv ist und sie hierbleiben“, sagt Zimmermann. Gleichwohl geht es dann am Ende auch für eine Sparkasse um „Moos“, sie muss Geld verdienen. Das geht dann womöglich auf, wenn der Laden eines Kunden prächtig läuft, bei dem man schon zur Gründerzeit den Fuß in der Tür hatte…

Wie hoch ist das Risiko solcher Existenzgründer für den Geldgeber? Auch Ulrich Kirsch, Leiter der Firmenkundenbetreuung der Sparkasse Vest, und Firmenbetreuer Jörg Rosenberg sind an diesem Tag bei Samadi zu Gast. Sie haben ganz unmittelbar mit Gründern zu tun, die vom Startercenter kommen, damit denen möglichst unbürokratisch bei der Vergabe von (Klein-)Krediten geholfen wird. „Das geht nicht ohne Vertrauen“, sagt Kirsch, „in 13 Jahren Zusammenarbeit hat sich eine gute Basis entwickelt. Wir wissen, dass niemand vom Startercenter kommt, der da nicht schon auf Herz und Nieren geprüft worden ist. Das vermeidet, dass wir Fragen doppelt und dreifach stellen müssen.“ Rosenberg meint: „Man erkennt, ob jemand das Unternehmer-Gen hat oder nicht.“

60-Stunden-Woche

Wie geht es weiter in der Werkstatt von Samadi? Er arbeitet meist im Kundenauftrag, neben Oldtimern geht er auch jüngeren Autoklassikern – „Youngtimern“ – an die Karosse. Er arbeitet mit drei Lackierbetrieben zusammen, hat einen Angestellten und eine 60-Stunden-Woche. „Das macht mir aber nichts aus“, sagt der 35-Jährige. Er will mit der Karosseriefachwerkstatt Vest langsam wachsen. Nicht steinreich zu werden, ist die Devise, sondern mit dem auskommen zu können, was man verdient. Und doch hat er schon wieder ein Projekt: Wohnmobile sind ein Boom-Sektor und vor der Halle steht schon ein mächtiger Mercedes-Allrad-Kastenwagen – bereit zum Umbau. „Es ist ein interessanter Markt: Es gibt Menschen, die fahren mit dem Wohnmobil um die Welt. Mit diesem Mercedes kommt man überall hin“, sagt Samadi. Klingt nach Plan statt Traum.

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