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Eine Nachricht hinter den Scheibenwischer zu klemmen, genügt nicht. Wer sich korrekt verhalten will, wartet auf den Geschädigten oder ruft die Polizei.

Statistik

Erneut mehr Fälle von Fahrerflucht im Vest

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Kreis RE - Wie soll man dieser Unsitte Herr werden? Die Polizei versucht es mit „Zeugenbriefkästen“ und speziellen Fortbildungen der Beamten.

An jedem Tag machen sich laut Statistik 14 Autofahrer im Kreispolizeibezirk Recklinghausen (Kreis RE und Bottrop) strafbar. Sie begehen Unfallflucht. Trotz Kampagnen, Appellen und Drohungen ist die Unsitte des unerlaubten Entfernens vom Unfallort offenbar nicht einzudämmen. Auch 2018 ist die Zahl dieser Vergehen wieder gestiegen – um 187 Fälle auf 5115. Seit 2014 haben die Unfallfluchten sogar um fast 50 Prozent zugenommen.

Geht die Polizei vor der Flut der angezeigten Fahrerfluchten in die Knie? Karl-Heinz Henn, Leiter der Direktion Verkehr im Polizeipräsidium Recklinghausen, erklärt im Gespräch mit dieser Zeitung, das Gegenteil sei der Fall. „Wir stellen uns konsequent auf“, betont der Beamte.

Während die Landeskampagne „Unfallflucht ist unfair“ eher an die Moral der Autofahrer appelliert, versucht die Kreispolizeibehörde mit einem eigenen Konzept, die Täter nicht davonkommen zu lassen. Ein Element sind die „Zeugenbriefkästen“.

Aufklärungsquote liegt bei gut 38 Prozent

Die bieten Augenzeugen seit drei Monaten die Möglichkeit, unkompliziert und schnell einen Hinweis zu hinterlassen. Standorte der „Briefkästen“ sind bisher die Einkaufszentren Palais Vest (Recklinghausen) und Marler Stern, der Realmarkt an der Siemensstraße in Castrop-Rauxel und das Südring-Center in Bottrop. Für eine Bilanz sei es noch zu früh, sagt Polizeisprecher Michael Franz. „Aber die Zeugenbriefkästen sind tatsächlich schon für Hinweise genutzt worden.“ Auch die Spurensicherung am Unfallort ist ein wichtiger Baustein. Polizeibeamte werden deshalb zu speziellen Fortbildungsmaßnahmen geschickt, damit den Ermittlern nichts entgeht. Ziel ist es, die Aufklärungsquote zu verbessern. Die liegt aktuell bei gut 38 Prozent, betrug vor fünf Jahren aber auch schon mal 50 Prozent. In mehr als 200 Fällen haben Unfallflüchtige im vergangenen Jahr Verletzte zurückgelassen. 71 Prozent dieser Täter konnten laut Statistik ermittelt werden. „Damit liegen wir zehn Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt“, sagt Direktionsleiter Karl-Heinz Henn.

Hinweise von Zeugen sind entscheidend

Hinweise aus der Bevölkerung sind ein entscheidender Faktor bei der Aufklärung von Unfallfluchten, die schließlich kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat sind. Lackspuren und Glassplitter am Unfallort reichen zwar häufig schon, um den Fahrzeugtyp zu ermitteln. Doch wenn Zeugen sich dann auch noch an Fragmente des Nummernschildes zu erinnern vermögen, kann der Kreis der potenziellen Täter stark eingeschränkt werden. Hat die Polizei erst einmal einen Verdächtigen ermittelt, ist es mit den vorhandenen technischen Möglichkeiten ein Leichtes, ihn auch zu überführen. Digital aufbereitete 3 D-Bilder zum Beispiel zeigen, wie Lackschäden von zwei Autos millimetergenau übereinander passen.

Bleiben Opfer zurück, tritt die Ermittlungsgruppe Verkehr (EGV) des Polizeipräsidiums auf den Plan und macht sich mit kriminalistischem Spürsinn auf die Suche nach dem Täter. Die Beamten vernehmen Zeugen, schellen bei Anwohnern oder postieren sich an der Straße. Es könnte ja sein, dass der Unfallverursacher jeden Tag zur gleichen Zeit dieselbe Strecke fährt. Wem ein Parkplatzrempler passiert, sollte warten, bis der Geschädigte zu seinem Fahrzeug zurückkehrt, oder die Polizei informieren. Einen Zettel hinter den Scheibenwischer des beschädigten Autos zu klemmen, genügt jedenfalls nicht.

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